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Der Geschichte der Region auf der Spur: Schüler erhalten Förderpreis

Von: Katharina Menne
Letzte Aktualisierung:
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Mit jüdischem Leben in Geilenkirchen beschäftigten sich (v.l.) Yvonne Beemelmanns, Jonas Bender, Lara Beemelmanns und Luca Otten. Foto: Menne
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Der Karlsthron war Gegenstand der Recherche (v.l.) Eliana Wirtz, Franca Pieper, Bente Aretz, Zoe Baumann und Nele Nobis. Foto: Menne
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Den Wandel des St.-Ursula-Gymnasiums untersuchten (v.l) Britta Gehlen, Mattea Pieper, Lea Ritterbecks und Raphael Heil. Foto: Menne

Geilenkirchen. „Nie wieder Intoleranz, Ausgrenzung, Verfolgung“ – dieses Fazit ziehen Jonas Bender, Lara Beemelmanns, Luca Otten und Yvonne Beemelmanns aus ihren Recherchen zum Thema „Jüdisches Leben in Geilenkirchen“. Für alle Schüler des St.-Ursula-Gymnasiums sichtbar haben sie es auf eine Stellwand gepinnt.

Die vier Zehntklässler und zwei weitere Schülerteams wurden jetzt beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten mit einem Förderpreis über 100 Euro ausgezeichnet.

Damit gehören ihre Beiträge zu den 500 besten von deutschlandweit insgesamt 1639 eingereichten Arbeiten zum diesjährigen Thema „Gott und die Welt. Religion macht Geschichte“. Der Stolz ist den Schülerinnen und Schülern anzumerken. „Alle drei Teams haben sich richtig reingekniet“, sagen die betreuenden Lehrer Pascal Cremer und Anne Ziemons.

Sehr ambitioniert

Die Zehntklässler waren besonders ambitioniert. Sie haben sich mit den Erlebnissen der hier geborenen und im Krieg vertriebenen Ilsa Cole, ursprünglich Ilse Dahl, beschäftigt. Das Haus, in dem sie mit ihrer Familie wohnte, steht direkt gegenüber von St. Ursula, und Dahl war sogar selbst Schülerin an der damals noch von Nonnen geführten Klosterschule.

Die Herausforderung für die Schüler war dabei, dass Coles Angehörige mittlerweile entweder tot sind oder in den USA leben und dass das zugängliche Material deshalb fast ausschließlich auf Englisch vorlag. „Außerdem mussten wir das ganze Rohmaterial nochmal auf Richtigkeit überprüfen“, sagt Lara Beemelmanns. „Manches war widersprüchlich oder unverständlich.“ Sie stützten sich auf zwei Interviews, die Ilsa Cole dem „Midwest Center for Holocaust Education“ in Kansas City gegeben hatte, und auf einige Bücher und Veröffentlichungen über das jüdische Leben in Geilenkirchen.

Spannend sei vor allem der Mailkontakt mit Ilsa Coles Sohn gewesen, erzählen die Schüler. „Er hat uns unterstützt, wo er konnte“, sagt Luca Otten. Er habe Fragen beantwortet und alte Bilder geschickt. Und er habe sie motiviert. „Er hat uns ‚Sieger der Familienherzen‘ genannt“, sagt Lara Beemelmanns. „Das war nett.“

Der Geschichtswettbewerb wird seit 1973 alle zwei Jahre von der Hamburger Körber-Stiftung und dem Bundespräsidialamt ausgerichtet. Mit bislang über 141.000 Teilnehmern und rund 31.500 Projekten ist er der größte historische Forschungswettbewerb für junge Menschen in Deutschland. Der Wettbewerb soll bei Kindern und Jugendlichen das Interesse für Geschichte wecken, Selbstständigkeit fördern und das Verantwortungsbewusstsein stärken.

Auch die anderen beiden Gruppen des St.-Ursula-Gymnasiums haben während der sechs Monate viel gelernt über Recherche, den Umgang mit Quellen und wissenschaftliches Arbeiten. Die Siebtklässler Bente Aretz, Eliana Wirtz, Franca Pieper, Nele Nobis und Zoe Baumann haben sich mit dem Aachener Karlsthron und seiner Geschichte beschäftigt. Sie sind dafür nach Aachen gefahren, haben sich den Thron angeschaut, ein kleines Wissensquiz mit Passanten gemacht und mit Experten Interviews geführt.

Widersprüche bei Recherche

„Wir haben gemerkt, dass die Arbeit von Historikern schwer ist und sehr umfangreich“, sagt Eliana Wirtz. Denn am Ende stand die Erkenntnis: Es sei nicht eindeutig, ob Kaiser Karl tatsächlich einmal auf dem Thron gesessen hat, und die Informationen darüber, welche Bedeutung der Sitz hatte, sind widersprüchlich.

Ganz nah in ihrer Umgebung geblieben sind dagegen Britta Gehlen, Lea Ritterbecks, Mattea Piepers und Raphael Heil. Die Neuntklässler haben untersucht, wie sich ihre eigene Schule von einem Mädcheninternat hin zu dem heutigen bischöflichen Gymnasium, in dem Jungen und Mädchen zusammen unterrichtet werden, gewandelt hat. „Überrascht hat uns, welches Frauenbild die Gesellschaft damals hatte“, sagt Mattea Pieper. Die Mädchen seien damals während so „gefährlicher“ Feste wie der Kirmes oder Karneval in der Schule für ein 40-stündiges Gebet regelrecht festgehalten worden.

Das Rechercheprojekt habe ihnen viel Spaß gemacht, sagen alle. Aber sie seien erleichtert, dass sich das Verhältnis zur Religion in den vergangenen Jahrhunderten und Jahrzehnten stark gewandelt hat.

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