Diplomat: Ein Berufsleben zwischen Traum und Albtraum

Von: Georg Schmitz
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Der Geilenkirchener Markus Hellebrandt mit seiner vierjährigen Tochter Isabella in El Salvador.

Geilenkirchen/San Salvador. Markus Hellebrandt aus Geilenkirchen genießt Diplomatenstatus und ist beruflich schon viel in der Welt herumgekommen. Über sein Leben im Ausland hat er unter dem Titel „Ferne Himmel“ nun ein E-Book veröffentlicht, in dem er all seine Abenteuer realistisch und spannend beschreibt. Anfangs deutete nichts auf den abenteuerlichen Werdegang des heute 50-Jährigen hin.

Nach der Mittleren Reife begann Markus Hellebrandt eine Ausbildung zum Polizeivollzugsbeamten beim Bundesgrenzschutz in Bonn. „Auf halber Strecke“ erfuhr er von seinem Ausbilder, dass für ihn später die Möglichkeit bestehe, in Diensten des Auswärtigen Amtes außerhalb der Grenzen seines Vaterlandes tätig zu werden. „Dies reizte mich sehr, und deshalb ergriff ich die Chance und besuchte ab 1985 die notwendigen Lehrgänge bei der Diplomatenschule in Bonn“, erklärt der Geilenkirchener.

Noch für den BGS arbeitend, wurde Markus Hellebrandt während der Ausbildung nach Paris zur Deutschen Botschaft abgeordnet und hier mit Schutzaufgaben beauftragt. Ein Jahr später führte ihn der berufliche Weg nach Moskau. „Ich musste dort russische Arbeiter beaufsichtigen, damit sie während der Baumaßnahme für die neue Deutsche Botschaft keine Wanzen mit einbauen“, erinnert sich Hellebrand.

1989 bewarb sich der Geilenkirchener um eine Tätigkeit beim Auswärtigen Amt und „landete“ während dieser Ausbildung zunächst in Helsinki. Nach Bestehen der Aufnahmeprüfung wurde Markus Hellebrandt nach Taschkent (Usbekistan) in die kurz zuvor eröffnete Deutsche Botschaft versetzt.

„Da ist mir ein Teil vom Haus abgebrannt, weil die Sauna nicht ordnungsgemäß eingebaut worden war“, denkt der 50-Jährige mit Schrecken zurück. Seit Taschkent ist ein Diplomatenpass sein ständiger Begleiter. Seinem Wunsch nach einer Versetzung nach Großbritannien wurde 1994 von Seiten des Auswärtigen Amtes entsprochen.

Der Geilenkirchener gehörte fortan zum Mitarbeiterstab des Deutschen Konsulates im schottischen Edinburgh, der damaligen Heimat seiner ersten Ehefrau. 1998 wurde Markus Hellebrandt nach Port au Prince auf Haiti versetzt. Der karibische Raum, für unzählige Menschen der Inbegriff für Traumurlaub, wurde für das Ehepaar teilweise zum Albtraum.

„Hier herrschten Faustrecht und Zustände der Gesetzlosigkeit“, denkt Hellebrandt zurück. Jeder sei mit Waffen herumgelaufen, sogar 16-Jährige. „Wir mussten um brennende Barrikaden und um Leichen herumfahren.“ Trotz dieser schrecklichen Erlebnisse seien sie aber zwischendurch immer mal zum 80 Kilometer entfernten Strand gefahren.

Nach dem frühen Tod seiner Ehefrau im Jahre 2000 war er bis April 2002 in der Außenstelle Bonn des Auswärtigen Amtes tätig, bevor er nach Tel Aviv abgeordnet wurde. Anfang 2003 ging es für zwei Monate nach Ramallah in die Palästinenser-Gebiete, bevor er wieder nach Tel Aviv zurückkehrte. Markus Hellebrandt spricht über Gegensätze in Israel, wo Menschen vor kriminellen Übergriffen selbst in tiefster Nacht sicher sind, aber tagsüber irgendwo eine Bombe hochgehen kann.

Sein beruflicher Weg führte ihn nach Kolumbien, wo er auch seine zweite Ehefrau kennenlernte. „In Bogota bin ich von einer fünfköpfigen Bande im Restaurant überfallen und ausgeraubt worden“, schildert er eines seiner Erlebnisse. Drei Jahre später fand das Auswärtige Amt für Markus Hellebrandt eine Verwendung in Dänemark, wo seine kolumbianische Frau mächtig das Frieren lernte.

Aus der zwischenzeitlich geschiedenen zweiten Ehe ging eine Tochter hervor, die zusammen mit Mama in Kolumbien lebt. Um seiner vierjährigen Tochter Isabella nahe zu sein, ließ sich der Geilenkirchener nach El Salvador versetzen „von 20 Grad minus nach 30 Grad plus“, wie er scherzhaft sagt.

In der Hauptstadt San Salvador ist Hellebrandt seit Mitte 2012 nun in der Visa-Abteilung der Botschaft für die Ausstellung der Pässe für deutsche Staatsangehörige zuständig. „Hier bin ich wieder in der Nähe von Isabella, die mich regelmäßig besuchen kommt“, freut sich der 50-Jährige. Ihm ist noch aufgefallen, dass auch in Süd- und Mittelamerika die Kluft zwischen Arm und Reich größer wird und die Kriminalität zunimmt. Eine „Traumverwendung“ könnte sich Markus Hellebrandt noch vorstellen und zwar in Namibia. „Nach Windhuk würde ich gerne hin.“

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