Geilenkirchen - Angeklagter zeigt vor Gericht Reue und gesteht 31 Diebstähle

Angeklagter zeigt vor Gericht Reue und gesteht 31 Diebstähle

Von: defi
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Geilenkirchen. Der Angeklagte war „Stammkunde“ in Drogeriemarktketten und Supermärkten in Heinsberg und Aachen, allerdings einer, den die Geschäfte nicht schätzen, denn er zahlte nie.

Vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Geilenkirchen legte der 31-jährige Schweißer nun ein umfassendes Geständnis ab. 31 Diebstähle gestand er reumütig. Auch das Schwarzfahren räumte er in den ihm vorgeworfenen 18 Fällen ein.

Einmal soll er allerdings vier Flaschen Schnaps geklaut und drei weitere bezahlt haben. Das könne nicht sein, meinte der Angeklagte: „Ich glaube nicht, dass ich irgendwann mal was bezahlt habe.“ Auch den nicht ganz ernst gemeinten Einwand seines Verteidigers, falls er doch bezahlt habe, sei das ja nicht strafbar, ließ der Angeklagte nicht gelten. Es sei einfach unrealistisch, irgendwo einzukaufen und gleichzeitig zu klauen.

Auch dass er in einem Heinsberger Kaufhaus mal ein Parfum für unter 50 Euro gestohlen haben soll, bestritt der Angeklagte. Richterin Corinna Waßmuth pflichtete ihm bei: „Im Vergleich zu den Parfüms, die Sie sonst geklaut haben, war das wirklich nicht Ihre Preisklasse.“

Diebesgut durchaus verkaufbar

In „seiner Preisklasse“ wäre der Angeklagte mit sechs Flaschen Parfüm, die er in einem der 31 Fälle hatte mitgehen lassen, locker 600 Euro an der Kasse losgeworden, wenn er denn bezahlt hätte. Etwa einen Drittel des Preises hätte er für sich erzielen können, erklärte der Angeklagte freimütig. Auch wie man geklaute Deodorants zu Geld machen könne, erläuterte er zur Verblüffung der Richterin. Da gäbe es in Aachen so ein Café, da sei so etwas durchaus verkaufbar.

Die Frage wohin mit dem ganzen Geld, stellte sich für den Angeklagten nicht. Seit 15 Jahren hatte er immer wieder das gleiche Spiel mitgemacht: Klauen, Drogen kaufen, Knast. So habe er sich die schönsten Jahre seines Lebens kaputt gemacht, meinte Richterin Waßmuth in der Urteilsbegründung.

Doch der liebe Gott hatte wohl nun ein Einsehen gehabt und den Angeklagten auf den rechten Weg geführt. Ein von Herzen kommendes „Danke, lieber Gott“ des Angeklagten nach der Urteilsverkündung war der Lohn für den Herrn. Richterin Corinna Waßmuth korrigierte ihn: „Das haben Sie sich selber zuzuschreiben.“ „Nein, Frau Waßmuth“, insistierte der Angeklagte, „ich bin sehr gläubig.“

Entzug mit letzter Kraft

Dass der Angeklagte am Ende der Verhandlung den Gerichtssaal, in den er in Handschellen geführt worden war, als freier Mann verlassen konnte, grenzte tatsächlich an ein Wunder. Doch was ihm letztlich die Freiheit bescherte, war Folgendes: Dem Angeklagten war es wohl buchstäblich unter Aufbietung der letzten Kräfte gelungen, in der Untersuchungshaft „kalt“ zu entziehen, das heißt ohne eine Ersatzdroge wie Methadon. Zudem hatte er selbst darauf bestanden, die am 1. Juni angetretene Untersuchungshaft so lange zu verlängern, bis er in der JVA die Schule beendet hatte.

Die Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre und acht Monate Haft gefordert, die nicht mehr zur Bewährung hätte ausgesetzt werden können. Das Schöffengericht verhängte zwei Jahre, deren Verbüßung zur Bewährung ausgesetzt wird, wenn das Urteil rechtskräftig wird.

Der Angeklagte hat sich neben weiteren Auflagen einer Suchttherapie zu unterziehen. Richterin Waßmuth zum Urteil: „Das ist wirklich mehr als knapp auf Kante.“

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