Geilenkirchen - Aufrüttelnde Bilder von brutaler Gewalt

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Aufrüttelnde Bilder von brutaler Gewalt

Von: Udo Stüßer
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Bürgermeister Thomas Fiedler, Jörg Beck, Landesvorsitzender NRW/Rheinland des Weißen Rings, und Friedrich-Wilhelm Mathieu, Leiter der Außenstelle Kreis Heinsberg (von links), gestern bei der Ausstellungseröffnung. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Eine verzweifelte Frau. In der Hand eine Pistole. „Warum begeht man Selbstmord? Weil man so viel erlebt hat, dass man die nächste halbe Stunde, die nächsten fünf Minuten nicht mehr erleben will, nicht mehr erleben kann”, ist das Bild untertitelt.

Ein verzweifeltes Mädchen. „Dieses Luder zwang ihren Vater zum Sex. So rechtfertigen sich die Täter”, lautet die Bildunterschrift.

Ein lachendes, abstoßendes Männergesicht. „Und jetzt stellen Sie sich das sechsjährige Mädchen vor, das dieser Mann gerade vergewaltigt.”

Das sind nur einige der rund 100 außergewöhnlichen und unter die Haut gehenden Plakate und Fotos von Studenten der Bauhaus-Universität Weimar zu den Tabuthemen „Häusliche Gewalt” und „Sexueller Missbrauch”.

Der Weiße Ring, Deutschlands größte Opferschutzorganisation, präsentiert die Ausstellung „Opfer” in Kooperation mit dem Arbeitskreis gegen häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch im Kreis Heinsberg bis zum 12. November im Haus Basten in Geilenkirchen. Geöffnet ist die Ausstellung montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr; am Samstag, 6. November, von 10 bis 14 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Wenn es um häusliche Gewalt und Missbrauch gehe, so Geilenkirchens Bürgermeister Thomas Fiedler am Dienstag bei der feierlichen Eröffnung, „dann geht es um das brutale Wegnehmen der Menschenwürde, es geht um den Verlust der Integrität, die unsere Kultur in den Mittelpunkt ihres Menschenbildes und ihrer Ethik stellt”.

Der Schirmherr erklärte: „Hier geht es um die nackte Gewalt und um die tiefgreifende Beschädigung von Lebensläufen.” Die Ausstellung solle wachrütteln, sie rufe Entsetzen, Ungläubigkeit, Fassungslosigkeit, Hilflosigkeit und in seltenen Fällen sogar Erinnerung oder Wiedererkennen hervor. 95 Prozent der Opfer seien Frauen. Studien hätten ergeben, dass jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens ein Opfer häuslicher Gewalt werde. „Anfangs wird die Gewalt noch verharmlost; Opfer suchen die Schuld bei sich selbst und durchlaufen ein Wechselbad der Gefühle, weil sich Phasen der Gewaltanwendung mit Reuebekundungen und Beteuerungen der Besserung abwechseln.

Den Betroffenen fällt es häufig schwer, sich aus der Gewaltbeziehung zu lösen”, sagte Fiedler. Hinzu kämen ökonomische Abhängigkeit und Angst vor dem Täter, das Gefühl der Verantwortlichkeit für die Familie, Erwartungen und Druck von außen. Nur einer von 20 Fällen häuslicher Gewalt würde Schätzungen nach polizeilich gemeldet.

„Sexueller Missbrauch”, das zweite Thema der Ausstellung, gefährde die Lebens- und Entwicklungsgrundlage von Kindern und könne ihrer Seele auf lange Sicht extremen Schaden zufügen. „Missbrauchte Kinder können Angststörungen, Depressionen, Störungen der allgemeinen Entwicklung, Verhaltensstörungen, psychische Auffälligkeiten und posttraumatische Belastungsstörungen entwickeln”, sagte Fiedler und forderte: „Kriminalprävention ist natürlich auf allen politischen Ebenen ein Schwerpunktthema.

Aber es ist nicht nur eine Aufgabe der Politik oder Polizei. Vielmehr zeigt die Erfahrung, dass wir staatlichen Stellen auf die Unterstützung aus der Gesellschaft angewiesen sind: auf Bürgerinnen und Bürger, die nicht wegschauen, sondern den Mut haben, sich den Dingen zu stellen.”

„Die Ausstellung wird viele Besucher erschrecken. Sie werden mit den gesehenen Bildern im Gedächtnis nicht frohen Mutes nach Hause gehen, sondern sehr nachdenklich und betroffen. Diese Wirkung ist beabsichtigt”, erklärte anschließend Jörg Beck, Landesvorsitzender des Weißen Rings NRW/Rheinland. „Die Objekte sollen uns aufschrecken und uns sensibel machen für Gewalt, die oft in unserer Nähe stattfindet, ohne dass wir es merken - oder die wir auch manchmal nicht wahrhaben wollen. Weg sehen aber lässt die Betroffenen im Stich und stärkt die Täter.”

Jörg Beck ging bei der Ausstellungseröffnung auf die Aufgaben des Weißen Rings ein. Den oft Schwächsten unserer Gesellschaft, den Kindern, den Sozialschwachen, ausländischen Mitbürgern und alten Menschen helfen, ihnen Unterstützung immatrieller, manchmal auch materieller Art zu bieten, Hilfe zu leisten, ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie den Schock und die Folgen einer erlittenen Straftat überwinden können, seien Aufgaben des Weißen Rings, des gemeinnützigen Vereins zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten.

Nachdem Harald Leuchter vom Landschaftsverband Rheinland auf das Opferentschädigungsgesetz hingewiesen hatte, führte Friedrich-Wilhelm Mathieu, ehrenamtlicher Leiter der Außenstelle des Weißen Rings im Kreis Heinsberg und hauptberuflich als Hauptkommissar im Kommissariat Vorbeugung der Kreispolizei Heinsberg tätig, die Besucher durch die Ausstellung.

Überhaupt zeigten etliche Polizeibeamte, unter ihnen Polizeioberrat Rainer Kaliske, durch starke Präsenz ihre Verbundenheit zum Weißen Ring. Musikalisch untermalt wurde die Eröffnungsveranstaltung vom Orchester des Bischöflichen Gymnasiums St. Ursula Geilenkirchen unter der Leitung von Thomas Kamphausen und Laura Schmidt.
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