Geilenkirchen - Bürgerliste: Rechtsanwältin will den Bürgern Gehör verschaffen

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Bürgerliste: Rechtsanwältin will den Bürgern Gehör verschaffen

Von: Udo Stüßer
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In ihrer „Kanzlei der kleinen Leute“ und in der Politik will Karola Brandt hilfsbedürftigen Menschen zur Seite stehen. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. „Viele Bürger schimpfen, aber sie tun nichts. Das trifft besonders auf die junge Generation zu“, bedauert Karola Brandt. Die Geilenkirchener Rechtsanwältin hingegen will an dem Ort, an dem sie lebt, etwas bewegen. Dies will sie nicht mit der Hilfe einer etablierten Partei.

„Ich kann keine Partei verteufeln. Ich stehe hinter Standpunkten, die die CDU, SPD oder die Grünen vertreten. In einer Partei alleine würde ich mich nicht wiederfinden“, sagt die Frau, die sich keiner Parteiraison unterwerfen will. Seit der Wahl sitzt Karola Brandt für die Bürgerliste im Stadtrat. Die parteiunabhängige kommunalpolitische Vereinigung hat im Ratssaal ihre Sitze direkt neben der CDU eingenommen. „Aber das heißt nichts, das sind nur Sitzplätze“, betont sie.

Die 1956 in Vlotho in Ostwestfalen geborene Karola Brandt ist erst relativ spät in die Politik geraten. In Meerbusch-Osterath ist sie aufgewachsen. Nach der Abiturprüfung, die sie in Düsseldorf abgelegt hat, studierte sie Jura und lernte ihren Mann Herbert Brandt kennen, den es 1985 als Lehrer nach Geilenkirchen verschlug. Karola Brandt absolvierte ihre Referendarzeit am Landgericht Aachen und wurde 1988 als Anwältin in Geilenkirchen zugelassen. 16 Jahre war sie in einer Kanzlei angestellt, seit zehn Jahren ist sie selbstständig. Mietrecht und Familienrecht sind ihre Schwerpunkte, auch ist sie gesetzliche Betreuerin von 25 Menschen.

Zur Bürgerliste kam sie durch ihren Mann, der sich in der Vereinigung engagierte. Das war vor etwa zehn Jahren, und sie wurde gleich als Bürgermeister-Kandidatin aufgestellt. „Ich bekam etwa zehn Prozent, das war relativ gut für einen Newcomer“, blickt sie auf die Wahl zurück, bei der Andreas Borghorst das Rennen machte. Die Anwältin wurde für die Bürgerliste als sachkundige Bürgerin in den Stadtentwicklungsausschuss, nach der folgenden Kommunalwahl als sachkundige Bürgerin in den Jugendhilfeausschuss gewählt. Den Freien Wählern im Kreis gehört sie ebenfalls an.

Bei der jüngsten Kommunalwahl, bei der die Bürgerliste mehr als elf Prozent der Stimmen und damit vier Mandate für sich verbuchen konnte, wurde sie erstmals in den Stadtrat gewählt. „Da wir an keine Parteilinie gebunden sind, ist die Entscheidungsfindung sehr lebhaft“, sagt sie angesichts stundenlanger Diskussionen. „Das Spektrum unserer Mitglieder reicht von Schwarz bis Rot, vom Arbeiter bis zum Akademiker.“ Die Fraktion diskutiere ständig mit ihren Mitgliedern. „Schließlich wollen wir die Meinung der ganzen Gruppe darstellen. Das ist nicht einfach, aber das macht Spaß.“

„Mein Beruf hat mich zur Politik gebracht“, sagt sie. Denn: „In meiner Kanzlei der kleinen Leute sehe ich viele Probleme, beispielsweise wenn es um die Gewährung von Sozialhilfe geht. Auch kommen Menschen zu mir, die alleinerziehend sind oder mit dem Jugendamt zu tun haben. Nur mit dem Recht alleine kann ich ihnen oft nicht helfen. Hilfreich sind dann oft gute Kontakte zum Rathaus.“

Dem Willen der Bürger will sie Gehör verschaffen. „Es ist aber nicht einfach zu hören, was die Menschen wollen“, hat sie eine für sie bittere Erfahrung gemacht. Ein halbes Jahr hat sie eine Bürgersprechstunde angeboten. Erschienen ist niemand. Karola Brandt wünscht sich, dass sich mehr junge Leute in der Politik engagieren. „Ihnen muss klar werden, dass Geilenkirchen ihre Stadt ist.“

In den kommenden sechs Jahren will Karola Brandt ihre Arbeit im Jugendhilfeausschuss fortsetzen. Im Stadtrat will sie ganz besonders die Interessen von Familien und Menschen mit Behinderung vertreten. Die Probleme behinderter Menschen kennt Karola Brandt nur zur Genüge: Sie selbst ist gehbehindert. Am Herzen liegt ihr auch der Bürgertreff. „Hier können sich alle Bürger treffen. Ich weiß, es war ein Kind der Grünen. Aber jetzt ist es ein Kind von allen.“

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