Geilenkirchen - Demenzkranke freuen sich auf Weihnachten

alemannia logo frei Teaser Freisteller

Demenzkranke freuen sich auf Weihnachten

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
6650755.jpg
Demente Menschen leben oft in der Vergangenheit. Weihnachten ist deshalb für sie ein angenehmes Fest. Foto: imago/epd
6650596.jpg
Er informiert über Demenz: Boris Stropnik Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. „Alle wollen, dass Weihnachten ein schönes Fest wird. Die Erwartungshaltung ist naturgemäß sehr groß“, sagt Boris Stropnik. Der an der Fortbildungsakademie der Wirtschaft auf dem Gelände des Loherhofes arbeitende Diplom-Sozialpädagoge und examinierte Altenpfleger weiß aber auch: „Weihnachten ist mit Stress für die ganze Familie verbunden.“

Das ganze Haus soll weihnachtlich geschmückt werden, die Geschenke müssen eingekauft und hübsch verpackt werden, man diskutiert in der Familie über die Gestaltung der Festtage. „In manchen Familien kommt es in dieser Stresssituation sogar zum Streit“, erklärt Stropnik. Besonders problematisch können die Festtage werden, wenn dann auch noch ein demenzkranker Mensch zu versorgen ist.

Nicht selten werden demente Eltern oder Großeltern aus dem Pflegeheim nach Hause geholt. Schließlich soll die ganze Familie gemeinsam das Fest der Liebe feiern. „Das aber führt zu Ängsten und kann für die ganze Familie eine Belastung sein“, weiß der Pädagoge und lädt deshalb für Montag, 2. Dezember, alle Interessierten und Betroffenen zu einem Erfahrungsaustausch ein, gleichzeitig sollen wertvolle Tipps gegeben werden. Denn: „Das Verstehen dieser Erkrankung und das Wissen um den Umgang mit betroffenen Familienangehörigen mindert Kommunikationsprobleme und kann für alle Beteiligten zu einem harmonischen Weihnachtsfest beitragen“, erläutert Stropnik.

Weihnachten, so der Pädagoge, könne für den Demenzkranken sogar eine therapeutische Wirkung haben, da das Langzeitgedächtnis im Gegensatz zum Kurzzeitgedächtnis bei dementen Menschen stark ausgeprägt sei. „Weihnachten kennt der demente Mensch aus seiner Kindheit, es ist für ihn ein angenehmes Fest mit einer friedvollen Stimmung.“ Gemeinsam gesungene Weihnachtslieder und das Betrachten alter Weihnachtsbilder seien sozusagen eine Erinnerungstherapie. Dazu gehörten auch bekannte Gerüche. Das Fest in vertrauter Umgebung und mit vertrauten Ritualen wie gemeinsamem Kirchgang, Essen, Bescherung sei in diesem Fall eine Milieutherapie. „Wenn sich demente Menschen in einem bekannten Milieu aufhalten, ist das eine Orientierungshilfe.“ Sicherlich, so gesteht Stropnik ein, könne es bei dementen Menschen auch zu Aggressionen kommen. „Man muss sich auf ihre Realität einlassen, den Menschen in dieser Realität begleiten und zurückführen.“

Wenn beispielsweise der 80-jährige demente Paul am ersten Weihnachtstag seine Tasche nimmt und, wie er ankündigt, zur Arbeit gehen will, hilft keine Maßregelung. Dann hilft auch kein Ausgehverbot. „Man begleitet ihn, spricht mit ihm. Und auf dem Weg nach draußen kommt man vielleicht an der Weihnachtstanne vorbei. Dann kann man das Gespräch auf das Fest führen, und er wird sich möglicherweise erinnern“, rät der Pädagoge. Und wenn nicht, begleitet man ihn nach draußen und kann ihn durch Gespräche über Weihnachten ab- und zurück nach Hause lenken. „Die Zurechtweisung eines Dementen ist immer der ungünstigste Weg. Wichtig sind Verständnis und Wertschätzung. Man muss die Realität des Kranken respektieren und sich in seine Situation hineinversetzen. Dann fühlt auch er sich akzeptiert. Ansonsten entstehen Konflikte.“ Der demente Mensch freue sich auf Weihnachten, „weil die Verbundenheit zur Familie, zur Tradition und Religion vorhanden ist“. Er fühle sich in vertrauter Umgebung. „Und dann macht die gemeinsame Feier glücklich.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert