Cannabis-Plantage in Gangelt betrieben

Von: Herbert Keusch
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Geilenkirchen. Zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten hat das Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Helmut Bongartz einen 37-jährigen Angeklagten aus den Niederlanden verurteilt.

„Wir haben ihr Geständnis natürlich berücksichtigt und auch festgestellt, dass Sie bei der Plantage in Gangelt nicht die treibende Kraft waren.” Aber er habe gestanden, mit großen Mengen Marihuana im Kilobereich Handel getrieben zu haben. Gegen Zahlung einer Kaution von 2000 Euro werde der Haftbefehl des Amtsgerichts Aachen mit sofortiger Wirkung aufgehoben, wenn der Angeklagte auch die in Aussicht gestellte Drogentherapie in Angriff nehme.

Außerdem müsse sich der 37-Jährige jede Woche mittwochs in der Geilenkirchener Polizeistation melden. Mit einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten kam ein 41-Jähriger, ebenfalls aus den Niederlanden stammender Angeklagter davon. „Er hat sich der Beihilfe bei der Bewässerung der Plantage in Gangelt schuldig gemacht und kommt deshalb mit einer Bewährungsstrafe davon”, erklärte der Richter.

Freigesprochen wurde eine 36-Jährige aus Gangelt, die die Wohnung vermietet hatte, in der die Plantage angelegt war. „Bei der Hausdurchsuchung wurden zwei unterschiedliche Mietverträge bei ihr gefunden, was zunächst zu den Annahme führte, dass sie von der Plantage wusste. Sie war aber nicht involviert”, begründete der Richter den Freispruch.

In seiner Anklageschrift hatte Staatsanwalt Dennis Bäcker den Angeklagten vorgeworfen, von Mitte Oktober bis Ende November 2007 mehrfach mit Marihuana in einer Menge von fast vier Kilogramm Handel getrieben zu haben. Zudem war am 16. September 2009 eine professionelle Cannabis-Plantage in Gangelt entdeckt worden, um die sich die Angeklagten gekümmert haben sollen.

Der 37-Jährige erklärte in der Verhandlung, nach einer Ausbildung zum Dachdecker und Schreiner inzwischen berufsunfähig zu sein und eine Rente zu bekommen. Die starken Schmerzen habe er mit Marihuana und Amphetaminen versucht zu bekämpfen. In der Haft in Deutschland seien ihm inzwischen Schmerzmittel gegeben worden, die er besser vertragen könne. „Ich möchte möglichst sofort eine Drogentherapie beginnen”, erklärte der 37-Jährige. Ein ähnliches Berufsbild präsentierte der 41-Jährige, der zum Koch ausgebildet wurde, inzwischen aber ebenfalls arbeitsunfähig ist. Die 36-jährige Angeklagte aus Gangelt hat eine Ausbildung zur Restaurant-Fachfrau.

Der 37-jährige Angeklagte ließ über seinen Strafverteidiger Christoph Rühlmann erklären, dass die Taten teilweise stimmen. „Ich habe die Betäubungsmittel weitergegeben und für zweimal ein Kilogramm 200 Euro für die Übergabe bekommen.” Zudem habe er die Plantage vier oder fünfmal bewässert und die Lampen umgehängt, wofür 500 Euro gezahlt werden sollten. „Ich habe ebenfalls gegossen, wobei ich erst von der Kripo erfahren habe, dass es sich um eine Hanfplantage handelt”, ließ der 41-Jährige von seinem Strafverteidiger Angelos Tiriakidis erklären. Und die 36-Jährige erläuterte, dass sie aufgrund der Intervention ihres Anwaltes den zweiten Mietvertrag für die Wohnung ausgefüllt habe.

„Ich habe vom 37-jährigen Angeklagten nur Amphetamine bekommen”, erklärte ein 38-jähriger Zeuge, der bereits verurteilt wurde. Ähnliches erklärte ein 57-jähriger ebenfalls verurteilter Zeuge, der sagte, dass er vier Kilo Marihuana und 50 Gramm Kokain über einen anderen Dealer in den Niederlanden bekommen habe.

Rückenschmerzen

„Die 36-jährige Angeklagte wusste von der Plantage nichts, ich kann ihr jedenfalls nichts nachweisen”, begann Staatsanwalt Bäcker sein Plädoyer. Sie sei freizusprechen. Aufgrund der vielen Straftaten des 37-Jährigen, der auch die Plantage gepflegt hat, fordere er eine Freiheisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. „Für den 41-jährigen Angeklagten fordere ich acht Monate, die zur Bewährung ausgesetzt werden können.”

Während Strafverteidiger Bernd Kleine den beantragten Freispruch für seine Mandantin begrüßte und Strafverteidiger Angelos Tiriakidis für seinen 41-jährigen Mandanten ein angemessenes Urteil im Bewährungsbereich beantragte, erklärte Strafverteidiger Rühlmann für den 37-Jährigen: „Mein Mandant ist niemand, der sich mit dem Drogenhandel die Taschen voll gemacht hat.” Er habe Rückenschmerzen, sei so Stück für Stück in die Drogenszene gerutscht.
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