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Awacs-Emissionen: Initiative fordert Lärmschutz-Zone

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
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30 Prozent weniger Flüge im Vergleich zu 2009 in Geilenkirchen: Mittlerweile fordert die Initiative gegen Awacs-Emissionen keine modernen Triebwerke, sondern die Einrichtung einer Lärmschutzzone. Foto: Georg Schmitz (1)/Udo Stüßer (1)
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Sie fordern weniger Flüge und eine Lärmschutzzone: Stefan Kassel (links) und Jürgen Benden .

Geilenkirchen. Der Geilenkirchener FDP-Stadtverordnete Stefan Kassel ist der festen Überzeugung, dass manche Menschen, besonders Kommunalpolitiker, es für „unchic“ halten, sich mit dem Grünen-Chef Jürgen Benden zu treffen.

Doch um diese Meinung schert er sich keinen Deut. Beide führen nämlich seit etwa zweieinhalb Jahren die Initiative gegen Awacs-Emissionen an und wurden in diesen Tagen als gleichberechtigte Vorsitzende im Amt bestätigt. So unterschiedlich ihre politischen Positionen oftmals sind, in einem sind sie sich einig: Mit den rund 100 Mitgliedern des Vereins fordern sie weniger Lärm.

Während Kassel und Benden in diesem Punkt eine Sprache sprechen, bewerten sie den Kahlschlag in der Teverener Heide unterschiedlich. Während Benden den Umwelt- und Bauausschuss nicht richtig vom Nato-Verband und vom Bundesforst informiert sieht, seit Wochen heftige Kritik an der Vorgehensweise übt und gegen die Bundesforstverwaltung sogar Strafanzeige gestellt hat, sagt der FDP-Mann: „Der Flugplatz muss Sicherheit gewährleisten. Wenn die Nato sagt, die Bäume müssen weg, müssen wir diese Opfer bringen.“ Auch der Teverener Ortsvorsteher Josef Paulus (CDU) verhalte sich merkwürdig. „Ich kann verstehen, dass er an den Bäumen hängt, weil die Dorfbewohner sie gepflanzt haben. Aber auch er muss sich dem Sicherheitsproblem stellen.“

Auch für die vielfach kritisierte Informationspolitik des Bundesforstes hat Kassel Verständnis: „Ich glaube, dass der Bundesforst Kritik befürchtet, wenn er geplante Maßnahmen ankündigt. Deshalb gibt es diese Nacht- und Nebelaktionen.“ Kassel meint aber auch in Richtung Nato: „Tarnen und Täuschen gehört beim Militär zum Handwerk.“

Ende der 80er-Jahre wurde die Initiative gegen Awacs-Emissionen gegründet. Das Motto „Lärm, Abgase, Angst: Uns reichts“ gilt auch heute noch. „Wir sind keine Awacs-Gegner. Wir sehen auch heute noch die Vorteile. Geilenkirchen ist eine lebensfrohe Stadt durch die Menschen, die hier arbeiten, leben und wohnen“, sagt Benden. Aber: „Trotzdem wollen wir weniger Lärm und Abgase. Wenn ich sehe, wie viele Übungsflüge über den Köpfen der Geilenkirchener Bevölkerung stattfinden, ist mir unwohl.“ Kassel meint dazu: „Ich habe Angst, weil die Kästen alt sind. Die Flugzeuge kommen laut und dreckig daher.“ Die anfängliche Forderung der Initiative, die alten Triebwerke auszutauschen, ist längst vom Tisch. „Jetzt ist es zu spät, in diese Uralt-Maschinen kann man keine modernen Triebwerke einbauen“, weiß auch Benden. „Deshalb fordern wir, die Lärmschutzzonen so festzulegen, dass die Geilenkirchener Bevölkerung geschützt wird. In einer Lärmschutzzone hätten die Geilenkirchener ein Anrecht auf neue Fenster und Lüftungsanlagen.“ Kassel ärgert sich: „An zivilen Flugplätzen werden die Anwohner geschützt, hier nicht.“ Von dem im Juni 2007 novellierten Fluglärmschutzgesetz ist Geilenkirchen kaum betroffen.

Bei aller Kritik müssen Benden und Kassel eingestehen, dass sich die Flugbewegungen am Flugplatz Geilenkirchen seit dem Jahr 2009 um über 30 Prozent verringert haben. Wie bei der jüngsten Sitzung der Lärmschutzkommission mitgeteilt wurde, seien die Flugbewegungen von 4286 im Jahr 2009 auf 2958 im Jahr 2013 gesunken.

Nachtflüge

Die Zahl der Nachtflugbewegungen im Jahr 2013 bezeichnet der Verband mit 96 „weiterhin auf sehr niedrigem Niveau“. Vor der Lärmschutzkommission betonten die Militärs: „Vom Gesamtflugaufkommen der NAEW&CF E-3A Component fallen nur 30 Prozent auf den Standort Geilenkirchen. 70 Prozent der notwendigen Trainingsan- und Trainingsabflüge werden an anderen europäischen Flughäfen durchgeführt.“ Hierzu seien vom Verband, wie auch im Jahr 2012, Transitkosten in Höhe von mehreren Millionen Euro aufgewendet worden, um die Lärmemissionen am Standort Geilenkirchen zu beschränken. Allerdings kündigt der Verband für die zweite Jahreshälfte eine Erhöhung der Flugbewegungen an. Dann nämlich sei mit einer Rückverlegung der Aufklärungsflugzeuge aus Afghanistan zu rechnen.

Ab diesem Zeitpunkt müsse von einer Erhöhung der Flugbewegungen ausgegangen werden, vor allem, weil die Rückverlegung unmittelbar nach der Startbahnsanierung stattfinden werde. Die Sanierung, die im Mai beginnen soll, werde zunächst zu einer deutlichen Reduzierung der An- und Abflüge führen. Sicherlich freuen sich Benden und Kassel über die Reduzierung der Flugbewegungen. „Aber hätte man den Flugbetrieb in Geilenkirchen früher gemessen, wäre die Lärmschutzzone größer geworden. Aber das wäre natürlich teurer geworden“, mutmaßt Kassel, dem auch die Flüge außerhalb der Platzöffnungszeiten montags bis freitags von 8 bis 22 Uhr ein Dorn im Auge sind. Lagen die im Jahr 2008 bei 29, so waren es im vergangenen Jahr 96.

„Außerhalb der Platzöffnungszeiten ist die Zahl der Flüge über die Niederlande limitiert. Deshalb wird, wenn es die Windrichtung zulässt, über Geilenkirchen geflogen, das hat der Verband bestätigt“, ärgert sich Kassel. Die klaren Forderungen des Vereins: Weniger Überflüge über der Stadt, weniger Nachtflüge und eine Lärmschutzzone in der Stadt.

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