Dienste bieten unterschiedliche Modelle für den Hausnotruf

Von: Daniel Gerhards
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Was ein wenig aussieht wie eine Armbanduhr, kann im Notfall Leben retten: Mit einem Funksender können ältere oder kranke Menschen einen Hausnotruf auslösen und so Hilfe holen. Foto: obs/Initiative Hausnotruf, Johanniter-Unfall-Hilfe/dpa/tmn, stock/Horst Rudel/Chromorange

Kreis Heinsberg. Er ist in Deutschland nicht besonders beliebt, dabei kann er Leben retten: der Hausnotruf. Allerdings haftet ihm das Image an, für das Ende der Selbstständigkeit zu stehen. Viele ältere Menschen wollen sich den Hausnotruf erst anschaffen, wenn sie nicht mehr alleine zurechtkommen.

Dabei kann der Notruf helfen, die Eigenständigkeit zu wahren. Er lohnt sich nicht nur für Pflegebedürftige, sondern auch für chronisch Kranke oder Ältere, die viel Zeit alleine verbringen.

Ein Hausnotruf besteht üblicherweise aus einem Funksender und einem Basisgerät mit einer Freisprecheinrichtung, das an die Telefonbuchse angeschlossen ist. Den Sender trägt der Nutzer am Körper – entweder als Armband, mit einer Kordel um den Hals oder als Brosche. Gerät der Nutzer in eine Notsituation oder eine missliche Lage, muss er nur den Notrufknopf auf dem Funksender drücken, um die Notrufzentrale zu alarmieren.

Die Mitarbeiter der Zentrale bekommen mit dem Alarm automatisch alle Daten des Nutzers angezeigt: den Wohnort, Informationen über vorliegende Krankheiten und Nummern von Ansprechpersonen. Die Zentrale versucht als Erstes, über die Freisprechanlage mit dem Nutzer Kontakt aufzunehmen und die Situation zu klären. Kommt der Kunde zum Beispiel nicht mehr alleine aus dem Sessel hoch, benachrichtigt die Zentrale eine Vertrauensperson, die hilft. Das kann ein Nachbar sein, ein Angehöriger oder der Mitarbeiter eines Pflegedienstes.

Knackpunkt ist oft die Frage, wie schnell im Falle eines Falles Hilfe vor Ort sein kann. Denn der Kreis Heinsberg ist groß, bis Pflegedienstmitarbeiter in kleinen, abgelegen Orten sind, kann etwas Zeit verstreichen. Denn ein Pflegedienst, der anrückt, um nach dem Rechten zu sehen, fährt schließlich nicht mit Blaulicht, sondern muss sich an die Straßenverkehrsordnung halten.

Personen benennen

Deshalb ist es wichtig, sich die Pakete, die Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Caritas, Johanniter und andere anbieten, genau anzuschauen. Es sei in jedem Fall ratsam, Personen aus dem nahen Umfeld zu benennen, bei denen ein Schlüssel hinterlegt ist. Die können dann schnell nachschauen, wie es der Person geht, die den Notruf abgesetzt hat. Handelt es sich um einen medizinischen Notfall, kann sofort ein Rettungswagen verständigt werden.

Bei den Johannitern lässt sich gegen Aufpreis ein 24-Stunden-Bereitschaftsdienst buchen. Wer dieses „Premiumpaket“ bucht, kann seinen Schlüssel bei den Johannitern hinterlegen. Wird kein Rettungswagen angefordert, fahren Mitarbeiter der Johanniter aus Wassenberg oder von kooperierenden Pflegediensten raus. Wie schnell die Mitarbeiter vor Ort sind, hängt naturgemäß von der Entfernung zum Hilfesuchenden ab. „Wir haben das Bestreben, in 20 bis 30 Minuten vor Ort zu sein“, sagt Johanniter-Sprecherin Beate Wunsch.

Auch bei der Caritas gibt es ein Modell, in dem die Caritas-Mitarbeiter umgehend zum Hilfesuchenden fahren. Die Organisation habe sich keine in Minuten auszudrückende Zielmarke in Sachen Anfahrtszeit gesetzt, sagt Eva Lehmann-Weingärtner vom Caritasverband für die Region Heinsberg. Es fahre jeweils ein Mitarbeiter aus der nächstgelegenen der sechs Cariatspflegestationen im Kreis heraus. Die Pflegestationen befinden sich in Wassenberg, Wegberg, Erkelenz, Hückelhoven, Heinsberg und Geilenkirchen.

Solche Bereitschaftsdienste sind für ältere Leute interessant, die niemandem zur Last fallen möchten oder deren Angehörige nicht in der Nähe leben.

Das DRK bietet einen solchen Bereitschaftsdienst im Kreis Heinsberg nicht an. Und das gerade wegen des Faktors Zeit. „Einen Bereitschaftsdienst für so ein großes Gebiet anzubieten, halte ich für schwierig. Wenn der Alarm in Heinsberg ausgelöst wird und derjenige, der Bereitschaftsdienst hat, gerade in Hückelhoven ist, ist es schwierig, dem Betroffenen gerecht zu werden“, sagt Rachel Wimmer vom DRK-Kreisverband Heinsberg.

Deshalb arbeite das DRK nur mit Bezugspersonen seiner Kunden. Wer den Hausnotruf bucht, kann so viele Freunde, Verwandte oder Nachbarn mit Telefonnummer angeben, wie er möchte. „Bisher war es immer so: Wenn Hilfe benötigt wurde, war jemand vor Ort“, sagt Rachel Wimmer.

Deshalb raten die Dienste dazu, dass man Bezugspersonen in seiner nahen Umgebung benennt, die sich vergewissern, ob alles in Ordnung ist, wenn ein Notruf abgesetzt wird.

Es geht aber beim Hausnotruf nicht nur um den Ernstfall. Das Gerät sorgt auch auf der psychologischen Seite für mehr Sicherheit. Oft seien es die Angehörigen, die mehr Sicherheit für ältere oder kranke Menschen wollten, sagt Wimmer. „Die Betroffenen sagen oft, dass sie keinen Hausnotruf brauchen“, sagt Wimmer. Ein solches Hilfsmittel sorge dafür, dass sich die Leute alt fühlten. Ganz ähnlich wie mit einem Rollator oder Badewannensitz.

Technisch ist mit einem Hausnotrufsystem eine Menge möglich. Das Gerät lässt sich so programmieren, dass automatisch ein Alarm ausgelöst wird, wenn sich der Eigentümer nicht zu einer bestimmten Zeit meldet, außerdem gibt es Sturz-Detektoren, die auslösen, wenn jemand hinfällt, oder die Zentrale bekommt mit, wenn sich der Drücker über einen längeren Zeitraum nicht bewegt.

Das alles soll dazu beitragen, dass ältere, kranke und pflegebedürftige Menschen länger in den eigenen vier Wänden leben können.

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