Übach-Palenberg - Anwohner haben Nase voll vom Gestank

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Anwohner haben Nase voll vom Gestank

Von: Franz Windelen
Letzte Aktualisierung:
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Die Ubacher Anwohner machen mobil gegen Geruchsbelästigungen: Joachim Fröhlich, Heinrich Kiefer, Dieter Blume und Edmund Röhrig (v.r.) von der Bürgerinitiative fordern, dass die Firma „Polythex” den Emissionsausstoß abstellt. Foto: Windelen

Übach-Palenberg. Den Anwohnern stinktÔs gewaltig. In jeder Hinsicht, klagen sie. Seit Jahren fühlen sich die Menschen im nördlichen Übach und in Holthausen durch Emissionen, die von der kunststoffproduzierenden „Universal Polythex GmbH” ausgehen, erheblich belästigt.

Mehrere Eingaben an die zuständige Kreisverwaltung in Heinsberg seien bislang fruchtlos geblieben, monieren sie. Jetzt haben sich die Anwohner zu einer Bürgerinitiative formiert. Rund 130 Unterschriften haben sie zusammengetragen, um ihren gebündelten Protest gegenüber der Kreisverwaltung, der Firma Polythex und der Stadt Übach-Palenberg zu dokumentieren.


„Je nach dem wie der Wind steht, müssen wir einen unerträglichen Gestank erdulden. Sogar nachts ist es dann oft unmöglich, bei offenem Fenster zu schlafen”, erklärt Joachim Fröhlich, der Urheber der neuen Bürgerinitiative, er wohnt in der Bonhoefferstraße.

Schriftverkehr mit dem Kreis

Edmund Röhrig hat sein Haus einige hundert Meter weiter, in der Kettelerstraße, auch er ist sauer: „Seit zwei Jahren nun müssen wir uns mit den extremen Emissionen herumschlagen. Wenn wir uns bei schönem Wetter auf die Terrasse setzen wollen, ist das häufig nicht möglich.”

Für Röhrig ist die stinkende Wolke eine Beeinträchtigung der Lebens- und Wohnqualität. Er wie auch andere Anwohner befürchten, dass ihre Immobilien durch die Belästigung deutlich an Wert verlieren.

Dieter Blume aus der Bonhoefferstraße ist Familienvater und markiert mit der „übelriechenden Chemie” eine weitere Sorge: „Wir wissen nicht, ob die Gase nicht am Ende doch gesundheitsgefährdend sind.” Der Kreis habe zwar Entwarnung gegegeben, verweist Joachim Fröhlich auf einen früheren Schriftverkehr.

Doch so ganz scheinen die Anwohner den Auskünften aus Heinsberg nicht zu trauen. Überhaupt: Beim Kreis machen die betroffenen Übacher den „Hauptschuldigen” für ihr Dilemma aus; dieser müsse viel aktiver werden, weil es sich, so Fröhlich, um ein Gewerbe- und nicht um ein Industriegebiet handelt: „Das heißt, an den Emissionsausstoß sind weit höhere Anforderungen zum Schutz der Einwohner zu stellen.”

Heinrich Kiefer aus der Finkenstraße zückt ein Schreiben vom Amt für Bauen und Wohnen des Kreises Heinsberg mit Datum vom 4. September 2009 und zitiert daraus: „Die Firma Polythex wurde aneitgewiesen, ihre Abluftführungen so zu gestalten, dass die umliegende Nachbarschaft nicht mehr belästigt wird.

Diese Maßnahmen sollten bis zum heutigen Tag soweit gediehen sein. Die Geruchsbelästigungen müssten somit beseitigt sein.” Die Emissionen seien aber geblieben, wenn nicht gar stärker geworden, kritisiert die Bürgerinitiative.

Nach Anfrage dieser Zeitung teilte der Sprecher der Kreisverwaltung unterdessen am Donnerstag mit, dass die Firma „in diesen Tagen die Auflage erhält, Fenster und Oberlichter geschlossen zu halten”. Aus den Aktivkohlefiltern, die auf Anweisung des Kreises installiert worden seien, könnten, so der Kreis weiter, keine Gerüche mehr nach außen entweichen.

Unverständnis zeigt die Bürgerinitiative für die damalige Entscheidung, den Industriebetrieb so nah an der Wohnbebauung zuzulassen. „An gleicher Stelle waren früher ein Textilbetrieb und der Interkauf, das ging emissionslos vonstatten”, erinnert sich Joachim Fröhlich.

Stefan Nickolai, Geschäftsführender Gesellschafter der Polythex GmbH, wehrt sich auf Anfrage dieser Zung gegen die Vorwürfe: „Wir haben in den zwei vergangenen Jahren für 400.000 Euro in fünf moderne Filteranlagen investiert und alle Auflagen erfüllt.” Die Rohstoffe, die im Betrieb verarbeitet werden, seien nicht gesundheitsgefährdend, sie seien ausschließlich lebensmitteltauglich.

Der Geschäftsführer setzt auf „Transparenz” und legt eine Bescheinigung des Chemiekonzerns BASF vor, in der der Hersteller diese Eigenschaften attestiert. Außerdem sei man an die strenge europäische Schadstoffverordnung gebunden, nach der Gift in den Rohstoffen verboten sei.

Um die Unbedenklichkeit des Materials zu unterstreichen, verweist Nickolai auf seinen Betriebsleiter, der 28 Jahre beschwerdenfrei in der Produktion tätig sei. Nickolai: „Unsere Produkte werden in der Industrie zu Lebensmittelverpackungen und -behältern und sogar zu Kinderspielzeug weiterverarbeitet. Wir essen daraus unseren Quark und trinken daraus unsere Milch.”

Wie eine Pommes-Bude

Was für die genervten Anwohner „Gestank” ist, ist für Stefan Nickolai „Geruch”, er zieht den Vergleich mit der Pommes-Bude, der Zuckerfabrik oder der Zeche, die zwangsläufig auch ihren eigenen, ungefährlichen Geruch entwickeln würden.

„Wir haben 2008 ein Geruchsgutachten erstellen lassen, die Werte sind alle im zulässigen Bereich”, betont der Geschäftsführer. Und noch mal spricht er von „Transparenz”; offen möchte er, falls erwünscht, mit den Anwohnern die heikle Problemlage erörtern.

Am Standort an der Friedrich-Ebert-Straße kommen ihm keine Zweifel: „Wir haben die Genehmigung für die Produktion. Und das Unternehmen hat in den sieben Jahren, in denen es in Übach-Palenberg ist, rund acht Millionen Euro nicht zuletzt auch zum Erhalt der 150 Arbeitsplätze investiert.”
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