City-Kirche zwischen Gebet und Genuss

Von: Franz Windelen
Letzte Aktualisierung:

Übach-Palenberg. Der Traum ist noch nicht ausgeträumt. Auch wenn es die erhofften Fördergelder aus dem Konjunkturpaket II nicht gab, soll die „City-Kirche” einmal zur Realität heranreifen.

Pfarrer Jens Sannig, zugleich Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Jülich, will den Gedanken weiterverfolgen, den er und das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Übach-Palenberg ersonnen haben.

Die in ihrem Weiß erstrahlende Erlöserkirche soll mehr als nur ein Gotteshaus sein, sie soll eine Begegnungsstätte für die Bürger der Stadt, der City, werden, sagt Pfarrer Sannig.

„Die Überlegungen der Gemeinde gehen dahin, die Erlöserkirche, die im Einzugsgebiet des Schulzentrums liegt, für die Schüler zu öffnen”, erklärt der Geistliche.

Schon seit der Fusion der beiden Übach-Palenberger Kirchengemeinden keime die Idee, im Kirchturm und auf der Empore ein „Turmcafé” einzurichten, das tagsüber der jungen Klientel als Pausentreff zur Verfügung stehen könnte.

Bei den rund 2000 bis 2500 Schülern der drei Schulen dürfte genügend Potenzial vorhanden sein. Natürlich würden Snacks und Getränke angeboten, aber zu allererst gehe es darum, dass die Jugendlichen den Treff als etwas begreifen, wo sie sich auszutauschen, wo sie klönen können, das ihnen ein Refugium schafft, das ihnen quasi als Kummerkasten dient.

Die Kirchengemeinde würde deshalb unter anderem eine Schulseelsorge, eine Hausaufgabenbetreuung und Beratung durch Jugendmitarbeiter vorhalten.

„Vielleicht besteht auch die Möglichkeit, einen schulpsychologischen Dienst mit anzubinden”, meint Pfarrer Sannnig mit Blick auf die jüngsten Amokläufe an deutschen Schulen.

„So könnte ein einmaliges und beispielhaftes Modellprojekt für die regionale Schullandschaft installiert werden”, schwärmt der Superintendent. Die drei Schulleiter würden das Konzept begrüßen, vor allem mit Blick auf den Ganztagsschulbetrieb.

Und da gibt es einen weiteren Aspekt. „Vielleicht kann beim Ausbau Übach-Palenbergs zur familienfreundlichen Stadt ein solches Begegnungszentrum für junge Familien auch ein Standortvorteil sein”, versucht Jens Sannig das Konzept den Stadtverantwortlichen doch noch schmackhaft zu machen, nachdem die Mittel aus dem Konjunkturpaket II ausgeblieben sind.

Immerhin: Die Umsetzung der eigenwilligen Pläne würde rund eine Million Euro kosten. Zuviel für die kleine Kirchengemeinde, um es allein zu schultern.

„Gewiss werden wir nicht heute oder morgen Fördermittel durch wen auch immer erhalten, aber irgendwann wird sich eine Chance auftun”, setzt der Kirchenmann mit einer Portion Optimismus auf die Zukunft.

Die City-Kirche - die flotte Bezeichnung ist zugleich Programm - soll die gesamte City ansprechen, Jung und Alt, überkonfessionell. „Wir wollen mit unserem Angebot auch auf die Erwachsenen zugehen. Denkbar wäre dies mit einer gehobenen Gastronomie sowie mit Konzerten, mit Kabarett, mit Lesungen oder Kleinkunst im Saal der Erlöserkirche, der den Bedürfnissen entsprechend auszustatten wäre”, sagt Sannig.

Die modernen Gottesdienste mit Gospelchören und auch die „Nächte der offenen Kirchen” hätten gezeigt, dass die Menschen außergewöhnliche Angebote annehmen.

Und außergewöhnlich ist das Vorhaben in der Tat: Die Erlöserkirche wäre das erste Gotteshaus in der Region, das seine Pforten nicht nur zur Andacht, sondern auch für ein Wiener Schnitzel öffnen würde. Sozusagen eine Kirche zwischen Gebet und Genuss.

Der Oberhirte im Evangelischen Kirchenkreis Jülich hat den geschärften Blick für die Realität, die geprägt ist von zunehmender Kirchenverdrossenheit: „Wir müssen den Nutzen der Kirche erhöhen und ihren Standort aufwerten.”

Was unternehmerisch klingt, ist seelsorgerisch gemeint: „Die Kirche muss die Kraft haben, am Menschen näher dran zu sein.”
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