Auf dem Weg zur altersgerechten Stadt

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
Ein Besuch in der Seniorenresi
Ein Besuch in der Seniorenresidenz Trips: Bürgermeister Thomas Fiedler (links), Beigeordneter Herbert Brunen (rechts) und Sozialamtsleister Wilfried Schulz. Foto: Schmitz/imago

Geilenkirchen. Die Bevölkerungszahlen werden rückläufig sein, die Lebenserwartung der Menschen wird steigen, die Bevölkerung altert, der Anteil der 65-Jährigen wird weiter steigen.

Mit dieser Herausforderung und den Auswirkungen einer zunehmenden Alterung der Gesellschaft beschäftigen sich auch die Verantwortlichen in den Kommunen. So hat sich vor dem Hintergrund des demographischen Wandels die Stadt Geilenkirchen das Ziel gesetzt, eine zukunftsorientierte Seniorenpolitik zu betreiben.

„Allen älteren Bürgern soll es möglich sein, in ihren Ortsteilen zu leben, solange sie möchten. Ein bedarfsgerechtes Versorgungsangebot soll ihnen zur Verfügung stehen. Sie sollen sich so lange wie möglich aktiv in die Gemeinschaft ihrer gewohnten Umgebung einbringen können”, erklärt Geilenkirchens Bürgermeister Thomas Fiedler.

Wie weit aber ist die Stadt Geilenkirchen auf dem Weg zur altersgerechten Kommune schon gekommen? Und welche Gestaltungsmöglichkeiten stehen in Zukunft an? Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigt sich am Mittwoch, 5. September, 18 Uhr, im Saal des Franziskusheimes Geilenkirchen Markus Leßmann. Der Leiter der Abteilung für Pflege, Alter und demografische Entwicklung im Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen, referiert zum Thema „Älter werden in Geilenkirchen”. Zu diesem Vortrag ist jeder eingeladen.

„Im Jahr 2030 werden mehr als 50 Prozent der Bevölkerung älter als 60 Jahre alt sein. Wir müssen die Frage beantworten: Wie und wo wollen diese Menschen leben”, erklärt Thomas Fiedler und teilt die Generation 50plus in drei Gruppen ein: 34 Prozent möchten im Alter an ihrem Wohnort bleiben und auch aktiv etwas dafür tun. Das heißt, sie machen sich Gedanken über den Umbau ihres Hauses und über barrierefreies Wohnen.

36 Prozent sind passiv und bereiten sich auf das Alter nicht vor, 30 Prozent sind im Alter erfahrungsgemäß Umzügler. „Diese letzte Gruppe setzt sich dann räumlich kleiner und passt sich dem Stand der Pflegebedürftigkeit an”, weiß Fiedler, der die Rahmenbedingungen für die Geilenkirchener Wohnraumpolitik im Auge hat.

Verwaltung und Stadtrat stellen sich nicht nur die Frage, wie viele Neubaugebiete für wie viele Einfamilienhäuser erschlossen werden müssen, auch der altersgerechte Umbau darf keinesfalls vernachlässigt werden. „Wir unterstützen das zentrumsnahe altersgerechte Wohnen”, sagt Fiedler und weist auf die hervorragenden Angebote der Gesundheitswirtschaft von therapeutischen Praxen über eine Vielzahl von Fachärzten bis hin zum Krankenhaus hin. „Aber Geilenkirchen ist eine Flächengemeinde. Deshalb müssen wir uns fragen, wie wir auf das Älterwerden in den Dörfern reagieren”, denkt der Bürgermeister an Nahversorgung und Mobilität in den Ortschaften.

Fiedler könnte sich sehr gut eine Wohnanlage mit kleinen Wohnungen für betreutes Wohnen bis Pflegestufe 3 in der Geilenkirchener Innenstadt vorstellen, für ein Projekt „barrierefreies Wohnen” sucht er ebenfalls einen Investor. Gleichzeitig sieht er einen Sanierungsbedarf in bestehenden Wohnhäusern.

„Viele Menschen stellen sich mit 65 Jahren die Frage: Soll ich umbauen oder verkaufen und umziehen. Da ist dann großer Beratungsbedarf”, weiß Fiedler.

Wer zu diesen Themen Fragen hat, kann sich an den Leiter des Jugend- und Sozialamtes, Wilfried Schulz unter 02451/629325 wenden. Schulz weist bei dieser Gelegenheit darauf hin, dass es für den Umbau von großen Wohneinheiten zu kleinen Wohnungen verschiedene Fördermöglichkeiten gibt. Bei Fragen steht er gerne zur Verfügung.

Auch er hat sich das Ziel gesetzt, Geilenkirchen als seniorengerechte Kommune auf den Weg zu bringen. „Der Wohnungsmarkt ist da sicherlich ein Thema, aber auch die Nahversorgung”, denkt er an „rollende Geschäfte” in den Dörfern. „Wir wollen das bürgerschaftliche Engagement fördern und der Einsamkeit entgegenwirken. Wir wollen eine gute Kommunikation mit den Betroffenen führen und bedarfsgerechte Angebote schaffen”, sagt er und weist auf den „Runden Tisch Altenarbeit”, auf das Projekt „ehrenamtliche Seniorenbegleitung” in Kooperation mit dem Caritasverband und auf die Bestellung einer Seniorenbeauftragten mit Sitz im Ausschuss für Bildung und Soziales hin.

Auch Schulz hat bei seiner täglichen Arbeit festgestellt: „Es gibt zu viele große Wohnungen, kleine Wohnungen werden nachgefragt.” Allein schon aufgrund der Altersarmut müsse billigerer Wohnraum geschaffen werden. „Die Grundsicherungsempfänger, deren Rente nicht ausreicht, sind in den vergangenen zehn Jahren in Geilenkirchen von 100 auf 200 gestiegen”, sagte er. Die Grundsicherungsempfänger dürfen laut Schulz nur Wohnraum mit einer Größe bis 62 Quadratmeter mieten. „Und dazu kommen noch die Singles, die kleine Wohnungen suchen.”

Große Wohnungen entstanden in Geilenkirchen in großer Zahl durch das Militär. Nach dem Wegzug der Soldaten in den 90er-Jahren kauften Investoren diese Häuser auf, sanierten sie und vermieteten sie überwiegend an Auswärtige, die sich nur mit Hilfe von Sozialleistungen diese Wohnungen leisten konnten. Derweil ist sich Thomas Fiedler sicher, dass die Bevölkerungszahl in Geilenkirchen nicht sinken wird, sondern aufgrund von Zuzügen auf diesem Stand bleiben wird. „Die Zuzüge wollen wir durch die Qualität des Wohnungsangebotes steuern”, sagt Fiedler. Und Schulz ergänzt. „Wenn Vermieter und Investoren das Richtige tun, wird allen geholfen.”

In dem Zusammenhang weist Beigeordneter Brunen auf die nächste Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung am Donnerstag, 13. September, hin: dann wird das Wohnraumkonzept für die Stadt Geilenkirchen vorgestellt.

Die Stadt Geilenkirchen arbeitet auch in der Arbeitsgruppe „Älter werden im Kreis Heinsberg” mit.

Ziele sind: Fehlerfreie Pflegebedarfsplanung mit dem Ergebnis einer wohnortnahen Versorgung mit stationären und ambulanten Pflegedienstleistungen, Wohnen und Leben im Quartier, Ausbau der Nahversorgung und sonstiger Dienstleistungen, Förderung des bürgerschaftlichen Engagements, Ausbau der seniorengerechten Stadt und Förderung eines bedarfsgerechten Angebotes an seniorengerechten und barrierefreien Wohnungen.

Der „Runde Tisch Altenarbeit” wurde vor vier Jahren von der Caritas ins Leben gerufen. Die 15 bis 20 Teilnehmer treffen sich dreimal im Jahr. Die Teilnehmer sind selbst ehrenamtlich in der Seniorenarbeit tätig und pflegen den Kontakt zur Stadtverwaltung, wenn es um beispielsweise um Ampelschaltungen und Stolperfallen geht.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert