Der Traum von sicherer Obhut zum Lichterfest

Von: Andrea Schever
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Vor mehr als zwei Jahren kam Ganesh Chowdhry als Flüchtling aus Afghanistan in Deutschland an. Weihnachten vergleicht er mit „Diwali”, dem Lichterfest in seiner gebürtigen Heimat. Foto: Andrea Schever

Geilenkirchen. Sie haben einen langen Weg zurückgelegt. Sie haben nur das Nötigste bei sich. Sie brauchen ein Dach über dem Kopf. Doch sie kennen niemanden und müssen sich in der Fremde alleine zurechtfinden.

So wie es schon Maria und Josef vor rund 2000 Jahren erging, als sie trotz Marias Schwangerschaft keine Herberge in Betlehem fanden, so mag es manchen auch noch heute gehen. Flüchtlinge beispielsweise.

Sei es - wenn auch zufällig - zur Geburt eines Kindes oder an einem der höchsten religiösen Feiertage: Wer nicht in seiner heimischen Umgebung ist, fühlt sich schnell allein (gelassen). So geht es Ganesh Kumar Chowdhry, der vor etwas mehr als zwei Jahren als Flüchtling aus Afghanistan in Deutschland kam. Da kannte er nur einen Menschen, der ihm zwar weiterhelfen, ihm jedoch keine Obhut geben konnte.

Ganeshs Weg führte von Frankfurt über Dortmund, von wo aus er nach Geilenkirchen geschickt wurde. Dies alles, ohne ein Wort Deutsch zu verstehen. Hier versorgte man ihn mit einem kleinen Zimmer in einer Wohngemeinschaft. Ein besonders heimisches Gefühl kam da sicher nicht auf. Und die „fehlende Warmherzigkeit” mancher Deutschen, die Ganesh bald erkannte, erleichterte den einsamen Anfang auch nicht. Doch Deutsch hat der jetzt 30-Jährige in den vergangenen Jahren schon sehr gut gelernt, so dass immerhin die sprachliche Barriere überwunden werden kann.

Doch besonders einsam und fremd fühlt sich der junge Hindu an hohen Feiertagen. „Natürlich vermisse ich meine Familie. Bei uns ist die nämlich sehr wichtig”, betont Ganesh. „Wir können uns ein Leben ohne Familie gar nicht vorstellen.” So wie bei den Deutschen zu Weihnachten immer die mehr oder minder geliebte Familie dazu gehört, so wünscht sich Ganesh am vergleichbaren Lichterfest „Diwali”, dem wohl wichtigesten Fest für Hindus, seine Familie herbei. In diesem Jahr hatte er das Glück, bei Verwandten nahe Köln einen Teil des Weihnachts-/Lichterfestes verbringen zu können und die Gesellschaft anderer Menschen genießen zu können.

Sich freiwillig in ein fremdes Land zu begeben, um dort zu versuchen Fuß zu fassen, stand für Ganesh jedoch fest. „In Afghanistan gehören wir, die Hindus, zu einer religiösen Minderheit. Das war schon schlimm.” Er erinnert sich an unschöne Situationen auf der Straße und im früheren Geschäft seiner Eltern. „Als dann die Taliban 1996 an die Macht kamen, wurde das Leben zur Hölle.” Zwar spricht der zielstrebige Mann auch Englisch, doch für ihn war kein Platz auf dem Arbeitsmarkt in seiner Heimat. In Geilenkirchen hat er immerhin einen Ein-Euro-Job, so lange er auf seine endgültige Aufenthaltsgenehmigung wartet.

Doch so wie auch Maria und Josef damals versuchten, das beste aus ihrer Notlage zu machen und dabei auch mit geringsten Mitteln ein familiäres Gefühl zu schaffen, so holt sich auch Ganesh seine Kultur in seine neuen vier Wände.

Angst vor dem Kulturverlust

„Wenn man nicht mehr im Heimatland ist, befasst man sich mehr damit”, bemerkt er. „Man hat, wenn man unter seinen Leuten ist, weniger die Angst, seine Kultur zu vergessen. Aber seit ich hier bin, lege ich da Wert drauf.”

So wird bei ihm ein „Diwali-Teller” zubereitet und auch ein „Bet-Teller”, der zur feierlichen Zeremonie des Festes dazu gehört. Mit Obst, Nüssen, getrockneten Früchten, einer Kerze und ein paar Räucherstäbchen schafft er es, auch hier ein Stück seiner Heimat aufkommen zu lassen.

Doch auch wenn er in Afghanistan geboren und aufgewachsen ist, ist Ganesh eines klar: „Es gibt kein Zurück für mich.” Der junge Mann möchte hier bleiben, auch wenn er dieses Land noch nicht seine „Heimat” zu nennen vermag. Sollte es sich irgendwann ergeben, dass er genug Geld verdient, möchte er es auf jeden Fall seine Mutter und seinen Bruder, die noch in Afghanistan sind, nach Deutschland holen. Spätestens dann wird Ganesh sich hier nicht mehr alleine fühlen.
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