Bestattungsgebühren: Gangelt nimmt es von den Lebendigen

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Von wegen „Der Tod ist umsons
Von wegen „Der Tod ist umsonst.” Mit einer drastischen Gebührenerhöhung will der Rat der Gemeinde Gangelt den entsprechenden Haushalt ausgleichen. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. „Umsonst ist nur der Tod”, sagt der Volksmund. Gleicher behauptet aber auch von seinen Behörden: „Die nehmen es von den Lebendigen!” Untermauert wurde das im Haupt- und Finanzausschuss der Gemeinde Gangelt mit einer Gebührenerhöhung im Bestattungsbereich, die einmalig sein dürfte.

So steigt etwa die Gebühr für eine klassische Reihengrabstätte von 300 auf 1298 Euro - das sind 432 Prozent. Nahezu bescheiden stellt sich die Erhöhung für die Nutzung einer Urnenkammer dar: Sie steigt von 800 auf 885 Euro. Der Haken: Die Bestattungsgebühr für eine Beisetzung in eben dieser Urnenkammer steigt von bescheidenen 50 Euro auf 553 Euro. Will man das in Prozentpunkten ausdrücken, geht es in den Schwindel erregenden vierstelligen Bereich.

2005 gab es die letzte Anpassung dieser Gebührensatzung. Bürgerfreundlich hat man sich damals an den Nachbarkommunen orientiert und nicht so sehr auf eine kostendeckende Satzung geachtet. Jetzt, wo man nach „betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten” arbeiten muss, hat man anhand der Zahlen der Jahre 2008 - 2010 die Gesamtkosten aller möglichen Leistungen im Bestattungswesen errechnet und kommt auf eine Summe von rund 200.000 Euro.

„Wir wussten, dass wir Minus machen”, erläuterte Bürgermeister Bernhard Tholen. „Das vorgestellte Zahlenwerk ist unser Ansatz für ein vernünftiges betriebswirtschaftliches Handeln.” Er wies darauf hin, dass sich die Bestattungskultur in den letzten Jahren stark gewandelt hat und es heute über 50 Prozent Urnenbestattungen gibt.

Roger Schröder von der UB-Fraktion monierte, dass die letzte Anpassung bzw. Überprüfung dieser Satzung sechs Jahre zurückliegt. „Die Verwaltung im Dornröschenschlaf?”, fragte er provokant, um sich dann mit Bürgermeister und Sachbearbeiter Christoph Meiers über die Rechenwege, die zu den nun vorliegenden Zahlen geführt haben, auszutauschen. Auf seinen Vorschlag hin wurde der Beschlussvorschlag dahingehend geändert, dass zukünftig eine Kostendeckung von 95 Prozent zu erreichen ist und die Zahlen jährlich überprüft, gegebenenfalls angepasst werden.

Die neuen Friedhofsgebühren in der Übersicht: Reihengrabstätte für Personen über fünf Jahre: 1298 Euro (vorher 300 Euro), Bestattungsgebühr 524 Euro (300 Euro). Wahleigengrabstätte: 1708 Euro (1200 Euro), Bestattungsgebühr 541 Euro (325).

Wahleigentiefengrabstätte: 2074 Euro (1300), Bestattungsgebühr 541 Euro (350). Urnengrabstätte: 954 Euro (250), Bestattungsgebühr 325 Euro (150). Urnenkammer: 885 Euro (800), Bestattungsgebühr 553 Euro (50).

Bei der Nutzung der Trauerhalle (jetzt 60, vorher 50 Euro), der Aufbewahrung der Leiche in einer Zelle (30/25 Euro), der Aufbewahrung der Leiche in einer Kühlzelle (50/25 Euro), der Aufbewahrung einer Urne (25/20 Euro) und der Umbettung einer Erdbestattung (693/660 Euro) steigen die Gebühren moderat.

Bei Zugrundelegung der neuen Gebühren wären jährliche Mehreinahmen von rund 81.000 Euro erzielt worden.

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