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Die Axt kreist weiter in der Teverener Heide

Von: Udo Stüsser
Letzte Aktualisierung:
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Langsam wird es für startende und landende Awacs-Flugzeuge kritisch: Manche Bäume ragen zu hoch in den Himmel und behindern den Flugverkehr. Fotos (2): Markus Bienwald Foto: Markus Bienwald
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Achim Urmes vom Bundesforst, Dirk Beemelmanns von der Stadtverwaltung, Revierleiter Martin Wingerszahn und Sicherheitsoffizier Ekkehard Heinichen (von links) mit Plänen an der Landebefeuerung.

Geilenkirchen. Eine Landkarte mit etwa acht bunten Punkten sowie mangelnde Kommunikation und daraus resultierende Missverständnisse sind sicherlich auch Ursachen für die große Empörung innerhalb der Bevölkerung über den erneuten Kahlschlag in der Teverener Heide.

 Wie berichtet, hatte eine niederländische Firma im Auftrag des Bundesforstes bereits Anfang des Monats damit begonnen, ein Waldstück am Heidestadion dem Erdboden gleich zu machen. 

Es hagelte Proteste aus der Bevölkerung, beim Teverener Ortsvorsteher Hans-Josef Paulus stand das Telefon nicht mehr still, die Abholzaktion wurde in den politischen Gremien diskutiert, und Bürgermeister Thomas Fiedler kündigte schließlich an zu prüfen, ob und wann die Stadt Geilenkirchen den Vertrag mit dem Bund mit welchen Konsequenzen kündigen kann.

Verständnis hatte man auf allen Seiten natürlich für die Mitteilung des Bundesforstes, dass Bäume zu hoch geraten seien und auf Bitten der Nato die Flugsicherheit hergestellt werden müsse. Weniger Verständnis hatte man allerdings dafür, dass ein ganzes Waldstück zwischen Rasen- und Ascheplatz in einer Nacht- und Nebelaktion der Säge zum Opfer fiel und gleichzeitig weitere Abholzungsmaßnahmen angekündigt wurden. Die Informationen flossen schließlich auch nur spärlich. Auch auf Anfrage unserer Zeitung teilte der Bundesforst lediglich mit: „Im Auftrag des Nato-Verbandes stellen wir die Hindernisfreiheit des Flugbetriebes her.“ Und der Kreis Heinsberg erklärte lapidar: „Wir sind informiert.“

Warum aber die Bäume nicht gekürzt, sondern direkt oberhalb des Erdbodens abgesägt wurden, und warum nicht nur die etwa acht auf der besagten Karte eingezeichneten Bäume gekürzt wurden, darüber herrschte eisernes Schweigen. Bis Freitag. Vor Ort informierten Oberstleutnant Ekkehard Heinichen, Flugsicherheitsoffizier beim Awacs-Verband, Achim Urmes, stellvertretender Betriebsleiter und Funktionsbereichsleiter Naturschutz des Bundesforstbetriebes Rhein-Weser, und der zuständige Revierleiter Martin Wingerszahn über diese und bevorstehende Maßnahmen.

Eingangs erklärte Paulus nochmals deutlich, dass er die Maßnahme „nicht wohlwollend“ zur Kenntnis nehme und kritisierte die „vielen Versprechungen, Halbwahrheiten und Unwahrheiten des Bundesforstes“. Paulus bedauerte, dass man nicht frühzeitig mit einbezogen worden sei und kritisierte ähnliche Abholzungen in Aachen, in der Eifel und Würselen. Dies, so konterte Urmes, seien Maßnahmen des Landes, „da haben wir gar keine Karten im Spiel“. In Teveren hingegen sei der Bundesforst im Einsatz. „Wir sind Förster, wir lieben den Wald. Aber die militärische Anforderung an diese Fläche heißt Flugsicherheit.“

Was Flugsicherheit für den E-3A-Verband bedeutet, erklärte Oberstleutnant Ekkehard Heinichen. Auf jeder Seite der Start- und Landebahn sei auf einer Breite von 150 Metern Hindernisfreiheit herzustellen, „am liebsten planiert und gekehrt“. Entlang der Start- und Landebahn und darüber hinaus ist die Heidefläche in Sektoren eingeteilt, in denen unterschiedliche Baumhöhen zugelassen sind.

„An acht Stellen waren die Bäume zu hoch geraten. Diese sollten punktuell gekappt oder gefällt werden. „Dagegen hätte auch niemand etwas gesagt“, erklärte Paulus und hatte dabei wie der ganze Rat und die Verwaltung die Karte mit den acht Punkten im Kopf. Heinichen erläuterte, dass das ganze Waldstück zu hoch geraten sei, die Bäume hätten bis zu 15 Meter in den Himmel geragt.

Die auf der Karte markierten Stellen seien lediglich Messpunkte gewesen. Achim Urmes erklärte, Bäume könne man nicht in einer gewissen Höhe kürzen, dann würden sie absterben. Würde man sie „auf Stock setzen“, also bodennah fällen, ließe man den Baum am Leben, so dass er neu austreiben könne. „Würden wir kappen, würden wir in der Heide nur Totholz produzieren.“

Auch wirtschaftliche Fragen würden in diesem Fall keine Rolle spielen. Mit dem Holz aus der Teverener Heide könne man keine Gewinne erzielen, es handele sich lediglich um Energieholz. „Es handelt sich nicht um qualitativ hochwertes Holz, es erfüllt noch nicht einmal die Minimalanforderungen. Die Flugsicherung der Awacs-Flugzeuge ist der bestimmende Faktor“, sagte er.

Auf die Ankündigung von Bürgermeister Thomas Fiedler, Ratsmitglieder würden prüfen, Strafanzeige gegen den Bundesforst zu erstatten, reagierten die Vertreter dieser Behörde gelassen. Alle Maßnahmen seien abgestimmt, man bewege sich im Rahmen des Gesetzes, sagte Urmes. Paulus jedoch sah eine Verletzung der Gesetze, weil sich die Arbeiter „mit schweren Kettenfahrzeugen und Baggern“ durch das Gelände bewegt hätten.

„Jeder Baum, der gefällt wird, tut mir weh“, sagte Paulus. „Mir auch“, entgegnete Urmes. Wenn das stimmt, werden beide noch viele Schmerzen erleiden müssen. 1,3 Hektar Wald – Birken, Eichen und Kiefern – wurden bereits zwischen den beiden Sportplätzen abgeholzt. Eine weitere Maßnahme, soll in den nächsten Tagen folgen. Zwei Hektar Erlen, Weiden und Eichen sollen an der Anflugbefeuerung gekappt werden. Und etwa 30 einzelne Birken, Eichen und Weiden werden am Ascheplatz auf Stock gesetzt.

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