Der Karneval dauert lediglich einen Abend

Von: Markus Bienwald
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Petra Neft (l.) und Marlies Kinny bilden ein Duo, das seit mehr als 20 Jahren aus dem Karneval der Frauengemeinschaft Übach unverzichtbar geworden ist. Und wie früher gibt es etwas Süßes auf den Tisch, wenn die Details des Auftritts besprochen werden. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Es gibt einen Termin im Leben von Marlies Kinny und Petra Neft, der steht fest, auch wenn das Datum von Jahr zu Jahr variiert. Stets am Dienstag vor Fettdonnerstag ist um 16 Uhr Treffen bei Petra Neft. Beiden sind Teil einer Mannschaft, die hinter der Karnevalssitzung der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd) Übach steht, und sie proben schon einmal.

Nur einmal, auch das ist Gesetz, stecken die Freundinnen schon weit vor dem Sitzungstermin die Köpfe zusammen und legen fest, welchen Sketch sie aktuell spielen wollen. „Dann wird einmal mit verteilten Rollen gelesen und einmal der Auftritt geprobt“, sagt Marlies Kinny. Das geht seit mehr als 20 Jahren so.

„Angefangen hat es in der Krabbelgruppe“, erzählt sie weiter, wobei die gebürtige Würselenerin nicht ihr Lebensalter meint, sondern das ihrer Kinder. Damals luden die Damen der kfd Übach die jungen Mütter ein, um an der zum festen Bestandteil des kfd-Lebens gehörenden Frauensitzung teilzunehmen. „Es war spannend“, erinnert sich Petra Neft, die als Bonnerin ihre Schwierigkeiten mit dem hiesigen Dialekt hatte.

Improvisieren vor Tollitäten

Einmal infiziert, ließ die beiden Frauen das Thema Karneval nicht mehr los, und schon eine Session später waren sie aktiver Teil der jecken kfd-Frauen. „Wir haben unsere eigenen Vorstellungen eingebracht“, erzählt Marlies Kinny bei Kaffee, Negerküssen und frischen Quarkbällchen. Denn diese drei Requisiten gehören beim Treffen unbedingt mit dazu. „Das muss einfach sein“, sagt Petra Neft lachend. Auch weil der Tradition zufolge früher die vier Kinder der beiden Familien als Testpublikum herhalten mussten.

Um die Kinder bei Laune zu halten, bedurfte es nicht der süßen Köstlichkeiten, denn die Sketche – in diesem Jahr ging es um eine Hunde-Versicherung – waren Volltreffer. „Waren – denn die Kinder sind nun alt genug“, sagt Petra Neft. „Wir wissen ja inzwischen auch, was auf der Bühne ankommt“, ergänzt Marlies Kinny. Auf den für den Auftritt vorbereiteten gelben Moderationskarten steht so viel Text, dass selbst Thomas Gottschalk kein Problem hätte, die kfd-Sitzung in Schwung zu bringen.

Das Jecke daran ist, dass Marlies Kinny die Karten eigentlich nicht braucht. Ein Talent, denn sie kann moderieren ohne dabei abzulesen, sie improvisiert auch gerne einmal. „Voriges Jahr war auch der Stadtprinz bei uns zu Gast“, erinnert sie sich. Nach dem „Alaaf“ für die Frauensitzung und den Stadtprinz entfiel Marlies aber der Name der zum Prinzen gehörigen Gesellschaft. „Ich hab‘ dann mitten im Alaaf einfach gefragt, woher sie denn kommen, und der Saal tobte vor Lachen“, erzählt Marlies Kinny, immer noch erheitert darüber.

Genau solche Momente machen für die beiden Übacherinnen den Karneval aus, denn die Stimmung bei dieser von den Damen aus Palenberg und Frelenberg mitgestalteten Sitzung ist für beide unbeschreiblich. „Wir bringen alles mit Spaß auf die Bühne, eben nur einmal im Jahr“, unterstreicht Marlies Kinny. Das ist bei den beiden wörtlich zu nehmen, denn mitfeiern im Straßenkarneval kommt für sie schon länger nicht mehr in Frage.

Wenn nämlich die letzte Luftschlange am heutigen Donnerstag aus dem am Mittwochabend noch bis zum bersten mit gut gelaunten Frauen gefüllten Saal entfernt ist, geht es für die Freundinnen, die den Karneval gerne mitgestalten, ab in den Urlaub. Ohne Humba-Täterä, aber mit der Familie und dem guten Gefühl, etwas Eigenes geschaffen zu haben, aus der Lust heraus.

„Ein tolles Gefühl“, sagt Marlies Kinny abschließend. Doch ihr plötzlich nachdenklicher Blick weicht sofort einer Idee für einen Sketch, den sie lachend Petra Neft erzählt. Wenn das so weitergeht, werden noch viele Dienstagnachmittage kurz vor dem jecken Endspurt mit etwas Süßgebäck, Kaffee und noch mehr Spaß folgen.

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