Übach-Palenberg - Die Wurm darf sich wieder mehr winden

Die Wurm darf sich wieder mehr winden

Von: Verena Müller
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Viele Spatenstiche habe er schon erlebt, so Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch (Mitte), aber noch keinen in Schnee und Eis: Zusammen mit Prof. Wolfgang Firk, WVER-Vorstand, Wolfgang Goebbels und Arno Hoppmann, beide WVER-Verbandsratsmitglied, sowie Björn Schlun, Geschäftsführer der Baugruppe Schlun, an der Wurm. Foto: V. Müller

Übach-Palenberg. Drei alte Pappeln und die Mühle in Zweibrüggen zeugen noch davon, dass die Wurm in dieser Gegend einmal einen anderen Verlauf hatte. Bevor sie Ende der 1960er Jahre begradigt wurde, verlief sie in Schlangenlinien zwischen der Straße In der Schley und der Bahnstrecke. Künftig wird die Wurm wieder näher an die Pappeln gerückt, die Mühle bleibt aber weiter auf dem Trockenen. Der Hochwasserschutz steht einer Wiederinbetriebnahme im Weg.

Am Freitag haben der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) und Vertreter der Stadt Übach-Palenberg die Baustelle zur Renaturierung des 400-Meter-Stücks Wurm offiziell per Spatenstich eröffnet. Ziel: die Artenvielfalt erhöhen und den Hochwasserschutz verbessern. „Schnurgerade, wie eine Schnellstraße“, verlaufe die Wurm auf dem Stück derzeit, sagte Robert Steegmans, Dezernent Gewässer beim WVER. Voraussichtlich schon im August dieses Jahres werde sie wieder mäandern. Zwischen Marienberg und Zweibrüggen soll sie etwas näher an die Straße In der Schley ranrücken, also ein Stück nach Westen verlegt werden. Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 1,2 Millionen Euro, das Land Nordrhein-Westfalen fördert die Maßnahme zu 80 Prozent. Sprich: Die verbleibenden 240.000 Euro werden auf die Mitglieder des WVER umgelegt.

Die weiteren Zahlen der Renaturierung stellen sich so dar: Das Land wird in dem Teilstück um zwei bis zweieinhalb Meter abgesenkt, damit sich dort eine Aue bilden kann. Rund 45.000 Kubikmeter Retentionsraum, also Hochwasserrückhalteraum, entstehen. „Es wird eine Art Badewanne geschaffen“, erläutert Steegmans. „Mit dem Aushub wird das alte Gewässerbett verfüllt.“ Das neue Flussbett wird eine Breite von 70 bis 90 Meter messen, insgesamt verlängert sich der Lauf von derzeit 150 Meter auf 510 Meter. Die Gewässerrinne wird 50 Zentimeter tief sein.

Zwei Effekte ergeben sich daraus: Die Fließgeschwindigkeit nimmt etwas ab und: „An 100 Tagen im Jahr können die Auen mit Flusswasser überflutet sein“, so Steegmans weiter. Vor allem Brutvögel und Kleinstlebewesen sollen so einen idealen Lebensraum erhalten.

Eine Brücke zieht um

Was den Lebensraum der Menschen, also der direkten Anwohner anbelangt, so gab es im Vorfeld Sorgen und Bedenken: Stehen die Keller der nahe gelegenen Häuser bald mit Regelmäßigkeit unter Wasser? Der WVER versicherte beim Ortstermin, dass man die für diese Verfahren üblichen Modelle bemüht habe und auf dieser Basis versichern könne, dass die Renaturierung „keinen negativen Einfluss auf die lokale Bebauung“ haben werde.

Und was ändert sich für Radfahrer und Wanderer? Der alte Radweg bleibt bestehen, aber eine Brücke zieht um und eine wird komplett neu gebaut. Letztere entsteht an der künftigen Schnittstelle zwischen altem und neue Flusslauf, zwischen dem Naherholungsgebiet und Zweibrüggen. Wandern wird die alte Brücke im Naherholungsgebiet, ihr neuer Bestimmungsort liegt an der Ortseinfahrt Marienberg. „Die Brücke wird mit Hilfe eines Autokrans versetzt“, sagt Erfried Lorenz vom Unternehmensbereich Gewässer des WVER. An der Brücke, welche die Straße Zweibrüggen über die Wurm führt, fallen nur die Sohlschwellen weg. Unter Sohlschwellen versteht man quer zur Strömungsrichtung eines Flusses verlaufende Schwellen in Form von Steinaufschüttungen oder Betonschwellen, die Bodenerosion verhindern sollen, oft aber den Nachteil haben, dass Wasserlebewesen sie nicht überwinden können.

Landschaftlich erhoffen sich die Projektpartner – WVER, Kreis Heinsberg und Stadt Übach-Palenberg – eine so große Aufwertung, dass es sich lohnt, gleich zwei Aussichtspunkte einzuplanen. Bislang steht nur einer der beiden Standorte fest: dort, wo sich heute eine Brücke im Naherholungsgebiet befindet. Weitere Renaturierungsmaßnahmen sind bereits in der Vorbereitung.

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