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„Chef für einen Tag”: Bundesweiter Wettbewerb

Von: Wilfried Rhein
Letzte Aktualisierung:
Zwei von zwanzig: Isabelle Len
Zwei von zwanzig: Isabelle Lengeling und Linus Stieldorf aus der kandidierenden Gruppe des Gymnasiums St. Ursula für den Job „Chef für einen Tag”. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Ob Isabelle Lengeling Direktorin wird, steht noch nicht fest. Sollte sie es werden, bliebe die junge Frau aus Baesweiler auch nur einen Tag im Job. Das reicht dann auch, wenn man erst 16 Jahre alt ist.

Aber „Chef für einen Tag” wollen auch noch andere werden, und die Konkurrenz ist groß.

Aus der Jahrgangsstufe 11 des Bischöflichen Gymnasiums St. Ursula hat sich eine Gruppe von Schülern gebildet, die diese Herausforderung annehmen möchte. Es handelt sich um einen Wettbewerb, der ausgeht von der „Stiftung Lesen” sowie vieler nahmhafter Unternehmen und Dienstleister aus der Bundesrepublik.

In diesem Jahr stehen elf Topadressen zur Verfügung, für einen Tag den Boss auszuwechseln, darunter Großversicherer, die DLR-Luft- und Raumfahrer, bis hin zum Eschborner Personalvermittler Randstad.

Mit dem Letzteren haben es die Geilenkirchener zu tun. 20 junge Menschen aus dem St.-Ursula-Gymnasium bewarben sich bei der Schüleraktion für den zeitlimitierten Chefsessel.

Zwei von ihnen, Isabelle Lengeling und Mitschüler Linus Stieldorf (17), trafen jetzt in Geilenkirchen auf ihre „Zielperson”: Heide Franken, eine der Geschäftsführerinnen bei Randstad Deutschland.

Es gehört zu ihrer beruflichen Lebensaufgabe, über den Kontakt auch mit jungen Menschen den Bedarf an Führungskräften zu decken, den Nachwuchs zu fördern. „Es geht um Talente für die Wirtschaft”, sagte Heide Franken anlässlich einer Konferenz, bei der Schulleiter Matthias Küsters Gastgeber war.

Randstads selbstgestellte Aufgabe sei es auch, so die Geschäftsführerin, Unterrichtsmodule zu entwickeln, die sich nicht nur in Gymnasien, sondern auch in Kollegs oder Hauptschulen anwenden ließen.

Beim Beitrag aus Geilenkirchen habe die „reife, außergewöhnliche gute Bewerbung” überzeugt, erklärte Randstad-Kommunikatorin Susanne Theisen-Canibol die Entscheidung für das St.-Ursula-Gymnasium. Die Gruppe habe nun die Chance, ihre Arbeitsweisen vorzustellen und sich in Workshops und Podiumsdiskussionen zu beweisen.

Im September soll dann die Entscheidung in der Jury fallen, wer - in diesem Fall bei Randstad Deutschland - im Direktionszimmer managen darf. Jeweils nur einer der Kandidaten für die elf Ausschreibungen dieses Jahres. Es bewerben sich rund 4400 junge Leute aus insgesamt 210 Klassen und Jahrgangsstufen. Das Geilenkirchener Gymnasium hat bereits vier Schulen aus NRW und aus Hessen hinter sich gelassen.

Projektlehrer an Sankt Ursula ist Rüdiger Anlauf. Über seine Fachgebiete Chemie und Sozialwissenschaften hinaus hat er das Ziel, dass die Schüler über einen solchen Wettbewerb ihre Kompetenz stärken. „Hier soll die Möglichkeit gegeben werden, selbst zu bestimmen und Verantwortung zu übernehmen”, nennt Rüdiger Anlauf Details.

Dem Wunsch, eine solche Aufgabe probehalber zu erfüllen, stehen Fragen vorweg: Wie ist es, Chef eines großen Unternehmens oder Verbandes zu sein? Ist was dran an dem „Mythos Chef”?

Welche Pflichten, vor allem aber Befugnisse in Verbindung mit hoher Verantwortung treten in einer Führungsposition an den Kandidaten heran? Auch darauf gab es Antworten von Heide Franken sowie Frank Mertgen, stellvertretender Chefredakteur von „Focus-Money”, einem der weiteren Unterstützer der Aktion.

Linus Stieldorf erinnert sich noch an die erste Reaktion seines Projektlehrers Rüdiger Anlauf, dem die Bewerbung am Projekt „Chef für einen Tag” angetragen worden war. „Das wird viel Arbeit, hat er gesagt”, lächelt Linus Stieldorf.

Das sei in der Konsequenz auch richtig gewesen, bestätigt der 17-Jährige aus Selfkant, aber man hab es dennoch mit Freude gemacht. Auch die Bewerbung in Form einer Zeitung mit den verschiedenen Profilen der 20-köpfigen Gruppe habe Freude gemacht.

Trotz der knappen Zeit, wie Isabelle Lengeling assistiert. Drei bis vier Tage sei es recht hektisch zugegangen, aber die Zusammenarbeit in der Gruppe habe gestimmt.

Ist denn ein solches Engagement für einen Wettbewerb schon vorbestimmend zukünftiger beruflicher Ausrichtung? Weder Isabelle noch Linus wollen sich da festlegen. Ihnen und den Mitschülern gehe es darum, möglichst viel Erfahrung zu sammeln, selbst zu erleben, „was ein Chef macht”.

An Experimenten für die eigene Zukunft arbeite man in diesem Stadium nicht. Der Wettbewerb biete eher die Gelegenheit, die viel zu knappe Zeit für schulische Praktika auszuweiten.

Lohnt es denn, relativ viel Freizeit aufzugeben für das unsichere Ziel, mal einen Tag „Unternehmensboss” zu sein? Ein schneller Blick zwischen Linus Stieldorf und Isabelle Lengeling schafft Einverständnis: „Für einen solchen Spaß kann man gerne Freizeit opfern.”
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