Alte „Schätze” wecken beim Betrachter schöne Erinnerungen

Von: mali
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Baesweiler. Wenn es an den Rübenschneider ging, brach stets ein Geschwisterstreit aus. Gerta Michels dreht bei Entdecken dieser „Maschine” ihre eigene Lebensuhr 65 Jahre zurück. „Mein Bruder Hubert und ich haben uns als Kinder immer gestritten, wer drehen durfte und wer drücken musste”, steht die gebürtige Oidtweilerin vor dem blau angemalten Gerät.

Gerta Michels, geborene Palenberg, ist ebenso fasziniert wie eine ganze Gruppe von Zeitzeugen, die sich im Bauernmuseum Keufen umschaut. Mit Vertretern des Geschichtsvereins Baesweiler haben sich die Interessenten bei Hubert Keufen getroffen, um Schätze der Landwirtschaft zu betrachten. Sie eint auch ihr Mitteilungsdrang. Die Kinder aus den Dreißigern und Vierzigern wollen erzählen. Wie es damals war, was sie auf dem Feld erlebt haben, wie sie mit den Geräten vertraut wurden und damit aufwuchsen.

Nicht ganz ungefährlich

„Das war sicherlich Kinderarbeit. Aber nicht so, wie man sie heute versteht. Und es hat uns tief im Herzen doch Spaß gemacht”, betont Gerta Michels. Sie zeigt den anderen, wie man die Runkelrüben in den Schneider eingelegt hat. Wenn sie es ein bisschen leichter haben mochte, durfte sie den Schwängel bedienen und drehen. Bruder Hubert Palenberg musste dann die Erdfrüchte fest nach unten drücken.

Was nicht ganz ungefährlich war. Gerta Michels: „Man konnte abrutschen und sich verletzen”. Heraus kam bei der Arbeit ein Gemengsel, das man damals als „Zufutter” bezeichnete und den Kühen oder Schweinen verabreicht wurde. Die Gruppe, die Hubert Keufen durch die Innenräume seines Museums führt, hat über zwei Stiegen den Dachboden erreicht. Was von einem Besucher liebe- und respektvoll als „aue Kroam” bezeichnet wird, hat Hubert Keufen akribisch und aufwändig in den vergangenen zwei Jahrzehnten zusammengetragen.

Die Idee ist bei einem Urlaub Ende der 80er Jahre in Österreich entstanden. „Wir haben seinerzeit einen Landwirtschaftsbetrieb besichtigt und da habe ich mich entschlossen, ein Museum aufzubauen.” Hubert Keufen erzählt, während seine Gäste immer neue „Schätzchen” entdecken. Einen Dengelstuhl, eine alte Form für den Brand von Ziegelsteinen, einen Scheffel, Messer, Zangen, Äxte, viele Gläser mit Getreidefrüchten: die Vielfalt und die Menge der Ausstellungsstücke lassen vermuten, dass Keufen sein Museum schon gefühlte 100 Jahre betreibt.

Vom Geschichtsverein sind Sascha Kochs und Elke Schamberg mitgekommen. Sie vertreten Willi Johnen, der die Veranstaltung organisiert hat, aber an diesem Abend leider verhindert ist. Während unter dem Dach eher Kleingeräte untergebracht sind, steht eine Etage tiefer ein Humspflug. Hubert Keufen ist stolz. „Dieser Pflug ist von 1862”, berichtet er. Zwischen Kohlenabsackwaage und Jauchepumpe ist ein Leiterwagen aus dem Jahr 1933 aufgestellt.

Das Gefährt fasziniert vor allem Fred Michels. Der Baesweiler Wanderführer - er ist derzeit mit der geschichtlichen Aufarbeitung des Baesweiler „Heggeströfers” befasst - erinnert sich an seine Zeit, „als wir mit Pferd und Wagen unterwegs waren und ich als Schuljunge gerne auf dem Feld mitgearbeitet habe”.

Vor dem Untergang bewahrt

Ein „junger Spund” ist der 74-jährige Michels im Vergleich zu Heinz Bruns. Der Konditormeister zählt stolze 90 Lebensjahre und hat sich den geschichtlichen Vorträgen und Erzählungen gerne angeschlossen. Extra für ihn schrotet Hubert Keufen Getreide. Später, in der warmen Stube des Anwesens, sitzen die Zeitzeugen noch ein paar Stündchen zusammen. Und lassen noch mal die „Wannemöhl” aufleben, in der die Spreu vom Weizen getrennt wurde. Oder wie Hubert Keufen im Heinsberger Land gerade noch rechtzeitig Geräte für sein Museum sichern konnte, bevor die Scheunen abgerissen wurden. An einem Abend, an dem man sich ungern getrennt hat. Es hätte noch sehr viel zu erzählen gegeben.
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