bullyparade kino freisteller bully herbig tramitz kavanian

Café Fleur: Auch im Trubel die Ruhe bewahren

Von: Danielle Schippers
Letzte Aktualisierung:
5703665.jpg
Valerie Nowak bedient an einem Stammtisch. Sie ist wegen ihrer offenen, teils frechen Art beliebt. Foto: Danielle Schippers
5703672.jpg
Valerie und Stephanie haben den laden fest im Griff. Foto: Danielle Schippers

Geilenkirchen. „Drei Pils, ein großes, zwei kleine, einen Rotwein, zwei Wasser und ne Cola ohne Eiswürfel dafür mit Zitrone, und einen Milkshake Schoko!“ ruft Stephanie Plum ihrer Kollegin Valerie Nowak durch den Lärm zu und tippt die ganze Bestellung gleichzeitig auf dem Display der Kasse ein. Es ist kurz nach zwölf nachts und es sind gerade noch einige Gäste dazugekommen.

 „Um die Uhrzeit ist es ganz unterschiedlich, manchmal sind noch viele Tische belegt, aber an anderen Tagen ist es schon sehr ruhig, wir schließen ja eigentlich jetzt“, erzählt Valerie.

Valerie und Stephanie arbeiten als Kellnerinnen im Café Fleur in Geilenkirchen. Das Café gehört zum City Hotel, ist morgens Frühstücksraum für die Hotelgäste, mittags kommen viele in ihrer Pause hierher, abends treffen sich ganz verschiedene Gruppen zum Essen, Quatschen und Trinken.

Stephanie stellt sich gleich wieder an die Theke, zapft und mischt die Getränke, die auf dem ausgedruckten Zettel aus der Kasse stehen. Valerie bereitet währenddessen in der Küche den Shake aus Eis, Milch und Schoko-Sirup zu. Auf der Straße vor der Tür ist trotz der Nähe zum Bahnhof um diese Zeit kaum noch jemand zu sehen, aber hier drinnen ist noch Trubel. Die Geräuschkulisse ist entsprechend, Musik, Gespräche an allen Tischen, das Klappern von Geschirr vermischen sich. Die Kellnerinnen sind schon lange auf den Beinen, trotzdem haben sie gute Laune und scherzen mit den Gästen.

Valerie kommt mit dem fertigen Shake aus der Küche: „Ich mache lieber die Küche als die Theke, weil ich gerne schnibbel und koche. Morgens und abends arbeiten wir immer zu zweit, einer bereitet Essen in der Küche zu, der andere macht Getränke an der Theke und bedient. Insgesamt arbeiten hier so zwölf Leute, natürlich hautsächlich Mädels und wir sind ein gutes Team.“

Valerie ist 20 Jahre alt und passt genau in ein solches Bistro: Sie ist aufgeschlossen, hat das nötige Organ, ist aufgeweckt, manchmal frech und hat immer was zu erzählen. Die Gäste, die an der Theke sitzen, schätzen das sehr. Ein Stammgast, Stephan Sommerer (20) findet das toll: „Ich finde die Kellnerinnen und Kellner sehr wichtig in der Gastronomie, weil sie immer den direkten Kontakt zu den Gästen haben, mit denen steht und fällt ein Laden, glaube ich. Und heute die zwei sind super nett, ich sitze gerne hier.“

Baguettes und Fritten

Es riecht noch ein bisschen nach überbackenen Baguettes und Fritten, Valerie hat den ganzen Abend gekocht und gebrutzelt. Besonders die Baguettes laufen gut, Valerie zählt schnell durch: „Heute habe ich ungefähr 15 Baguettes gemacht, und Suppen und Schnitzel. Ach ja und Shakes und natürlich Beilagen-Salate.“ Jetzt, gegen zwanzig nach zwölf, haben sie und Stephanie das meiste aufgeräumt. Routiniert wirbeln sie in der Küche und hinter der Theke hin und her, erledigen die Aufgaben, die jeden Tag anfallen.

Valerie hat in der Küche schon früher angefangen, sie hat Kühlschränke, Fritteuse, Ofen, Mikrowellen und sämtliche Oberflächen abgewischt, alle Küchengeräte und Utensilien und das komplette Geschirr und Besteck von diesem Abend gespült, die verderblichen Lebensmittel verpackt oder abgedeckt und mit Datum beschriftet. Gerade nimmt sie die getrennten Abfälle aus den Tonnen. Plastik, Speisereste und Restmüll, drei große Säcke schleppt sie zu den Containern.

Stephanie beginnt, die komplette Theke zu reinigen, baut die einzelnen Teile auseinander, wäscht sie ab, baut sie wieder zusammen. Sie trocknet die Gläser ab, sammelt Aschenbecher ein, reinigt diese, dann wischt sie alle Tische ab, stellt schon mal die Stühle hoch.

Beim Aufräumen und Putzen scherzen und quatschen beide mit den Stammgästen, die an der Theke ihre letzten Getränke des Abends austrinken. Dann lässt Stephanie das Reinigungsprogramm der komplizierten Kaffeemaschine durchlaufen, erst mit klarem Wasser, dann mit Reinigungstablette, zwischendurch noch den Kaffesatz rausholen und am Ende alles auseinanderbauen, damit die Einzelteile über Nacht desinfiziert werden können.

„Am Ende jeder Schicht sind es immer exakt die gleichen Handgriffe“, sagt sie und lächelt. „Ich arbeite hier seit meinem Studium, schon 14 Jahre. Ich gehe neben meinem Beruf noch nachts hier kellnern, weil es mir einfach Spaß macht. Wir haben nette Kollegen und Gäste und hier ist man immer von vielen Leuten umgeben. Jetzt räume ich noch den Rest auf, dann zählen wir gemeinsam den Umsatz und freuen uns auf den Feierabend. So ein doppelter Arbeitstag ist schon lang.“

Valerie, um diese Uhrzeit immer noch lächelnd und gut gelaunt, geht noch schnell in den Keller. „Ich muss noch die ganzen leeren Flaschen von heute Abend im Keller gegen volle austauschen und alles auffüllen, was wir verbraucht haben. Zwei große Kisten heute!“, ruft sie und verschwindet im Eiltempo Richtung Keller. Um kurz vor eins sind alle Gäste gegangen, die Stühle stehen auf den Tischen, damit das Reinigungsteam gleich schneller durch ist mit putzen.

Die Türen sind abgeschlossen und Stephanie und Valerie zählen Umsatz und Trinkgeld. Jetzt, wo es ganz still ist in dem leeren Bistro, ist deutlich zu spüren, wie laut, stressig und chaotisch so eine normale Nacht mitten in der Woche als Kellner sein kann.

Aber Stephanie und Valerie wirken immer noch fit und scherzen über das Trinkgeld und den Abend. „Ich verstehe nicht, warum Gäste zur Tür reinkommen und sich immer an den einzigen dreckigen Tisch im ganzen Laden setzen, wo gerade Gäste aufgestanden sind und ich noch nicht den Tisch wieder klar gemacht habe, obwohl auch noch andere Tische frei sind“, sagt Valerie und lacht kopfschüttelnd. „Dann denken alle, ich war nicht schnell genug, dabei bewege ich mich schon in Lichtgeschwindigkeit.“ Jetzt kehrt jedenfalls Stille ein, die beiden haben sich ihren Feierabend verdient.

Gerade mal fünf Stunden ist das Café geschlossen, in der Zeit kommen noch die Reinigungskräfte und dann geht morgens der Alltag mit dem Frühstück für die Hotelgäste wieder von vorne los.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert