Übach-Palenberg - Aus dem Rollstuhl zurück auf die Marathon-Strecke

Aus dem Rollstuhl zurück auf die Marathon-Strecke

Von: Daniela Martinak
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Sie hat nie aufgegeben und hat noch viel vor: Evelyne Adamczak trainiert schon wieder für den nächsten Marathon. Foto: Daniela Martinak

Übach-Palenberg. Evelyne Adamczak kommt von der Arbeit, wirft ihre Kleidung in die Ecke und zieht sich sofort um. Ein kurzer Blick auf die Uhr, Hund Ben an die Leine genommen und auf geht´s. „Ich bin schon immer sehr sportlich gewesen“, sagt die 41-Jährige, „neben dem Laufsport spielte ich regelmäßig Tennis, und das Fitness-Studio gehörte zu meinen Lieblingsorten.“ Dann der Schock.

Eines Abends konnte sie sich plötzlich nicht mehr bewegen. „Das ist heute ein Jahr her“, erinnert sich die Übach-Palenbergerin. Ihr Bein war wie taub gewesen. Der Notarzt musste kommen, um ihr eine Spritze zu geben. Kurze Zeit später fuhr sie in den Urlaub. „Als wir ankamen, konnte ich plötzlich nicht mehr aus dem Zug aussteigen“, erinnert sie sich. Wieder habe das Gefühl in den Beinen versagt. Ein Arzt vor Ort habe sofort ein MRT (Magnetresonanztomographie) angeordnet. Diagnose: Schwerer Bandscheibenvorfall.

Zurück in der Heimat fuhr die Erzieherin von Arzt zu Arzt. Überall hörte sie dieselbe Diagnose: An Sport sei nicht mehr zu denken, einzig eine Operation wurde helfen, legte man ihr ans Herz. Doch das wollte Adamczak gar nicht erst in Betracht ziehen. „Für mich kam eine Operation nicht in Frage. Viel zu oft habe ich gehört, dass etwas schiefgelaufen ist und die Leute sich danach gar nicht mehr bewegen können“, erklärt sie. Zudem sei sie schon immer ein Mensch gewesen, der nicht viel auf Sätze wie „Das schaffst du nicht“ gegeben habe. So sei es auch vor einem Jahr gewesen.

Die 41-Jährige absolvierte eine vierwöchige Reha. In Aachen lernte die Patientin zahlreiche Techniken, die helfen sollten, die Bauch- und Rückenmuskulatur wieder in Gang zu bringen und vor allem zu stärken. Trotz eines Rückfalls nach einer Woche zog die passionierte Läuferin das Programm durch. „Ich wollte und durfte einfach nicht aufgeben“, sagt sie.

Schließlich sei Sport und vor allem das Laufen schon immer ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens gewesen – und dafür müsse man kämpfen. „Ich weiß nicht, ob ich es tatsächlich ausgehalten hätte, wenn ich wirklich nicht mehr hätte laufen können. Das wäre wie eine Folter für mich gewesen.“ Drei Monate lang saß sie teilweise im Rollstuhl, konnte sich nur fortbewegen, wenn sie einen Rollator zur Hilfe nahm, und auch danach hatte sie ständig Krücken bei sich, auf die sie sich stützen musste.

Bis zum Herbst kämpfte Evelyne Adamczak um ihre Genesung. „Dann wollte ich es endlich ausprobieren. Obwohl mein Arzt mir davon abriet, hörte ich auf meinen Körper und vor allem auf meinen Kopf“, betont die Sportlerin. Zwar wollte sie es erst einmal langsam angehen, aber fünf Kilometer sollten schon zu Beginn wieder drin sein.

„Normalerweise laufe ich in der Woche zirka 80 Kilometer, täglich manchmal 20, manchmal zehn Kilometer. Aber diese ersten fünf Kilometer, die ich im September nach meinem Bandscheibenvorfall gelaufen bin, kosteten mich richtig Kraft“, gibt sie jetzt zu. Dennoch: Schmerzen habe sie keine gehabt. Bis heute gilt: Wenn Evelyne Adamczak läuft, sind die Schmerzen weg.

Seit den ersten Gehversuchen nach der langen Zeit der Rekonvaleszenz hat die Übach-Palenbergerin wieder zahlreiche Medaillen und Pokale abgestaubt, unter anderem beim Aachener Sylvester-Lauf. Beim Füssener Romantik-Marathon wurde sie Siebte. Jetzt trainiert sie für den Berlin-Marathon im nächsten Monat und den Lauf auf Gran Canaria im Januar.

Die 41-Jährige hat viel Kraft aus ihrer Leidenszeit gezogen: „Ich kann nur jedem ans Herz legen, nicht aufzugeben. Egal, welche Diagnose einen für den ersten Moment innerlich kaputt macht, nach außen hin sollte man Stärke zeigen und an sich glauben. So kann man alles schaffen.“

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