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Die Sprache als literarisches Schwert eingesetzt

Von: Georg Schmitz
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Beherrscht das literarische Kabarett: Wendelin Haverkamp begeisterte sein Publikum in der Aula der Geilenkirchener Realschule. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Dass Wendelin Haverkamp die „Wortakrobatik” beherrscht, davon konnten sich über 200 Zuhörer in der Aula der Realschule überzeugen. Das literarische Kabarett ist sein Schwerpunkt und auch seine Stärke.

„Ich komme von der Sprache her”, berichtete Haverkamp vor seinem dritten Auftritt „im Auftrag der Volkshochschule” in Geilenkirchen. Intelligente Satire, das ist sein Ding, ganz im krassen Gegensatz zum „Hau-drauf-Stil” vieler „Comedy-Blödelbarden”.

„Aachen gefällt mir gut”, sagt Wendelin Haverkamp, warum er als gebürtiger Bonner sich die Kaiserstadt als Heimat erkoren hat. Und außerdem habe er ein Aachener Mädchen geheiratet. Seit rund 40 Jahren steht Haverkamp vor Publikum auf der Bühne. Zwölf Cds zeugen von der Schaffenskraft des weithin bekannten Kabarettisten.

„Am Anfang nehme ich sofort Kontakt zum Publikum auf”, erklärt der Künstler und taucht kurze Zeit später aus dem Dunkel der Aula ins grelle Scheinwerferlicht ein. Hinter seinem Markenzeichen - der großen Nickelbrille - hervorlauernd, nimmt er direkten Blickkontakt mit einzelnen Zuschauern auf und bezieht diese immer wieder in Szenen seines zweistündigen Programms ein.

Das graue, wellige Haar, etwas strubbelig - ja an Einstein erinnernd - im Licht dem Kopf folgend, gibt den Eindruck wieder, den sich die meisten Menschen von einem Wortakrobaten erwarten. Und schon legt er los, der Haverkamp. „Ich habe eine Frage! Sagen Sie die Wahrheit?” „Nein!”, kam aus dem Publikum die ehrliche Antwort. Lügen schaffe eine besondere Hirnstruktur, erwiderte Wendelin Haverkamp. Beim Lügen wachse die Gehirnmasse.

Denn: „Man muss sich die Wahrheit merken, und auch das, was man sich zusammenlügt.” Ob man als Lügner überhaupt die Wahrheit kennen müsse, stellte sich der Kabarettist die Frage und wartete mit dem Beispiel „Polizeikontrolle” auf. Auf die Frage „Haben Sie was getrunken?”, möge der Betroffene „Nein” antworten - ob es nun stimmt oder auch nicht, denn: „Sie müssen ja nicht gelogen haben, weil Sie sich nicht mehr erinnern, dass Sie getrunken haben!”

Ob es denn überhaupt den notorischen Lügner gebe? Haverkamp: „Gehen Sie mal zur Bank zum Anlageberater...” Wendelin Haverkamp ist ein Wortkünstler, der seine Sprache als „literarisches Schwert” einsetzt. „Sind Sie ein Pingel?”, spricht er einen Zuhörer an. Jeder lebe doch in seinem eigenen „Pingel-Kosmos”.

Wieder ein Beispiel: Der Kunde kommt in die Bäckerei, die Verkäuferin wringt gerade den Aufnehmer aus und greift dann zu den bestellten Brötchen... „Sind Sie pingelig?”, fragt Haverkamp. Die Bedienung in der Metzgerei hat Influenza. Sie geht ins Kühlhaus und niest sich lautstark aus. Die Dame kommt an die Theke, legt das Taschentuch beiseite und zählt jede Scheibe Schinken einzeln ab... „Sind Sie etwa pingelig?”.

Das Publikum in der Aula kommt aus dem Lachen nicht mehr heraus. Da juckt es auf dem Kopf, die Verkäuferin kratzt und die Schuppen rieseln auf die Wurstscheiben... „Sie werden doch nicht etwa pingelig sein, denn beim Geldzählen zuvor hat sie sich die Finger doch schon etwas gereinigt.” Wendelin Haverkamp zieht alle Register seiner kabarettistischen Darbietung.

Sagt die Ehefrau: „Wenn Du diese schreckliche Jacke noch mal anziehst, geh ich nicht mehr mit Dir raus”. Haverkamp: „Seitdem bin ich viel alleine unterwegs.” Unzählige Pointen folgen im Programm, so auch: „Von nichts wissen zu müssen ist Voraussetzung für die Beförderung nach A 16”, oder „Schafft die Idioten ab”, habe Peter Slotterdike schon gefordert. Haverkamp gibt zu bedenken: „Das käme einem Völkermord gleich!” Noch wissenswert, weil aus der aktuellen Computersprache: „Was bedeutet Blog?”.

Haverkamps Antwort: „Bitte lesen ohne Grammatikkenntnisse”. Im Blog brauche man schließlich keine ganzen Sätze zu bilden! Der Abend mit Wendelin Haverkamp hatte sich für die Besucher gelohnt.
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