Übach-Palenberg - Blick auf den Kranz unddas Warten auf das Licht

Blick auf den Kranz unddas Warten auf das Licht

Von: Andrea Schever
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Auch wenn es einige Zeit in An
Auch wenn es einige Zeit in Anspruch nimmt: Ada Vonhasselt legt Wert darauf, ihren Adventskranz selbst zu binden. Jeder Ast, jede Schleife muss sitzen. Foto: Andrea Schever

Übach-Palenberg. „Etwas selbst zu machen ist doch einfach schöner, als so einen Adventskranz einfach zu kaufen.” Ada Vonhasselt aus Übach-Palenberg lächelt, während sie in der Küche steht und das Astgrün mit einer weiteren Lage Draht am Stroh-Römer, dem „Kranzrohling”, festzurrt.

Mit der Adventszeit verbindet jeder etwas. Sei es bei Kindern der Adventskalender, bei dem man jeden Tag ein Türchen öffnen darf, bei Jugendlichen das Geschenke-Einkaufen für Freunde und Familie, bei Erwachsenen eine stimmungsvolle Dekoration und Weihnachtsmärkte. Dass die vier Wochen vor Weihnachten keine gewöhnliche Zeit sind, merkt jeder mehr oder minder deutlich.

„Die Adventszeit ist eine außergewöhnliche Form der Zeit”, erklärt Marco Maria Emunds, Religions-Referendar am St.-Ursula-Gymnasium Geilenkirchen. „Advent kommt vom Lateinischen Wort Adventus - eine Zeit, in der wir auf die Ankunft eines besonderen Momentes warten. Wir Christen warten auf Weihnachten, auf die Geburt Jesus Christus, darauf das Gott einer von uns, ein Mensch geworden ist.” Die übrige Zeit des Jahres nennt man den Chronos.

„Und ein jeder weiß doch, die Zeit in der man auf etwas wartet, das ist eine ganz eigene Zeit. Oftmals hat man den Eindruck, sie vergeht viel langsamer.” Dass dies jedoch nicht immer einen negativen Beigeschmack haben muss, betont der Theologie-Experte dennoch: „Das Warten wird fast zur süßen Qual, und nicht von ungefähr gibt es ja die alte Volksweisheit: Vorfreude ist die schönste Freude. Diese vier Wochen vor Weihnachten fallen also aus dem Rahmen der sonstigen Zeit. Man ist angespannt und es kribbelt - die Erwartung wächst mit jedem Tag.”

Um dem Verstreichen dieser Zeit einen würdigen Rahmen zu geben oder um kleinen Kindern anschaulich zu machen, wie lange es noch dauert, stellen die meisten Christen einen Adventskranz oder ein Adventsgesteck in ihre Wohnung. Mit seinen vier großen Kerzen harrt er dann dort aus und wartet auf das Anzünden einer jeden an je einem der vier Adventssonntage.

Dass der Kranz jedoch selbst hergestellt und geschmückt wird, sieht man leider immer seltener. Das Tannengrün ist teuer, die Technik bedarf ein wenig der Übung, und der Zeitaufwand wirkt je nach Geschicklichkeit für die meisten abschreckend.

„Wir haben die Tannen im Garten stehen, daher das Grün”, sagt Ada Vonhasselt, „und wie man einen Kranz bindet, das habe ich bei meiner Mutter gesehen.” Sie erinnert sich lachend: „Ich lerne einfach alles mit den Augen.” Sorgfältig steckt sie abstehende Ästchen fest, solange, bis der Kranz schön rund ist. Für sie gehört ein Adventskranz einfach in die Vorweihnachtszeit.

Damit dieser Brauch auch unter jungen Leuten nicht vergessen wird, band die Großmutter Ada nicht nur für sich selber: „Ich habe schon seit langem für jeden meiner Enkel einen Kranz für die Schulklasse gebunden. Das waren dann immer schon gleich mehrere. Und die haben sich auch immer darüber gefreut.”

Als Erfinder des Adventskranzes gilt Johann Heinrich Wichern. Der Hamburger Pfarrer leitete Mitte des 19. Jahrhundert ein Heim für elternlose Jugendliche. Er habe dann einen Holzkranz mit mehreren kleinen roten und vier großen weißen Kerzen aufgestellt, an dem zu jedem Adventssonntag eine der großen Kerzen angezündet wurde.

So sehr man die Kerzen jedoch als ein bloßes Instrumentarium zur Zeitanzeige sehen kann, so haben sie auch eine weiterreichende Symbolik. Die Kerzen senden Licht und Wärme aus, und das in einer Zeit des Jahres, in der es an diesen beiden mangelt. So ist es auch mit Jesus und seiner Botschaft. Er ist ein Lichtzeichen, das uns eine Richtung weisen kann. Es soll nicht nur heller und wärmer um uns herum, sondern auch in uns selbst werden. „Die Kerzen geben uns auch den Auftrag, selbst Licht zu sein”, deutet Marco Maria Emunds. „Wir können Kraft aus der Besinnung heraustragen.” Die Sehnsucht nach Wärme und Geborgenheit, die viele damit stillen, sich nach getaner Arbeit gemütlich in die warme Stube zu setzen, ist manchmal auch verbunden mit einer Suche nach Hoffnung.

Ada Vonhasselt zupft die rot-goldenen Schleifen am Kranz zurecht und steckt sie fest. Jede einzelne, mit Sorgfalt und immer einem Lächeln. Wer einen Kranz bindet und schmückt, ist gezwungen, sich mit dem Advent und seiner eigentlichen Bedeutung auseinanderzusetzen. „Das ist etwas Liebenswertes, weil es einfach mit Liebe gemacht ist. Nicht so eine Geschäftemacherei, wo man dann nur denkt: ,Leise rieseln die Tannennadeln..., weil die Kränze schon so trocken sind.”
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