Comeniusschule erreicht die Untergrenze

Von: Markus Bienwald
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Die Schüler stehen an der Com
Die Schüler stehen an der Comeniusschule in Übach-Palenberg im Mittelpunkt. Doch nun droht aufgrund sinkender Schülerzahlen der Schule die Schließung, das Stichwort „Inklusion” macht die Runde. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Prozente und absolute Zahlen sind es, die Angelika Müller-Mingenbach schon seit ein paar Jahren zu schaffen machen. Denn eigentlich ist „ihre” Schule, die Comenius-Förderschule in der Marienberger Schulstraße, für 144 Schüler ausgelegt. Das war auch ein Thema für den Schulausschuss.

Denn bereits beim Höchststand der vergangenen Jahre, das war 2006, lag die Zahl mit 130 unter dieser Marke. Daher lebt die Schule schon seit einigen Jahren mit einer Ausnahmegenehmigung der obersten Schulaufsichtsbehörde. Doch bei 50 Prozent der maximalen Auslegung ist auch hier die Grenze dessen erreicht, was der Träger noch zulässt. Das wären 72 Schüler, und ab dem Schuljahr 2011/12 liegt die Comeniusschule mit 66 darunter.

Schon jetzt spürt Rektorin Angelika Müller-Mingenbach die Auswirkungen der zurückgehenden Zahlen. „Unsere Arbeit kann durch weniger Kollegen nicht mehr wie gewohnt weitergeführt werden”, bedauert sie. Mit dem zahlenmäßig schrumpfenden Kollegium gehe zudem ein Verlust an Kompetenzen einher.

„Das ist ein sehr schmerzlicher Prozess”, berichtete die Schulleiterion auf Nachfrage von Ausschussmitgliedern. Eine Schließung durch ein langsames Auslaufen der Schule sei daher absehbar, denn schon mit dem kommenden Schuljahr wird in dem Gebäude an der Schulstraße keine neue Eingangsklasse in der Primarstufe gebildet.

Förderbedarf an zwei Schulen

Da die Förderschule die Klassen eins bis zehn abdeckt, sollen nun mit der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Boscheln und der im gleichen Stadtteil beheimateten Gemeinschaftshauptschule (GHS) zwei Schulen den sonderpädagogischen Förderbedarf erfüllen. In der kreisweiten Schulentwicklungsplanung wird dieser Prozess als „Inklusion” bezeichnet.

Schulrat Peter Kaiser aus der Kreisverwaltung Heinsberg machte dazu detaillierte Angaben. So sei die Idee der Inklusion nicht wie die der „Integration” zu verstehen. „Die Inklusion ist die Herstellung von Chancengerechtigkeit sowie das Erkennen und Verhindern von Diskriminierung und Barrieren”, berichtete er dem Ausschuss. Die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf sollen in einer heterogenen Gruppe lernen. Und „je größer die Heterogenität ist, desto mehr müssen die Kinder lernen”, ergänzte der Schulrat.

Individuelle Förderung soll möglich sein

Dennoch müsse, je nach Bedürfnis, individuelle Förderung stattfinden. „Inklusion hebt sich damit von Integration gewaltig ab”, so Peter Kaiser weiter. Ein Konzeptentwurf für die Zusammenarbeit zwischen der Comeniusschule und der GGS Boscheln soll bis Ende Mai ausgearbeitet sein. Danach trifft die Bezirksregierung Köln eine Entscheidung über das weitere Vorgehen.

Bereits jetzt ist die GHS Übach-Palenberg mit einer integrativen Lerngruppe in diesem Verbund vertreten. Darüber hinaus arbeiten Förderschule und Hauptschule schon seit Längerem auf dem Gebiet der Berufsvorbereitung zusammen. „Wir haben alle einen langen, langen Weg vor uns”, schloss Peter Kaiser, „es ist ein Weg, den wir gehen müssen, weil ich glaube, dass unsere Gesellschaft diesen inklusiven Gedanken leben muss”.

„Ein schwieriger, langer Weg”

Aufgrund der sinkenden Schülerzahlen sah sich auch Gerhard Gudduschat (CDU) gezwungen, diesen Weg gehen zu müssen. „Doch egal, ob freiwillig oder gezwungen, ich denke, das ist der richtige Weg”, fand der Christdemokrat. Bärbel Bartel (SPD) unterstützte den Vorgang ebenfalls. „Ich wünsche den Pädagogen viel Toleranz, Geduld und pädagogisches Geschick, denn es wird ein schwieriger, langer Weg werden”, hob sie hervor.

Schulleiterin Angelika Müller-Mingenbach erinnerte abschließend noch an einen weiteren Faktor: „Viele Eltern sehen die Förderschule als Stigmatisierung an”, sagte sie, „und werden einen anderen Weg bevorzugen.”
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