Geilenkirchen - Altes Stellwerk: Widersprüchliche Aussagen zu Abrissantrag

Altes Stellwerk: Widersprüchliche Aussagen zu Abrissantrag

Von: Jan Mönch und Udo Stüßer
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Kleines Stellwerk, großes Ärgernis: Warum ist der hässliche Zweckbau nicht – wie versprochen – längst aus dem Stadtbild entfernt worden? Die Aussagen von Deutscher Bahn und Eisenbahn-Bundesamt widersprechen sich. Foto: Jan Mönch

Geilenkirchen. Es war ein mal ein Antrag. Er wurde von der Deutschen Bahn an das Eisenbahnbundesamt (EBA) gerichtet mit dem Ziel, das alte Stellwerk am Bahnübergang Konrad-Adenauer-Straße aus dem Blickfeld der Geilenkirchener und ihrer Besucher zu entfernen. Der Antrag war allerdings unvollständig – und was dann geschah? Darüber gehen die Darstellungen auseinander.

Das EBA, also die zuständige Aufsichtsbehörde, behauptet: Die Unterlagen wurden „unmittelbar zur Bearbeitung zurückgeschickt“. Ein Bahn-Sprecher hingegen behauptet: „Dass die Unterlagen unvollständig sind, wurde uns nicht aktiv mitgeteilt.“ Weder Bahn noch Aufsichtsbehörde wollen nähere Angaben dazu machen, inwieweit der Antrag unvollständig war. Ansonsten schieben beide Seiten sich gegenseitig den schwarzen Peter zu. In der Sache hingegen ist nichts geschehen.

Keine gute Visitenkarte

Wie berichtet, hatte ein in leitender Funktion tätiger Angestellter der Bahn im April vergangenen Jahres versprochen, dass das Stellwerk noch 2013 verschwinden wird. Dass dies nicht geschehen ist, ist kaum zu übersehen: Das bereits seit 2007 stillgelegte und somit seiner Existenzberechtigung enthobene Bauwerk vergammelt gut sichtbar sowohl für Durchreisende in den Zügen sowie aus Richtung Immendorf oder Bundesstraße kommende Pkw-Fahrer. Keine schöne Visitenkarte für Geilenkirchen. Auf Nachfrage unserer Zeitung stellte sich dann vor einigen Wochen heraus, dass erst nach dem Ortstermin im April 2013 der Antrag auf Abriss beim EBA gestellt worden war – und das in besagter unvollständiger Form. Anschließend kümmerte sich offenbar niemand mehr um das Thema. Jedenfalls nicht an maßgeblicher Stelle.

Bürgermeister Thomas Fiedler schildert gegenüber unserer Zeitung, dass die Stadt seit 2010 immer wieder Kontakt zur Bahn aufgenommen habe. „Wir können da aber eben nur drauf hinweisen.“ Zwar ist auch Fiedler dafür, dass das Stellwerk abgerissen wird. Er gibt allerdings zu bedenken, dass das Grundstück der Bahn gehört. Wenn der Abriss irgendwann tatsächlich einmal erfolgen solle, könne man also schlechterdings nicht einfach einen Blumenkübel mit Stiefmütterchen hinstellen. „Außerdem frage ich mich: Wie kriegt man so ein Ding eigentlich weg?“ Aufgrund der exponierten Lage des Stellwerks an Hauptstraße und Gleisen sei von nicht unbeträchtlicher Verkehrsbehinderung auszugehen.

Auf wenig Gegenliebe stieß indes ein Antrag der Grünen-Fraktion im Stadtrat, demzufolge eine „Resolution“ zum Thema verabschiedet werden sollte. Der Inhalt: Erstens solle die Stadt die Bahn auffordern, den Abriss des „Fahrdienstleiterstellwerkhäuschens“ einzuleiten, zweitens solle Bürgermeister Fiedler damit beauftragt werden, „alles Erforderliche“ zum Erreichen ebendieses Ziels zu unternehmen.

„Das ist Verwaltungsschelte“

„Rat und Verwaltung können mit dieser Resolution ein Zeichen setzen“, warb Fraktionschef Jürgen Benden bei der jüngsten Ratssitzung für den Antrag – der dann allerdings mit großer Mehrheit als überflüssig abgelehnt wurde. SPD-Fraktionschef Horst-Eberhard Hoffmann stellte hierzu fest: „Die Verwaltung ist an der Sache dran. Wir wissen, wie schwierig es ist, mit der Bahn zu verhandeln. Solch ein Antrag ist nicht redlich, er ist schändlich, er ist Verwaltungsschelte. Mit uns nicht.“

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