Angestellte von Oerlikon Schlafhorst legen ihre Arbeit nieder

Von: Verena Müller
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Die Jugend vorneweg: Bei einem rund einstündigen Warnstreik bei Oerlikon Schlafhorst in Übach-Palenberg legten an die 130 Mitarbeiter ihre Arbeit nieder. Fotos (2): V. Müller
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Gottfried Hintzen, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender von Oerlikon Schlafhorst, Achim Schyns und Klaus Striebinger von der IG Metall.

Übach-Palenberg. Um halb zehn geht bei Oerlikon Schlafhorst in Übach-Palenberg offenbar noch alles seinen gewohnten Gang: Die automatische Glastür öffnet und schließt sich in schöner Regelmäßigkeit, am Empfang wird telefoniert und Organisatorisches mit Mitarbeitern geklärt. Eigentlich sollte jetzt der Warnstreik, zu dem die IG Metall aufgerufen hat, beginnen.

Zu sehen ist davon von außen noch nichts. Dabei soll er nur eine halbe Stunde dauern. 5,5 Prozent mehr Einkommen für die Dauer von zwölf Monate fordert die IG Metall für die bundesweit 3,7 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie. 2,3 Prozent verteilt auf 13 Monate bieten die Arbeitgeber aktuell an.

Es ist kurz vor zehn, draußen geht ein Handwerker mit Metallelementen in Richtung Technikshowroom-Baustelle, er hört Trillerpfeifen und schaut zum Eingangsbereich. „Oh ha“, sagt er nur und beeilt sich, den Weg freizumachen. Die ersten Angestellten von Oerlikon Schlafhorst verlassen fahnenschwingend das Gebäude und biegen Richtung Carolus-Magnus-Centrum (CMC) ab.

Ein roter Umzug mit Tröten, Trillerpfeifen und Klappern. Einer sondert sich von der Gruppe ab, macht Bilder, lächelt zufrieden und nickt kurz: Achim Schyns, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Aachen. „Ist keiner mehr drin im Betrieb“, sagt er. An die 130 der 450 Mitarbeiter, die Frühschicht also.

Schyns ist nicht zum ersten Mal hier, aber zum ersten Warnstreik in diesem Jahr. „Das ist hier so etwas wie die Hochburg der IG Metall“, sagt Schyns. Am CMC hält der Zug an und bildet eine dichte Menschentraube. Schyns, Klaus Striebinger, Vorsitzender des Vertrauenskörpers der IG Metall, und Gottfried Hintzen, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender steigen eine Treppe hinauf. Striebinger, Veranstalter der Kundgebung, greift zum Megafon.

Er begrüßt die Mitarbeiter kurz und übergibt dann an Schyns. Es hat gerade mal aufgehört zu regnen, auf das Wetter Bezug zu nehmen bietet sich also an – und auf die IG Metall ist auch in dem Punkt Verlass. Vom „Sauwetter“, aber „nicht im Regen stehen“ und „jetzt hier kämpfen“ ist in den einleitenden Worten von Schyns die Rede. Er lobt, dass junge Menschen den Zug angeführt hätten. „Über 400 000 Warnstreiks finden heute in NRW statt“, überschlägt Schyns und schlägt den Bogen zu denen, die in direkter Umgebung stattfinden: Bombardier und Philips in Aachen sowie Dürr Ecoclean in Monschau. „Ja“, sagt Schyns, „sogar in der Eifel“. Insgesamt rund 900 Menschen, an den vier Standorten, die im Laufe des Tages ihre Arbeit für rund eine Stunde niederlegen sollten.

50 Milliarden Euro Gewinn

Den Vorschlag der Arbeitgeber, die 2,3 Prozent, sei im Grunde eine Nullrunde. Auf die 13 Monate verteilt seien das 1,9 Prozent, das entspräche fast der aktuellen Inflationsrate. „Das lassen wir nicht mit uns machen“, sagt Schyns. „Wir kämpfen für mehr Geld in unserem Portemonnaie.“ Zustimmende Pfiffe, klappern.

Den Vorwurf, die Gewerkschaften würden die Unternehmen überfordern, könne er nicht gelten lassen. 50 Milliarden Euro Gewinn habe die Branche zuletzt eingefahren, „genug, um uns ein bisschen was davon abzugeben“, findet Schyns. Die Prognosen für dieses Jahr sehen auch sehr gut aus, einen Zuwachs von sechs Prozent bei den Exporten würden für die Metall- und Elektroindustrie in diesem Jahr erwartet.

Laut Schyns steht den Angestellten nicht nur aus diesen Gründen mehr Geld zu, sondern auch, weil die Lebenshaltungskosten gestiegen sind und weiter steigen sollen: 5,8 Prozent Mehrausgaben für Energie, teurere Spritkosten und steigende Mieten. Außerdem: „Wenn wir mehr Geld in der Tasche haben, kurbeln wir den privaten Konsum an und sichern dadurch auch andere Arbeitsplätze.“

Am Montag gingen die Tarifverhandlungen in die dritte Runde, seit anderthalb Monaten laufen die Gespräche gerade. Da kann noch viel passieren. „Wir wollen nichts überstürzen, wir wollen einen guten Abschluss haben“, sagt Schyns nach der Kundgebung, als die Angestellten den Rückmarsch angetreten haben. „Am Dienstag wird sich entscheiden, ob wir zu Streikaktionen übergehen oder nicht.“

Oerlikon Schlafhorst hat seit 2004 einen Haustarif, „den haben wir gemeinsam mit der IG Metall erstritten“, sagt Schyns. Ohne Druck ginge es nicht. „Man trifft sich nicht so einfach irgendwo in der Mitte. Der neue Arbeitgeber, Saurer, habe bereits seine Bereitschaft signalisiert, mit der IG Metall die nächsten Verträge abzuschließen. Das sei erfreulich. Das Unternehmen selbst wollte sich nicht zum Tarifkonflikt äußern.

Kurz nach halb elf, die Mitarbeiter haben wieder ihre Arbeit aufgenommen. Heute wird sich zeigen, ob es bei dem Warnstreik bleibt, oder ob es eine Urabstimmung geben wird.

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