Geilenkirchen - Brief für Brief zum verdienten Ruhestand

Brief für Brief zum verdienten Ruhestand

Von: Georg Schmitz
Letzte Aktualisierung:
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Alle kennen ihn, alle grüßen ihn, viele wechseln ein paar nette Worte mit ihm: Franz Beumers, der beliebte Postbote, der nun seinen Ruhestand antrat. Foto: Georg Schmitz
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Von Georg Schmitz Geilenkirchen. „So einen freundlichen Postboten werden wir bestimmt so schnell nicht wieder kriegen“, ist sich Christa Pretzer sicher. Die Fahrschullehrerin drückt und umarmt Franz Beumers, der an diesem Tag zum letzten Mal vor seine

Geilenkirchen. „So einen freundlichen Postboten werden wir bestimmt so schnell nicht wieder bekommen“, ist sich Christa Pretzer sicher. Die Fahrschullehrerin drückt und umarmt Franz Beumers, der an diesem Tag zum letzten Mal vor seinem Ruhestand Briefe und Pakete austeilt.

Es ist kurz vor 7 Uhr, als der allseits beliebte Postbeamte in Geilenkirchen seinen Dienst antritt. „Ich hör so auf, wie ich angefangen habe“, sagt der 61-Jährige, der in diesem Moment seine auszuliefernden Briefe und Zeitungen zielgenau sortiert. Hier im ehemaligen Postgebäude und heutigen Briefverteilzentrum an der Bahnhofstraße hat für Franz Beumers am 1. April 1967 alles angefangen.

Täglich legt er in der Früh den Weg von seinem Heimatort Uetterath nach Geilenkirchen zurück. Schon zu Beginn seiner „Beamtenkarriere“ musste er Briefe sortieren. Beumers belädt seinen Briefsendungenbeförderungswagen, kurz, seine „Postkarre“ und startet zum Rundgang durch Teile der Innenstadt. Von der Bahnhofsstraße geht es rechts rum in die Alte Poststraße und schon hier begegnen ihm bekannte Gesichter.

Franz Beumers ist ein Typ vom „alten Schlag“ und eine nicht zu überhörende Größe im Städtchen. Die Menschen in der Stadt sind durchweg begeistert von dem fröhlichen Postboten, den hier alle kennen. Beumers repräsentiert die positive Seite der Post und jeder Adressat kann sich einen solchen Menschen nur wünschen. Ein kleiner Flirt mit den Frauen, ein Smalltalk mit den Männern - für alle hat er ein nettes Wort übrig.

Hinter seinem verschmitzten Lächeln steckt eine gehörige Portion Humor. „Guten Morgen mein Herzblatt“, grüßt er Friseurin Mandy, der er in der Gerbergasse begegnet. Einen Gruß für die Anstreicher in der Imbissbude hat er ebenfalls noch übrig. Auch für Pensionärin Eve ist Franz ein willkommener Gesprächspartner, während er die Briefe in die dafür vorgesehenen Kästen steckt. Als sie hört, dass ihr Lieblingspostbeamter seinen letzten Tag dazwischen hat, wünscht sie ihm alles erdenklich Gute für die Zukunft.

Das Wetter ist an seinem letzten Arbeitstag „solala“, temperaturmäßig gegenüber den Vortagen aber schon mit Aufwärtstendenz. Aber was soll es, Franz hat während seiner langen Dienstzeit schon Sturm und Hagel erlebt, ihn kann gar nichts erschüttern. „Ich bin genauso ansprechbar wie vor 46 Jahren“, scherzt der Mann von der Post, der da 45 Kilogramm Post vor sich herschiebt. Noch einmal muss er an diesem Tag nachladen, da kommen dann noch Pakete hinzu. Daher steigt Franz Beumers später in einen Pkw um.

Schnellen Schrittes

Doch er ist gerade erst einmal zehn Minuten unterwegs und schnellen Schrittes biegt er in die Haihoverstraße ab. Franz ist eine Institution in der City und bekannt wie ein „buntes Huhn“. Vielen ist er ein willkommener Gesprächspartner für ein kurzes Pläuschchen. Eine Straße weiter verabschiedet sich auch Fine Ludewig mit herzlichen Worten von ihrem gewohnten Briefträger. Unterwegs erzählt Franz Beumers, dass sich die Zeiten stark geändert haben. „Die Menschlichkeit ist auf der Strecke geblieben“, so der Postbote.

Das Bruttosozialprodukt müsse wohl immer mehr gesteigert werden. „Der zunehmende Druck ist körperlich und nervlich spürbar“, sagt Franz Beumers. Das werde aber auf Dauer nicht gut gehen. Da kommt auf einmal Gerhard Thomas auf den freundlichen Briefträger zu und schenkt ihm eine Flasche Stachelbeerwein zum Abschied. In den Gesichtszügen von Franz zeigt sich neben Dankbarkeit auch etwas Rührung.

Was macht aber so ein fideler Mensch wie Franz Beumers jetzt, nach seinem Dienstleben? „Ich widme mich voll und ganz der Landwirtschaft“, sagt er bestimmt und schiebt die Postkarre ein paar Meter weiter. Mit dem Anbau von Gemüse und Obst habe er sich in Uetterath schon immer nebenbei beschäftigt.

Mit jedem Schritt, den er an diesem Tag gegangen ist, kommt er seinem wohlverdienten Ruhestand etwas näher.... Heute denkt er noch oft an seinen letzten Arbeitstag zurück.Viele Menschen sprechen ihm jetzt auch noch die besten Wünsche aus.

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