Geilenkirchen - Die Erinnerung des Soldaten verblasst nie

Die Erinnerung des Soldaten verblasst nie

Von: mabie
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Eingerahmt von Geilenkirchens Bürgermeister Thomas Fiedler (r.), dem Beigeordneten Herbert Brunen (l.) und Roswitha Beckers (2.v.l.) vom Kulturamt erschienen William und Mary Sneddon zum Gedankenaustausch im Rathaus. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. „1954” steht in dünnen Bleistiftstrichen auf seiner Rückseite. Es ist nicht so vergilbt, wie es vielleicht sein sollte, aber vielleicht auch nur nochmals abfotografiert und neu abgezogen.

Denn die Kratzer, Knicke, der Staub der Jahre, die auf dem mutmaßlichen Original dieses Fotos deutlich zu erkennen sind, fehlen in seiner Oberflächenstruktur. Dennoch weiß der Betrachter mit geschultem Blick, dass es sich bei dem Foto nur um eine Aufnahme des Stadtkerns von Geilenkirchen handeln kann.

Vier junge Männer sind dort zu sehen, einer davon in Zivil, die anderen adrett mit Barett und Uniform. Im Juni traf dieses Bild in unserer Redaktion ein. Per Post, „by Air-Mail” wie ein akkurat aufgebrachter, blauer kleiner Aufkleber stolz verkündete. Mit 56 p frankiert kam er aus Schottland, war an den Herausgeber der „Geilenkirchen Volks Zeitung” adressiert. Neugierig machte sich die Redaktion in den Tagen danach auf Spurensuche.

Schließlich entpuppte sich das dreiseitige Schreiben als Brief von einem ehemaligen schottischen Soldaten. William Sneddon war zwischen 1953 und 1955 als Soldat der Royal Air Force in Teveren stationiert. Heute ist er zuhause in Motherwell, Schottland, doch die Erinnerung an Geilenkirchen wollte in dem Mann nie aus dem Kopf gehen.

So entschloss er sich im Sommer dieses Jahres, kurzerhand mit seiner Frau Mary den Sommerurlaub in Deutschland auch kurz mal in Geilenkirchen zu verbringen. Mit einem Album voller Fotos im Gepäck reisten sie nach Geilenkirchen. Nach der Ankunft am Bahnhof rieb sich William Sneddon verwundert die Augen, so sehr hatte sich Geilenkirchen in den Jahren seit seiner Abberufung 1955 verändert. Vergeblich suchte er den einst durch die Stadt offen fließenden Fluss, auch Häuser und Straßenzüge waren ganz anders als damals.

Doch schnell halfen freundliche Passanten weiter, die Sneddons landeten schließlich bei der Stadtverwaltung und dem dortigen Kulturamt. Dort wurde ihnen bestens weitergeholfen, auch die Örtlichkeiten auf den Fotos waren schnell erkannt. So wurde das alte Bild mit den vier Männern wurde vor dem Hotel Jabusch aufgenommen, rechts ist noch das Hauptportal der Pfarrkirche St. Marien zu sehen.

Auch wenn es wegen der Sicherheitsvorkehrungen zunächst nicht möglich war, die Nato-Airbase als heutige Nutzer seines ehemaligen Stützpunktes zu besichtigen, ließ sich der Ex-Soldat nicht beirren. „Einen Versuch ist es trotzdem wert, wenn man schon mal hier ist”, sagte er mit einem Lächeln.

Natürlich ließ es sich die Stadt nicht nehmen, die Sneddons zum Ende der Länderpräsentation „Geilenkirchen blickt auf Europa: 2009 Vereinigtes Königreich” einzuladen. Trotz enormer Kosten für das Paar kamen sie nach Geilenkirchen, wurden zwischenzeitlich auch kurz von Bürgermeister Thomas Fiedler, dem Beigeordneten Herbert Brunen und Roswitha Beckers vom Kulturamt zu einem Gedankenaustausch in das Rathaus eingeladen. Tags drauf wurde sogar der lang gehegte Traum einer Besichtigung der Airbase doch noch wahr, so dass William Sneddon nun endlich ein rundes Bild neuester Eindrücke seiner ehemaligen Garnisonsstadt mit nach Hause nehmen kann.
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