Carolus-Magnus-Gymnasium ist kein Fan von G8

Von: Laura Beemelmanns
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Hans Münstermann, Christoph Schlagenhof, Holger Heß, Silke Peters und Norbert Crolla. (v.l.) Foto: lbe

Übach-Palenberg. Am Mittwoch starten am Carolus-Magnus-Gymnasium (CMG) in Übach-Palenberg rund 70 Schüler mit der ersten Klausur in den Leistungs- und Grundkursen im Fach Deutsch in die Abiturprüfungen. Doppelt so viele wie in den Jahren zuvor.

„Wir haben nun in einem Fach so viele Schüler wie sonst in einer ganzen Jahrgangsstufe“, weiß Oberstufenkoordinator Norbert Crolla. Für solch außergewöhnliche Dimensionen mussten auch dementsprechende Maßnahmen getroffen werden. Seit Herbst vergangenen Jahres laufen die Vorbereitungen. Die Prüfungszeit der mündlichen Prüfungen wurde verdoppelt. Statt ein Tag sind nun je zwei angesetzt. Zusätzlich werden zwei Räume mehr benötigt. Und es muss auch mindestens ein externer Lehrer hinzugezogen werden.

„Die Prüfungszeit explodiert nahezu“, sagt Schulleiter Dr. Hans Münstermann, und „es sind sehr viel mehr Schüler.“ Rund 140 insgesamt. Allen soll ein Abitur unter ganz normalen Bedingungen ermöglicht werden. Aus diesem Grund wird keine Klausur in eine Turnhalle oder ähnlich großen Raum verlegt. Im CMG hält man nichts von einer „Massenveranstaltung“, wie Münstermann es formuliert. Zudem könne man auf das Nachbargebäude ausweichen. Dort ist es ruhiger, und es gibt zudem eine separate Toilette, so dass die Schüler nicht etwa von lauteren Fünftklässlern gestört werden. Es sollen die Lehrer, die die Schüler auch kennen, vor Ort sein, und ebenso viele Schüler in einem Raum schreiben, wie es in den Jahren zuvor auch war. Ein bisschen Normalität also. Man versucht, das Beste aus der Situation zu machen, und auch wenn Münstermann erst nach Ausgabe aller Zeugnisse ein endgültiges Fazit ziehen will, ist er bislang zufrieden.

Die ersten Klausuren

In Nordrhein-Westfalen startete in diesem Jahr erstmals der doppelte Abiturjahrgang in das Zentralabi. Bereits am Dienstag wurden an einigen Gymnasien die ersten Prüfungen geschrieben – in den Fächern Informatik, Technik und Ernährungslehre. Heute ist das Fach Deutsch an der Reihe. Die Prüfungen für die Leistungskurse enden am Freitag, 19. April, die der Grundkurse am Montag, 22. April. Die mündlichen Prüfungen finden ab dem 24. April statt.

Erstmals legte das CMG im Rahmen der verkürzten Schulzeit die G9-Abschlussklasse-zwölf und die G8-Abschlussklasse-elf zusammen. Die Jahrgänge wurden schlichtweg gemischt. „Andere Schulen machen das anders“, weiß Crolla. „Die Jahrgänge zu trennen, hat keinen Zweck. Sie müssen ja auch den gleichen Stoff lernen.“

Die Bedingungen sind für alle Schüler nahezu gleich. Bis auf die Prüfungsordnungen. Die variieren je nach G8 und G9. Ein G8-Schüler muss beispielsweise im Durchschnitt 34 Stunden pro Woche unterrichtet werden. Bei einem G9-Schüler sind es 28. Das hängt mit dem einen Jahr zusammen, das den G8ern fehlt. Außerdem sei die Spannweite zwischen den einzelnen Schülern sehr groß, weiß SV-Lehrer Holger Heß. „Einige sind gerade erst Ende 17, andere Schüler 22 Jahre alt.

Das ist auch ein riesiger Unterschied an Lebenserfahrung, die der einzelne Schüler mitbringt.“ So gab es zu Beginn auch Spannungen zwischen den Schülern. Nun seien sie jedoch zusammengewachsen. Es gibt allerdings auch Randerscheinungen, die den Lehrern so gar nicht gefallen. „Die jüngeren Schüler müssen sehr viel intensiver arbeiten“, sagt SV-Lehrer Christoph Schlagenhof. „Sie wissen, dass sie ein größeres Päckchen zu tragen haben.“ Generell sei die Angst vor dem Abitur aber nicht größer als auch sonst. „Sie haben eher Angst vor der Zukunft“, so Schlagenhof weiter.

Ein zusätzliches Problem sieht Norbert Crolla in der Anpassung des Lernstoffs: „Die Inhalte wurden nicht an die Zeit angepasst“, sagt er. Bei den Sprachen falle das nicht unbedingt ins Gewicht. In den naturwissenschaftlichen Fächern aber schon. Vielen Schülern fehle zudem einfach die Reife. Sie und ihre Eltern lassen sich nun häufiger beraten. Die Fragen, welcher Leistungskurs wohl auf Dauer der richtige sein wird, und in welche Richtung der berufliche Weg führen werde, gilt es, genauestens zu überdenken.

„Ich bin ein Fan von G9“, sagt Münstermann deutlich. „Für Überflieger ist G8 durchaus sinnvoll“, erklärt Crolla. Generell raube G8 den Schülern aber auch ein Lebensjahr. Münstermann kann diesbezüglich auch von persönlichen Erfahrungen berichten. „Eine meiner Töchter macht das G8-Abitur. Sie nimmt es viel ernster, hat aber auch mehr Arbeit und weniger Freizeit.“

Der Druck für die Schüler ist höher. „Das Lebendige an der Schule erfordert jetzt eine größere Anstrengung“, sagt Heß. AGs, sportliche und musikalische Angebote erfordern einen zusätzlichen Zeitaufwand, den die G8er-Schüler mit einer 34-Stunden-Woche fast gar nicht aufbringen können.

Gut vorbereitet

Welche Auswirkungen das haben wird, könne man zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschätzen. Wichtig sei, dass alles gut koordiniert und organisiert ablaufe, sagt Münstermann.

Gut vorbereitet seien sowohl alle G8- als auch alle G9-Schüler. Den Rest müssen sie alleine schaffen.

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