Quiz Bend Freisteller neu

Der Kirchenchor entführt in die Schlagerwelt

Von: Johannes Gottwald
Letzte Aktualisierung:
konz-bosch-foto
Der Kirchenchor St. Fidelis Boscheln, der in diesen Tagen auf sein 80-jähriges Bestehen zurückblicken kann, hatte zu seinem Jubiläumskonzert ins Carolus-Magnus-Zentrum Foto: Georg Schmitz

Übach-Palenberg. Kirchenchöre gehören heutzutage nicht unbedingt zu den populärsten Vereinsadressen. Die junge Generation interessiert sich hauptsächlich für Gospelgesang, die älteren Sängerinnen und Sänger treten allmählich, aber unaufhaltsam ab - kein Wunder, dass nicht nur Priester und Ordensgemeinschaften über Nachwuchsmangel klagen, sondern auch die Kirchenchöre.

Nicht wenige aus unserer Region mussten sich deshalb schon auflösen. Umso erfreulicher, wenn andere noch voll im Saft stehen. Zu ihnen gehört auch der Kirchenchor St. Fidelis in Boscheln, der in diesen Tagen auf sein 80-jähriges Bestehen zurückblicken kann und aus diesem Anlass zu seinem Jubiläumskonzert ins Carolus-Magnus-Zentrum eingeladen hatte.

Dass Kirchenchöre angeblich nur Kirchenlieder singen, gehört leider zu den unausrottbaren Vorurteilen. Nicht zuletzt deshalb stand das Konzert des Kirchenchores unter dem Motto: „Musik ist Trumpf - Kirchenchor einmal anders”.

Und in der Tat - die Sängerinnen und Sänger hatten keine Zeit und Mühe gescheut, um gemeinsam mit ihrem Chorleiter Wilfried Hirche ein bunt gemischtes und sehr unterhaltsames weltliches Programm einzustudieren. Geistlich war lediglich die Eröffnung - der bekannte Kanon „Dona nobis pacem”. Dann ging es schon mitten hinein in die Welt von Volkslied und Schlager.

Gleich beim beschwingten „Halleluja, sing ein Lied” konnte das Publikum leise mitsummen. Vom „Naschen” handelte das zweite Lied, bei dem der Komponist Claus Merdingen eine Melodie von Mozart verarbeitet.

Nur der „Abendwind” nach einer russischen Weise verbreitete ein wenig ernste, zur Jahreszeit passende Schwermut, während „Drei Gäns im Haberstroh” von launigem Humor erfüllt ist und neben dem Schnattern auch den missglückten Überfall eines Fuchses auf das Gänsedomizil schildert. Die „Achterbahn” dagegen vergleicht das menschliche Leben sehr realistisch mit einer Berg- und Talfahrt.

Dann wurde es Zeit für den Königlich belgischen Männerchor St. Cäcilia aus Eynatten, der in seinem ersten Programmblock vorwiegend geistliche Werke vorstellte. Am Beginn stand das überschwänglich lyrische „Panis angelicus” aus der Feder des großen belgischen Romantikers Csar Franck, dessen familiäre Wurzeln übrigens bis ins Aachener Land reichen.

Es folgten der Spiritual „Every time I feel the spirit” und das „Gebet” von W. Führer. Zwei Sätze aus der d-moll-Messe von Aljabjew und das Lied „Mutter Maria” schlossen sich an. Bei allen diesen Vorträgen gefiel der Männerchor aus Eynatten mit schön-ausgewogenem Stimmenklang, und seine Dirigentin betätigte sich sogar als Solistin: Beim rhythmisch beschwingten „Banchianas Brasilieras Nr. 5” gefiel sie mit einer brillanten Sopranpartie.

Auch nach der Pause widmete sich der Kirchenchor St. Fidelis der leichten Muse. Der Schlager „Musik ist Trumpf” griff das Motto des Abends auf und zog ebenso wirkungssicher vorüber wie „Fröhlich klingen unsere Lieder”.

Auch das Potpourri amerikanischer Volksweisen von Otto Groll führte so manchen Ohrwurm im Schlepptau mit sich, und „Musik liebt die Welt” fand ebenso viel Beifall wie „Wir wollen Freunde sein”. Chorleiter Wilfried Hirche führte seinen Chor problemlos über alle musikalischen Klippen und hatte bei der Liedauswahl offensichtlich sehr gut den Geschmack seiner Zuhörer getroffen.

Dann zeigte der Männerchor aus Eynatten, dass er nicht nur das kirchliche Genre beherrscht, sondern auch in Oper und Operette zuhause ist. Nach dem einleitenden „Ungarischen Tanz” von Brahms folgten gleich fünf prachtvolle Chöre aus Bühnenwerken, unter denen vor allem der „Chor der Gefangenen” aus Verdis Nabucco und der Jägerchor aus dem „Freischütz” großen Bekanntheitsgrad genießen.

Mit „Gabriellas sáng” von Stefan Nilsson und der Cäcilien-Hymne „Du bist unsere Königin” von Jodocus Schaaf klang die glänzende Jubiläumsfeier des Boschelner Kirchenchores dann aus.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.