Als die Hochzeit endet, schlagen die Diebe zu

Von: Daniela Martinak
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Lächeln kann das frisch gebackene Brautpaar nicht. Jennifer und Michael Klemmer zeigen die leeren Truhen, in denen vorher etliche Glückwunschkarten und Geld lagen. Nur die Ringe bleiben ihnen. Foto: Daniela Martinak
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Durch dieses kleine Fenster sind die Einbrecher scheinbar in das Pfarrheim eingestiegen. Foto: Daniela Martinak

Gangelt-Niederbusch. Michael und Jennifer Klemmer schauen ziemlich zerknirscht drein. Nur ihr Sohn Julian ist momentan in der Lage, das frisch gebackene Ehepaar zum Lächeln zu bringen. Dabei sei doch anzunehmen, dass so ein Ringtausch glücklich macht.

Am Wochenende war es endlich soweit: Die kirchliche Hochzeit sollte zusammen mit der Taufe des acht Monate alten Babys gefeiert werden. Und so hatten sich erst alle Gäste in der Kirche eingefunden – Familie, Freunde, Bekannte – „nur 60 Personen. Wir wollten die Feier im engen Kreis abhalten“, bevor es ins Pfarrheim nach Stahe ging. „Wir wohnen erst ein Jahr hier. Das Pfarrheim ist nicht weit von unserem Haus entfernt. Den Tipp, dort zu feiern, hat uns ein Bekannter gegeben“, erklärt der Bräutigam.

Das Haus sei noch nicht abbezahlt, und so hatte sich das Paar Geld gewünscht. Geld, was jetzt futsch ist. Aber auch Hochzeitsfotos, Laptop, Kamera, Glückwunschkarten, Babykette und Spielzeug ... Alles ist weg! Gestohlen. „Wir konnten es nicht fassen. Als wir am nächsten Morgen zum Aufräumen in den Nachbarort gefahren sind, war der Gabentisch wie leer gefegt. Und wir am Boden zerstört“, beschreibt das Ehepaar seine Gefühle.

Um halb zwei in der Nacht von Samstag auf Sonntag habe sich der 34-jährige Bräutigam von den letzten Gästen verabschiedet. Söhnchen Julian sei zuvor schon abgeholt worden, so dass er und seine Frau Zeit gehabt hätten, sämtliche Fenster im Pfarrheim zu verriegeln, die Vorhänge zuzuziehen und die Türe abzuschließen. Guten Gewissens – „wir haben alles stehen und liegen lassen“ – seien die beiden dann zu Fuß nach Hause gegangen. Als der Bräutigam mit einem Anhänger die Geschenke abholen wollte, rief ein Bekannter an: „Er sagte lediglich ‚lass den Hänger, wo er ist, wir haben ein Problem“, der Softwareentwickler ahnte nicht, was auf ihn und seine Frau zukommen würde.

Ein Chaos sondergleichen erwartete die beiden Niederbuscher. Ein kleines Fenster sei aus der Wand gerissen worden, dort, wo zuvor noch Hochzeitstorte und Kaffeekanne gestanden hatten, lag vorgestern nur noch zerrissenes Geschenkpapier. Immer noch schütteln die beiden mit den Köpfen, wenn sie an die „Skrupellosigkeit dieser Verbrecher“ denken. Dabei hatte doch alles so toll angefangen: „Die Feier war so wunderbar. Genauso haben wir uns unsere Hochzeitsfeier vorgestellt. Die Taufe des Kleinen war das Tüpfelchen auf dem i. Alles war perfekt“, versichert die Erzieherin.

Die Geschenke hätten sie nicht ausgepackt, schließlich wollten sie für die Gäste da sein. „Wir wissen also noch nicht mal, was in den Paketen drin war“, bedauert das Pärchen jetzt. Den Tag nach der Hochzeit verbrachten die beiden nicht etwa in trauter Zweisamkeit, sondern mit der Polizei. Und damit, sämtliche Gäste anzurufen, um herauszufinden, wie viel und was die Täter erbeutet hatten. „Um die 3500 Euro reicher sind jetzt diejenigen, die uns diesen Tag verdorben haben. Hinzu kommen noch die technischen Sachen und das Spielzeug, worüber Julian sich so gefreut hatte“, sagt Jennifer Klemmer und verdrückt ein Tränchen. Nicht einmal die Taufurkunde und das silberne Kettchen, was zuvor geweiht worden war, ist ihnen geblieben.

Nicht nur Geschenke, sondern auch persönliche Unterlagen, die auf dem Laptop gespeichert seien, seien nun weg. „Uns ist nicht nur Geld gestohlen worden, sondern teilweise auch unsere Identität. Wer macht nur sowas?“, fragt sich die Familie.

Das habe es in dem Pfarrheim noch nie gegeben, lässt die Pfarre verlauten. Und auch Karl-Heinz Frenken, Sprecher der Kreis-Polizei bestätigt das: „Es ist das erste Mal. Beinahe sieht es so aus, als hätten die Täter gewusst, dass dort gefeiert wurde und nur abgewartet, bis die Hochzeitsgäste die Räume verlassen haben.“

Jetzt hoffen die Klemmers, dass vielleicht jemand was gesehen hat oder ein paar der Geschenke wieder auftauchen: „Wenigstens die Fotos und die Taufurkunde von Julian hätten wir gerne zurück“. Und weiter: „Es tut weh.“ Sachdienliche Hinweise nimmt die Polizei entgegen. „Eine Belohnung gibt es auch“, verspricht das bestohlene Paar.

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