Kreis Heinsberg - Blitzmarathon: Großer Aufwand für sehr wenige Raser

Blitzmarathon: Großer Aufwand für sehr wenige Raser

Von: Jan Mönch
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Schießen, winken, schimpfen: In dieser Reihenfolge gingen die Polizeibeamten am Übach-Palenberger Ortseingang auf der Heinsberger Straße gegen Temposünder vor. Foto: Jan Mönch
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Schießen, winken, schimpfen: In dieser Reihenfolge gingen die Polizeibeamten am Übach-Palenberger Ortseingang auf der Heinsberger Straße gegen Temposünder vor. Foto: Jan Mönch
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Schießen, winken, schimpfen: In dieser Reihenfolge gingen die Polizeibeamten am Übach-Palenberger Ortseingang auf der Heinsberger Straße gegen Temposünder vor. Foto: Jan Mönch

Kreis Heinsberg. Es gibt auch selbstkritische Temposünder. So um die 20 Stundenkilometer, schätzt die Fahrerin des VW Caddy, habe sie wohl zu viel drauf gehabt. Ganz so schlimm war es dann doch nicht, können die Polizeibeamtinnen die Dame beruhigen. Nach Abzug der Toleranz von drei Stundenkilometern waren es „nur“ neun.

Die Dame ist den Beamten am Übach-Palenberger Ortsausgang auf der Heinsberger Straße vors Messgerät gebraust. Um 15 Euro ärmer, aber gut gelaunt verabschiedet sie sich von den Beamten. Sie ist noch einmal glimpflich davon gekommen. Das gilt nicht für jeden Temposünder, der am Dienstag auf der Heinsberger Straße unterwegs war.

Bis zum Mittwochmorgen fand der sechste NRW-Blitzmarathon statt. Und wer sich eine Weile zu den Beamten an der Heinsberger Straße gesellte, musste sich doch sehr wundern, dass das Messgerät überhaupt Geschwindigkeiten jenseits der erlaubten 50 Stundenkilometer anzeigte. Denn die Beamten waren aus Hunderten von Metern sichtbar. Und angekündigt war die Aktion sowieso seit Wochen. Vielleicht ist der wahre Kern des Problems das Träumen am Steuer und weniger ein Hang zu blinder Raserei. Allerdings war der Standort an der Heinsberger Straße ein klarer Ausreißer nach oben.

Bei einer ersten Zwischenbilanz, die die Polizei am Dienstag um 13 Uhr zog, waren nämlich lediglich 13 von 520 kontrollierten Fahrzeugen im gesamten Kreis Heinsberg zu schnell – die allermeisten davon auf der Heinsberger Straße. Die Zahlen des kompletten Blitzmarathons wird die Polizei am Mittwoch bekanntgeben.

Im Verlauf der vergangenen fünf Runden des Blitzmarathons haben sich im Wesentlichen zwei sehr konträre Standpunkte unter Nordrhein-Westfalens Verkehrsteilnehmern herausgebildet. Da sind die, die laut Abzocke schreien. Und dann sind da die, die fragen, warum um alles in der Welt vor der Aktion gewarnt wird – und obendrein auch noch die Standpunkte der Messgeräte bekanntgegeben werden. Mit anderen Worten: Warum schlägt die Polizei nicht viel gnadenloser zu?

Polizeihauptkommissar Michael Okuhn, der im Kreis Heinsberg die bisherigen sechs Runden geleitet hat, erklärt dies so: „Uns ist wichtig, dass über den Blitzmarathon gesprochen wird. Das Thema Geschwindigkeit und die damit verbundene Gefahr soll in die Köpfe.“ Vom Vorwurf der Abzocke will er gar nichts wissen – aus den zuvor genannten Gründen. „Wir stellen uns ja sogar so hin, dass wir gesehen werden.“ Der wohl gewichtigste Kritikpunkt am Blitzmarathon jedoch ist, dass keine Nachhaltigkeit gegeben sei – einen Tag danach werde wieder gerast wie eh und je. Okuhn gibt zu, dass einmal erlerntes Verhalten schwer wieder zu ändern ist. „Das ist genau so schwer, wie etwas neu zu lernen.“ Vielleicht helfe der Blitzmarathon ihm und seinen Kollegen ja dabei, besonders junge Verkehrsteilnehmer zu erziehen.

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