Die Energiewende und der Einfluss der Wirtschaft

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Geilenkirchen. Die Anton-Heinen-Volkshochschule Heinsberg (VHS)und die Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik Sektion Aachen/Heinsberg hatte jetzt zu einem Vortrag geladen, bei dem das Thema Energie im Mittelpunkt stand.

Als Referent konnte Dr. Frank Umbach, Experte für internationale Energie-Sicherheit am Centre for European Security Strategies München, gewonnen werden. Rund 50 interessierte Besucher waren zum Vortrag des Experten ins Haus Basten gekommen.

Unter ihnen waren Dr. Ulla Louis-Nouvertné, stellvertretende Leiterin der VHS,und Herbert Wölfel, Sektionsleiter. Umbach machte bereits zu Beginn seines Vortrags klar, dass für die Energieversorgung weitgehend die Wirtschaft zuständig ist. Die Bundesregierung habe erkannt, dass die Abhängigkeit von nur einem Energieversorger zum Problem werden kann. Die Energieversorgung habe mittlerweile globale Dimensionen erreicht. Es spiele beispielsweise eine Rolle, wie stabil die politische Lage in den Ländern ist, die ein großes Erdöl- oder Erdgasvorkommen haben.

Drei Faktoren

Für Umbach sind es drei Faktoren, die die Energiesicherheit bestimmen: Klimapolitik, Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit. Die größte Herausforderung für Politik und Wirtschaft bestehe darin, das Gleichgewicht zwischen diesen Faktoren aufrecht zu erhalten. Deutschland war im Jahr 2008 in der Energieversorgung zu rund 70 Prozent vom Import abhängig. Russland spielte dabei die wichtigste Rolle.

Das Land ist der größte Öl- und Erdgaslieferant, aber auch der bedeutendste Steinkohleimporteur für Deutschland. Ein weiterer Punkt im Vortrag war das Thema Kernenergie. „Abhängigkeit hat auch mit dem Kernenergieausstieg zu tun”, sagte Umbach. Die Versorgungsrisiken werden steigen, auch wenn der Anteil der erneuerbaren Energien wachsen wird. Experten schätzen, dass der Energiebedarf weltweit bis 2035 um ein Drittel steigen wird. Erdöl wird nur noch für die nächsten 40 Jahre verfügbar sein. Kohle hingegen nimmt seit den vergangenen Jahren eine bedeutendere Rolle ein. Daraus ergeben sich wiederum Auswirkungen auf angestrebte Ziele, wie die im Kyoto-Protokoll vereinbarte Zwei-Grad- Grenze.

Politisch instabil

Die reichsten Staaten in der arabischen Welt verfügen über rund 70 Prozent des Öl- und 40 Prozent des Erdgas- Gesamtvorkommens in der Welt. Diese Region ist politisch sehr instabil, wie der Irak und Iran. Es sei nicht auszudenken, welche Auswirkungen es auf die Ölversorgung der Welt hätte, käme es in Saudi-Arabien zu einem Bürgerkrieg und einem Ausfall der Förderungen, sagte Umbach.

Die Erdgasressourcen und die unkonventionellen Erdgasvorkommen (Schiefergas, dichtes Sandgestein, Kohlenflöz - Grubengas) reichen für rund 60 Jahre. Rohöl und Erdgas werden durch Pipelines oder mit Tanker transportiert. Umbach warnte: „Mit Pipelines gibt es keine Flexibilität, Routen von Tankern hingegen kann man variieren”.

Umbach kam zu dem Ergebnis, dass die Bundesregierung den Handlungsbedarf erkannt hat. Aber die Energiewende sei nicht sorgfältig durchdacht worden. Umbach plädierte für eine globale Energieaußenpolitik: Es sollte über die Schaffung eines Energieministeriums nachgedacht werden, damit Maßnahmen koordiniert werden können. Auch das Bewusstsein der Bürger müsse geschärft werden. Die Überzeugung vieler Menschen, Strom komme aus der Steckdose und Benzin aus der Zapfsäule, zeige, wie viel Aufklärungsarbeit erforderlich ist.
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