Geilenkirchen - Bewegtes Leben eines Kölner Urgesteins in Lindern

Bewegtes Leben eines Kölner Urgesteins in Lindern

Von: Johannes Gottwald
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Pastor Peter Pauli in seinen letzten Lebensjahren. Jahrzehntelang war er in Lindern tätig. Dort ist eine Straße nach ihm benannt worden. Foto: Johannes Gottwald
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Pastor Peter Pauli in seinen letzten Lebensjahren. Foto: Johannes Gottwald

Geilenkirchen. Manche Straßennamen erklären sich schon durch ihre Formulierung selbst. Dazu gehört auch die Pastor-Pauli-Straße in Lindern, die von einem sanften Hügel herab bogenförmig auf die Pfarrkirche St. Johann Baptist zuläuft. Zu Recht vermutet man, dass sie zu Ehren eines Priesters benannt wurde, der jahrzehntelang in Lindern tätig war.

So ruhig und beschaulich wie die Straße heute dem Betrachter erscheint, war das Leben von Peter Pauli freilich nicht: Als er am 16. Februar 1877 in Köln als Sohn eines Schreinermeisters das Licht der Welt erblickte, regierte noch Otto von Bismarck unter Kaiser Wilhelm I., an seinem Lebensende war Deutschland zwischen zwei feindlichen Machtblöcken geteilt. Dazwischen lagen zwei Weltkriege und gewaltige politische Umwälzungen, die das Alltagsleben der meisten Menschen tiefgreifend veränderten.

Nach dem Abitur begann Peter Pauli im Jahre 1898 sein Theologiestudium in Köln und Bonn und empfing 1902 im Kölner Dom von Erzbischof Hubert Simar die Priesterweihe. Noch im gleichen Jahr wurde er zunächst Kaplan in Marienheide-Gimborn und wechselte 1905 in gleicher Funktion in die St.-Servatius-Gemeinde Bonn-Friesdorf. Im Alter von 31 Jahren – noch gab es kein Bistum Aachen – ernannte ihn dann Erzbischof Kardinal von Hartmann zum neuen Pfarrer in Lindern.

Dort fand er ein reiches Betätigungsfeld und erwarb sich bald großes Ansehen unter der Bevölkerung. Noch heute sprechen ältere Bewohner von Lindern mit Hochachtung von diesem Seelsorger: „Er war eine absolute Autorität, und man konnte mit allen Problemen zu ihm kommen. Vielen Menschen hat er in persönlichen Notlagen geholfen.“

Dazu dürfte sicherlich auch seine freundliche Art und sein rheinisches Wesen beigetragen haben. Mit Beginn der 30er Jahre begann sich jedoch der Himmel zu verdüstern: Die Weltwirtschaftskrise sorgte für große materielle Not, und 1933 etablierte sich mit dem Nationalsozialismus ein totalitäres Regime, das bald eine unverhohlen kirchenfeindliche Politik betrieb.

Wegekreuz geschändet

Auch Pastor Pauli und seine Gemeinde bekamen dies zunehmend zu spüren: 1938 wurde ein Wegekreuz bei Lindern geschändet, die Spuren der Täter ließen sich bis zum Eingang eines RAD-Lagers verfolgen. Obwohl Pastor Pauli Strafanzeige erstattete, verstanden es die NS-Behörden zu verhindern, dass die Schuldigen namhaft gemacht wurden. 1939 wurden auch die Kreuze aus der Linderner Volksschule entfernt, und man verbot Pastor Pauli, den Kindern Religionsunterricht zu erteilen.

Überfall auf Polen

Im gleichen Jahr begann Hitler mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg, der an seinem Ende auch über unsere Region Tod und Zerstörung brachte. Im Spätsommer 1944 rückte die Front der Alliierten immer näher, am 14. September erging für Lindern der Räumungsbefehl. Pastor Pauli hielt am 30. September die letzte Messe in seiner Kirche und folgte dann seiner Gemeinde in die Evakuierung. Nach der Rückkehr im Juni 1945 fanden er und seine Gemeinde ein von den Kämpfen verwüstetes Dorf und eine weitgehend zerstörte Kirche vor.

Trotzdem ließ er sich nicht entmutigen und begann sogleich mit der Reorganisation des kirchlichen Lebens. Bereits am 24. Juni konnte in der notdürftig instandgesetzten Kirche das Patronatsfest mit einer feierlichen Messe begangen werden. Bald darauf aber setzten Alter und Krankheit seinem rastlosen Wirken ein Ende: Am 15. November 1946 trat Pastor Pauli in den Ruhestand; den Wiederaufbau der Kirche musste sein Nachfolger Johannes Windelen übernehmen.

Auch nach seiner Pensionierung lebte Peter Pauli weiterhin in Lindern, war jedoch nur noch in sehr beschränktem Maße als Priester tätig. Trotzdem konnte er am 24. August 1952 noch in seiner Gemeinde sein goldenes Priesterjubiläum begehen. Es war das letzte glanzvolle Ereignis in seinem Leben, am 2. März 1953 verstarb er im Alter von 76 Jahren und wurde neben seiner Kirche auf dem Linderner Dorffriedhof beerdigt. Sein Grabmal ist bis heute erhalten, es zeigt das biblische Motiv des guten Hirten – ein Ideal, das heute immer mehr verloren geht, für Pastor Pauli aber stetes Leitmotiv seiner Arbeit war.

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