Bis jetzt sind alle Narrenwagen „zugreif”

Von: Georg Schmitz
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Das wird ein Hingucker: Aus Ge
Das wird ein Hingucker: Aus Geilenkirchen und dem Stadtteil Bauchem, samt Germania-Aktiven, haben sich junge Leute vor Monaten daran gemacht, dieses Wikinger-Schiff „auf die Räder” zu bekommen. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Die Ergebnisse karnevalistischer Wagenbaukunst werden in einer Woche auf den Straßen zu bewundern sein. Viel Arbeit und Schweiß stecken oft hinter der Fassade der Brauchtumsfahrzeuge. Verstärkt gilt es in den zurück liegenden Jahren die zunehmenden Auflagen der Behörden zu erfüllen.

Kein Wagen darf ohne eine entsprechende Genehmigung der Ordnungsbehörden auf die Straße.

Dass es bis dahin einen langen und beschwerlichen Weg zu bewältigen gilt, davon können die Vereine Aufregendes berichten singen. „Die eigentlichen schon länger bestehenden Auflagen und Vorschriften werden seit der Love-Parade-Katastrophe in Duisburg viel härter durchgesetzt”, weiß der Vorsitzende des Geilenkirchener Karnevalsverein (GKV), Willi Jabusch.

Sperrgitter für Stadtmitte

Mit dem kommenden Tulpensonntag-Zug durch die Innenstadt muss der GKV als Veranstalter dafür Sorge tragen, dass neben jedem Fahrzeug - sei es Schlepper oder Anhänger - zwei Begleitpersonen mitlaufen. Zusätzlich muss der Verein noch 14 Ordner stellen, die für einen reibungslosen Ablauf sorgen.

Zum ersten Mal erhielt der GKV zudem die Auflage, das Teilstück der Konrad-Adenauer-Straße zwischen der Selfkant Apotheke und dem Kreisverkehr Stadtmitte mit Absperrgittern zu sichern. Dies sei dem Umstand geschuldet, dass im vergangenen Jahr zu viele Menschen unvermittelt zwischen den Wagen hin und her gelaufen sind.

16 Wagen werden in diesem Jahr mitziehen, dazu kommen noch zahlreiche Fußgruppen. Alleine der GKV hat für den Karnevalszug am 19. Februar vier Wagen gemietet, die unter anderem als Prinzen- und Kinderprinzenwagen Verwendung finden.

Für die in Geilenkirchen teilnehmenden Fahrzeuge sind die Genehmigungen durch das Ordnungsamt größtenteils schon erteilt worden. Für jeden Karnevalswagen muss bei der Ordnungsbehörde ein TÜV-Gutachten vorgelegt werden. „Schon nach dem Unfall mit einem Karnevalswagen vor vier Jahren in Breberen mit mehreren Verletzten wurden die Bestimmungen zur Zulassung von Fahrzeugen und Anhängern für Karnevalszüge verschärft”, sagt Theo Janßen vom Geilenkirchener Ordnungsamt.

Das bedeutet, dass jedes Fahrzeug ab einer bestimmten Größe und Umfang der Aufbauten im fertigen Zustand dem TÜV (Technischer Überwachungs-Verein) vorgeführt werden muss. Den Wagenbauern stehetein Informationsblatt mit „Anmerkungen und Auszügen aus dem Verkehrsblatt und den Unfallverhütungsvorschriften, die für Anhänger zum Einsatz auf Brauchtumsveranstaltungen Anwendung finden” zur Verfügung. Und da sind eine Menge Details zu beachten.

Ein Beispiel: „Besteht bei Fahrzeugen mit Drehschemellenkung Kippgefahr, oder werden Personen befördert, so ist der Lenkeinschlag auf plus/minus 60 Grad auf die Geradeausstellung zu begrenzen.”

Ganz wesentlich ist eine gültige Betriebserlaubnis für den Anhänger sowie ein Versicherungsschutz für einen „artfremden Einsatz” des Fahrzeuges. „Wir überprüfen vor Ausstellen der Genehmigung, ob alle Anträge beigefügt wurden und die Voraussetzungen erfüllt sind”, erläutert Karl-Heinz Gromes vom Geilenkirchener Ordnungsamt die weiteren Schritte.

Die Erlaubnis zur Nutzung des Fahrzeuges gelte immer für eine Karnevalssession, also vom 11. 11. 2011 bis Aschermittwoch, 22. Februar 2012. Die Ordnungsämter werden zusammen mit der Polizei die Karnevalswagen zu Beginn der Züge stichprobenartig überprüfen. „Bisher hatten wir nur geringe Beanstandungen, welche die Sicherheitsbestimmungen nicht tangierten”, berichtet Theo Janßen.

Da sei zum Beispiel das Anbringen eines „6 km”/h-Schildes vergessen worden. Bis dato hat aber das Geilenkirchener Ordnungsamt noch keinen Karnevalswagen stilllegen müssen. Während ein Moped mit Anhänger bei bestehendem Versicherungsschutz kein Problem darstellt, sind Rasenmähertraktoren bei Karnevalsumzügen nicht erlaubt.

Nicht nur Fahrzeuge sind anzumelden, sondern auch Tiere, wie beispielsweise vor drei Jahren ein Esel. „Dafür ist dann aber die Tierschutzbehörde, also das Veterinäramt zuständig”, sagt Karl-Heinz Gromes.

Maße erheblich verändert

Rudolf Janßen ist der Leitende Ingenieur für Kraftfahrzeugwesen beim TÜV in Geilenkirchen. Er ist zuständig für die Gutachten für Brauchtumsfahrzeuge und hat derzeit alle Hände voll zu tun. Der TÜV-Mitarbeiter begibt sich in diesen Tagen zu zahlreichen „Baustellen”, dorthin, wo die Karnevalisten mit der Herstellung der Wagen beschäftigt sind. „Für den Anhänger muss immer ein Gutachten erstellt werden, für die Schlepper nicht, weil sie fast immer eine gültige Betriebserlaubnis vorweisen können”, erzählt der TÜV-Fachmann.

Durch die Aufbauten verändern sich die ursprünglichen Maße eines Anhängers erheblich. Damit das Gefährt dann überhaupt noch am Straßenverkehr teilnehmen darf, bedarf es einer intensiven Prüfung, die in der Regel mit Stempel und Unterschrift auf dem Gutachten mündet.

„Wir achten unter anderem darauf, dass die Fahrzeugaufbauten fest und sicher angebracht sind und der Aufbau keine scharfkantigen Bauteile aufweist”, sagt Rudolf Janßen. Eine Trittfläche muss rutschfest sein, jede mitfahrende Person muss sich festhalten können. Sind sämtliche Voraussetzungen erfüllt, steht dem Ausstellen des TÜV-Gutachtens nichts mehr im Wege. Und nur nach dessen Vorlage gibt es die Genehmigung der Straßenverkehrsbehörde zur Teilnahme am Karnevalszug. Endlich.
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