Das „Ja-Wort“ gibt es, wenn die Kirche bleibt

Von: Markus Bienwald
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Frank Willems und seine zukünftige Frau Sabine Halla kämpfen mit einer Online-Petition für den Erhalt der evangelischen Kirche in Marienberg und wollen sich dort auch das Ja-Wort geben. Foto: Markus Bienwald
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Die evangelische Kirche an der Schulstraße ist in einem trostlosen Zustand. Foto: Laura Beemelmanns

Übach-Palenberg. Für Kai Willems und Sabine Halla war es eigentlich eine ganz normale Sache. „Wir wollten uns in der evangelischen Kirche in Marienberg das Ja-Wort geben“, erzählt Kai Willems, „doch die Gemeinde sagte, das geht nicht“.

Kai Willems, gebürtiger Marienberger, der mittlerweile in der Teverener Beckstraße zu Hause ist, verstand die Welt nicht mehr. Auf Nachfrage erklärte ihm die Gemeindeleitung mit Sitz in Übach, dass die Kirche in Marienberg entwidmet würde und somit keine Trauung dort möglich sei. „So gehts nicht“, war sich auch seine künftige Frau sicher, und beide machten sich auf die Suche nach einer Möglichkeit, ihrem Ärger Luft zu machen.

Trostloser Anblick

Dass die Kirche geschlossen wird, steht durch eine Entscheidung auf Leitungsebene der Evangelischen Kirchengemeinde Übach-Palenberg schon länger fest. Es ist beinahe erschreckend, wenn man nochmals einen Blick auf das Gebäude wirft. Vor allem an grauen Tagen wirkt die Kirche wahrhaft verlassen. Und das ist sie auch. Die Türen sind verriegelt, die Fenster zu, und das Gemäuer vermittelt einen trostlosen Eindruck.

Willems und Halla wollen nun dafür kämpfen, dass dieser Anblick bald wieder ganz anders aussieht. So kamen beide auf die Idee, eine Online-Petition gegen die Schließung der Kirche am Ende der Schulstraße zu öffnen. „Ich bin Marienberger, meine Großeltern sind nach dem Zweiten Weltkrieg in den Ort gekommen, haben sich in der Gemeinde sofort wohl gefühlt, und auch die Hütte der Begegnung gehörte für unsere Familie immer mit dazu“, blickt Willems zurück. Seine Eltern haben dort geheiratet, er selbst war als Jugendlicher ehrenamtlich in der früheren Teestube aktiv, und auch durch seinen damaligen Religionslehrer Hanns-Paul Jouck, Pfarrer Poll oder Pfarrer de Kleine hat sich Willems immer wohl gefühlt in der evangelischen Kirche in Marienberg.

„Als ich gehört habe, dass die Kirche entwidmet werden soll, sind mir die Nackenhaare hochgegangen“, beschreibt er seine Gefühle. Gleich sprach er mit Freunden, Verwandten und Bekannten in Marienberg, doch dort empfand er so etwas wie Resignation gegen die scheinbar unverrückbaren Pläne der evangelischen Kirchengemeinde Übach-Palenberg, die Hütte der Begegnung als Kirche aufzugeben.

„So wie mir geht es auch vielen anderen, alle würden wieder gerne zumindest einmal im Monat sonntags in die Kirche in Marienberg gehen“, unterstreicht Willems. Nicht mittwochs, wie zwischenzeitlich schon einmal angeboten und schon gar nicht in Übach, wie er betont.

Unterschriften sammeln

Er sieht sich damit auch vor allem den älteren Gemeindegliedern in Marienberg verbunden, die seiner Ansicht nach kein Sterben der Kirche dort wollen. „In meiner Familie sagen viele, wenn die Kirche in Marienberg schließt, dann treten wir ganz aus der Kirche aus“, sagt der Petitions-Aktivist. Und er will weiter kämpfen für den Erhalt des Gotteshauses.

Ab nächster Woche wird er, beginnend um seine alte Heimatstraße „In der Gehölde“ herum, von Tür zu Tür laufen, um Unterschriften für den Erhalt der Kirche zu sammeln. „Es war eine der bestbesuchten Kirchen in ganz Übach-Palenberg“, ist er sicher, „und mein Traum war es immer, wenn ich die Frau meines Lebens getroffen habe, in Marienberg auch kirchlich zu heiraten“.

Das Ziel im Blick

Derzeit sieht es eher nicht danach aus, dass die Kirche erhalten bleibt. Und das auch nicht einmal monatlich sonntags. „Ich werde aber weiter kämpfen, auch wenn ich an verschiedenen Stellen gehört habe, dass sich das nicht mehr lohnt“, schließt Willems.

Sein Ziel, doch noch in der Kirche zu heiraten und die Gemeinde wieder zu einem Ort des gemeinschaftlichen Erlebens und der Begegnung zu machen, sind ihm die Mühe und der Aufwand allemal wert.

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