Den Einfluss von See-Piraterie auf den Welthandel beleuchtet

Von: mabie
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Im Kreise von Josef Latour (l.) und Herbert Wölfel (r.) von der GfW, sowie Burghard von Reumont (2.v.l.) von der Deutschen Atlantischen Gesellschaft wurde Dr. Sigurd Hess als Referent begrüßt. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Piraterie - aktuell wohl eines der meistdiskutierten maritimen Themen. Und genau das griff die Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW), Sektion Aachen/Heinsberg, bei ihrem jüngsten Vortrag im Haus Basten auf. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Atlantischen Gesellschaft lud sie Dr. Sigurd Hess, Konteradmiral a.D., ein.

Hess ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schifffahrts- und Marinegeschichte (DGSM) und gehört dem Präsidium des Deutschen Marine Instituts (DMI) an. Und er machte in seinem Vortrag „Machtlos gegen Piraterie? - Herausforderungen deutscher maritimer Sicherheitspolitik von Beginn an klar, wie wichtig ein deutsches Engagement ist. Im maritim geprägten 21. Jahrhundert bedeute für Deutschland mit seiner exportorientierten Wirtschaft ein freier wie sicherer Seeverkehr eine notwendige Voraussetzung für eine blühende Wirtschaft.

Containerschiffe

Mit der weltweit zweitgrößten Anzahl an Containerschiffen, sowie der drittgrößten Handelsflotte sei Deutschland zudem ein wichtiger Faktor auf den Weltmeeren. „Und in Zukunft wird die Abhängigkeit von einem sicheren Seeverkehr noch steigen”, prognostizierte Hess. Doch nicht nur im Handel, auch als Schiffbauer oder Zulieferer wichtiger Schiffbauteile habe sich Deutschland einen Namen gemacht.

Mit Blick auf die Tatsache, dass 95 Prozent des Welthandels per See abgewickelt werden, davon allein 60 Prozent des Ölhandels oder der etwa gleiche Satz an der deutschen Steinkohle-Versorgung, überwiege aber das Handelsargument, so der Admiral weiter. „Denn Seesicherheit ist essentiell für einen funktionierenden Welthandel und natürlich auch für Deutschland als Exportweltmeister”, unterstrich er. Besonderen Fokus legte er dabei auf die acht so genannten „engen Seegebiete”, darunter die Ostseezugänge, den englischen Kanal, die Deutsche Bucht oder auch den Suez- und Panamakanal.

„Wenn Sie mal gedanklich den deutschen Wasserverkehr verfolgen, dann passiert ein deutsches Containerschiff auf dem Weg nach Asien fünf dieser acht Engstellen”, rechnete Dr. Hess vor. Genau diese Engstellen seien aber auch attraktiv für Piraten, die mit ihrem Handeln jährlich einen Schaden von etwa 15 Milliarden US-Dollar produzierten.

Dennoch sei die Zahl erfolgreicher Übergriffe, im Vergleich zum öffentlichen Empfinden, tatsächlich gesunken. Doch das bedeute nicht, dass beispielsweise der Golf von Aden, südlich des Jemen und östlich von Somalia gelegen, insbesondere für deutsche Schiffe ein gefährliches Gewässer sei. Überraschend für viele der 70 interessierten Zuhörer war vor allem, dass Deutschland schon seit einigen Jahren an der Spitze in der Gesamtanzahl der Piraten-Übergriffe steht.

Golf von Aden

Ein Generalkonzept, wie dem Treiben beizukommen sei, konnte der Admiral aber nicht präsentieren. Gerade das Seegebiet des Golfs von Aden - der größer ist als das Mittelmeer - sei allein durch die schiere Größe schwer zu überwachen.

„Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen ist noch ein euphemistisches Bild, denn nicht einmal die USA mit ihren technischen Möglichkeiten haben die Chance zum Aufspüren”, machte Hess klar. Und wenn dann ein Boot aufgebracht wird, stellt sich die Frage, ob es überhaupt Piraten sind. Und Mutterschiffe als mobile Operationsbasen würden ohnehin kaum gefunden.

Dennoch zeigten Aktionen wie die „Operation Atalanta” im Golf von Aden, dass die Zahl der gelungenen Kaperungen sinkt. Zudem gebe es noch rechtliche Probleme, merkte der Fachmann abschließend an. „Denn die einen können, aber dürfen nicht, und die anderen dürfen, aber können nicht”, schloss er mit Blick auf die Rechtslage. So blieb es beim Aufruf von Dr. Sigurd Hess, weiterzudenken und der Marine, die flexibel einsetzbar und gut ausgerüstet ist, neue Aufgaben zuzuweisen. „Damit Deutschland nicht in Seenot gerät”, schloss er augenzwinkernd, „ist eine Teilnahme an solchen Aktionen geboten”.
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