Geilenkirchen - Aus einem Guss: Neue Glocke erklingt an Burg Trips

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Aus einem Guss: Neue Glocke erklingt an Burg Trips

Von: Georg Schmitz
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Wie sie wohl klingt? Noch gibt
Wie sie wohl klingt? Noch gibt es keinen Klöppel für die Glocke, doch auch mit dem Hammer lässt sich der Ton herauskitzeln. Maria Davids probiert es gern aus, sehr zum Gefallen ihres Mannes Franz (Mitte) und des 17-jährigen Glockenexperten Matthias Dichter (l.). Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Matthias Dichter hat es nachgeschlagen. „Die letzte in der Region vor Ort fertig gestellte Glocke wurde 1819 in Gangelt für St. Nikolaus gegossen.” Der junge Mann aus Übach-Palenberg muss es wissen, denn trotz seiner 17 Jahre gilt er bereits als Experte für glockengeschichtliche Fachbereiche.

Der junge Zweibrüggener beschäftigt sich seit seinem dritten Lebensjahr leidenschaftlich mit dem Geläut. Nicht nur für ihn war das Schauspiel faszinierend, das sich jüngst vor Schloss Trips ereignete. Mehr als 100 Menschen erlebten gespannt, wie die neue Glocke für die Turmdurchfahrt entstand.

„Matthias hat für uns den Kontakt zum Glockengießermeister Simon Laudy aus Groningen hergestellt”, zeigte sich Maria Davids dankbar. Mit ihrem Mann Franz wünschte sie sich seit langem eine neue Glocke für den 1672 gebauten Turm. Einst soll dieser zwei Glocken beherbergt haben. Beide verschwanden im Laufe der Zeit, vermutlich während der Kriegstage.

Jetzt gab es Ersatz. Glockengießermeister Simon Laudy reiste zusammen mit seinen Kollegen Sjoerd van Geuns, Kobus Niebuur und Hans van Zal aus Groningen an. „In 25 Jahren habe ich mehr als 600 Glocken gegossen, aber es kommt nicht oft vor, dass ich das vor Ort mache”, sagte Laudy. Fast immer würden die Glocken in seinem Betrieb in den Niederlanden gefertigt. Kein Wunder, dass die jüngste Ausnahme festlich vonstatten ging.

Das Glockengießen fand parallel zur Eröffnung eines neuen Pavillons für die Bewohner des Altenheimes im Schlosspark statt. So nutzten viele die einmalige Gelegenheit, Glockengießern bei ihrer außergewöhnlichen Arbeit über die Schultern zu schauen. Während Sjoerd van Geuns auf einem bereitstehenden Glockenspiel Beethovens „Ode an die Freude” erklingen ließ, begann Simon Laudy mit der Installation einer stabilen Gießhütte und eines Flaschenzugs, an dem später die knapp 50 Kilogramm schwere Glocke hängen sollte.

Aus Schamottsteinen bauten die Männer einen Ofen, der mit Lehm verputzt wurde. Im Innern befand sich ein Schmelztiegel aus Graphit, der zwölf Barren aus einer Bronze-Legierung aufnahm. Der Ofen wurde um 16 Uhr mit Holz und Steinkohle befeuert und stundenlang über zwei Blasebalge mit Luft versorgt, bis um 20 Uhr die ideale Schmelztemperatur erreicht war. „Wenn 1100 Grad erreicht sind, ist die Bronze-Legierung gießbar”, sagte Simon Laudy.

Es war ein bewegender Augenblick, als das glühende Schmelzgut mit Zange und Flaschenzug aus dem Ofen gehoben wurde und in die aus Quarzsand und Lehm gefertigte Form floss. Domprobst Albert Honings erbat während des Vorgangs den Segen Gottes. Feierlich war auch der Augenblick, als ein Turmbläser aus einem Fenster der Burg Trips mit seiner Trompete „Großer Gott wir loben dich” intonierte.

Über Nacht musste die Glocke abkühlen, bevor sie „ausgegraben” wurden. Dazu rückten die Glockengießer der Form mit Hammer und Meißel zu Leibe und brachten die Glocke zum Vorschein. „Die Glocke wird alt und harmonisch klingen, der Schlagton liegt zwischen H2 und C3”, ließ Fachmann Matthias Dichter die Zuhörer wissen. Mit einer Stimmgabel wollte er den genauen Ton ermitteln, doch der lasse sich erst endgültig fixieren, wenn die Glocke ganz abgekühlt sei.

Die ersten Anschläge oblagen Matthias Dichter sowie Maria und Franz Davids. Auch Hubertine Gillissen, Bewohnerin des Seniorenparks, durfte die Glocke erklingen lassen. Sie wird das Geläut nach der Installation der Glocke in etwa drei Wochen regelmäßig hören, denn ihre Wohnung befindet sich genau unter dem Turm.

Die neue Glocke wiegt etwa 49 Kilo, hat einen Durchmesser von 43,5 Zentimeter und ist 43 Zentimeter hoch. Über ihren Preis möchte das Ehepaar Davids nicht sprechen. Andere Details werden verraten. „1711 Adolfus Freiherr von und zu Trips” - das ist die Inschrift im oberen Bereich der Glocke. Das „MMXII” verweist auf das Jahr der Herstellung und „Laudy” steht für den Glockengießer.

Am unteren Rand sind mit „2012 Franz und Maria Davids” die Stifter aufgeführt. „Der Glockenton ist so abgestimmt, dass er mit dem Geläut von Geilenkirchen und Hünshoven harmoniert”, sagte Matthias Dichter. Simon Laudy wird in den nächsten Tagen in seinem Betrieb den Klöppel für die Burgglocke ferden Klöppel anfertigen. Damit der Glockenton bald hell und klar erklingen kann.
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