Die Tankstelle des Jahres 2012

Von: gs/vm
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Die Tankstelle des Jahres 2012 steht in Geilenkirchen. Das „grüne“ Konzept überzeugte die Jury. Ins Auge fallen vor allem die Photovoltaikmodule auf dem Dach über den Zapfsäulen. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Dass sie gerade mit ihrem Wagen an einer Zapfsäule der Tankstelle des Jahres stehen, das wissen wohl die wenigsten Kunden. Michael Vieten aus Wegberg beispielsweise legt mit seinem Kleintransporter regelmäßig auf dem Weg zur Arbeit einen Zwischenstopp an der PM-Tankstelle an der Sittarder Straße ein.

Dass man hier, zwischen Geilenkirchen und Gillrath, auch nachts gut einen Kaffee trinken kann, dass es drinnen hell und freundlich ist, ja, das sei ihm aufgefallen. Aber sonst?

So wie ihm geht es vielen der täglich rund 1000 Kunden. Höchstens das ungewöhnliche Dach fällt manchen noch ins Auge. Ansonsten deutet auf den ersten Blick nichts darauf hin, dass man sich gerade an der innovativsten Tankstelle Deutschlands befindet. Keine Urkunde schmückt die Wand, kein Pokal glänzt in der Vitrine. Aber das soll sich bald ändern.

Alle zwei Jahre verliehen

Die Auszeichnung kam eigentlich nicht überraschend, denn Fred Pfennings hatte gezielt darauf hin gearbeitet. Schon 2010 hatte er es aus dem Stand auf den zweiten Platz geschafft, da hatte ihn der Ehrgeiz gepackt. Auf dem von der Uniti und der Fachzeitschrift Tankstelle veranstalteten Forum „Zukunft Tankstelle“ konnte der mit seinem Firmensitz in Baesweiler gemeldete Unternehmer nun den alle zwei Jahre verliehenen Innovationspreis „Tankstelle des Jahres 2012“ entgegennehmen.

Die bundesweite Auszeichnung betraf seine Anfang 2012 eröffnete „Grüne Tankstelle“ in Geilenkirchen, die nach modernsten ökologischen Aspekten konzipiert wurde. Photovoltaik, Solarthermie, ein geschlossener Wasserkreislauf, Pelletheizung und High-Tec-LED-Technik haben hier an einer Betriebsstätte Einzug gehalten.

Inzwischen sind Tankstellenbesitzer aus ganz Deutschland zur PM-Tankstelle kurz vor dem Knotenpunkt von B 221 und B 56 gepilgert, um sich die Vorzeige-Tanke anzuschauen.

Fred Pfennings hat den von seinem Vater 1961 gegründeten Betrieb im Jahre 1995 übernommen. Inzwischen gibt es 50 Standorte mit insgesamt 50 fest angestellten Mitarbeitern und rund 200 Teilzeitkräften. Der Schwerpunkt liegt räumlich am Niederrhein, vor allem rund um Moers, aber auch in Düren, Brühl oder Düsseldorf gibt es Niederlassungen.

Zum 50-jährigen Bestehen

Die Geilenkirchener Tankstelle ist die 50. im Hause Pfennings, die auch noch im 50. Jahr seit Gründung gebaut wurde. Für dieses Jubiläum musste etwas Besonderes her; und so machte sich Fred Pfennings mit seinem Prokuristen Dr. Wilfried Plum Gedanken über eine „Grüne Tankstelle“. „Die Auszeichnung erfüllt uns mit Stolz und ist ein Ansporn. Schließlich sind wir ein relativ kleines Unternehmen“, sagt Plum. Bereits bei der „Tanke Nummer 49“ in Dormagen hatte Pfennings ein ökologisches Konzept umgesetzt, das er für seine Jubiläumstankstelle optimiert hat.

Die Photovoltaikmodule auf allen Dächern fallen dem Kenner als erstes ins Auge. Quasi jeder Quadratzentimeter wird genutzt. Wer beim Tanken nach oben schaut, entdeckt ebenfalls die kleinen, in das durchsichtige Dach eingelassenen Module. 60.000 Kilowattstunden Strom wurden auf dem Gelände innerhalb eines Jahres erzeugt.

„Das ist mehr als ein Viertel unseres Gesamtbedarfs“, rechnet Plum vor. Im Sommer werde tagsüber der komplette Bedarf an Strom gedeckt. Daneben steht für die mit Solarstrom betriebenen Fahrzeuge eine Säule für die kostenfreie Betankung zur Verfügung.

„Wir erzeugen in Geilenkirchen nicht nur den Strom, sondern auch das Warmwasser mit der Kraft der Sonne“, erläutert der Firmenchef. Solarthermie ist der Fachausdruck dafür, und die sorgt stets dafür, dass den Kunden beim Waschen ihres Autos in den SB-Boxen temperiertes Wasser zur Verfügung steht.

Selbst im Winter, bei bis zu minus zehn Grad ist die Anlage in Betrieb, die sogar über eine Bodenheizung verfügt, so dass kein Kunde ins Rutschen gerät. „Wenn die Sonne nicht reicht, schaltet die Pelletheizung zu“, sagt Plum. Aber praktischerweise neigten ja die meisten eh dazu, ihren fahrbaren Untersatz bei schönem Wetter zu waschen – sprich: wenn die Sonne scheint und die Pelletheizung gar nicht erst eingeschaltet werden muss.

Das „Futter“ für die Heizung, gepresste Sägespäne von Holzabfällen aus der Region, werden in Titz hergestellt und benötigten so auch keine langen Wege bis zur Geilenkirchener PM-Tankstelle, erklärt Pfennings. Der Umweltschutz und die ökologische Schiene haben den Firmeninhaber schon immer beeinflusst – der ökonomische Gedanke spielt aber natürlich auch eine große Rolle.

„Unser Hauptziel ist es, die Kosten zu drücken“, sagt Plum. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, wie: In einem riesigen Schrank befindet sich die Steuerung für den Strom. Bei hohem Verbrauch ist die Zentrale so eingestellt, dass sie ab einer bestimmten Obergrenze selbstständig Einsparmöglichkeiten sucht. Beispielsweise werden die Klimaanlage oder der Wasserboiler kurz abgeschaltet.

„Bei der Tankstellenökologie haben wir hier in Geilenkirchen das Non-Plus-Ultra geschaffen“, ist sich Pfennings sicher. „Es gibt derzeit auch in keiner Tankstelle sparsamere Leuchtmittel als hier. Wir arbeiten kostendeckend und speisen sogar ein.“ Es komme zu keinen Kostensteigerungen. Das einmalige Konzept der „Tankstelle des Jahres 2012“ soll nun durch Nachrüstungen auch in bestehende Tankstellen von Pfennings Einzug finden. Doch der Firmeninhaber denkt schon weiter: „Ein Windrad würde mich reizen, um auch noch das Letzte rauszuholen“, sagt er.

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