Als Dankeschön zehn Bäume in Jerusalem gepflanzt

Von: Laura Beemelmanns
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Setzen sich dafür ein, dass die Erinnerung für immer bleibt: Christa Nickels, Thomas Fiedler und Karl-Heinz Nieren (v.l.). Foto: Beemelmanns

Geilenkirchen. Gebäude wurden längst durch modernere ersetzt, Papiere, Bilder und andere Erinnerungsstücke sind verschwunden, keine einzige Familie aus der damaligen Zeit ist hier in Geilenkirchen geblieben. Und doch hat sich eine Initiative gegründet, um all dem auf den Grund zu gehen, um die Spuren, die verwischt schienen, wieder sichtbar zu machen. Dass es eines Tages auch gelingen würde – in einem solch erfreulichen Ausmaß – konnte zunächst niemand ahnen.

Lange Zeit waren die Themen Nazi-Regime und Holocaust in Geilenkirchen „blockiert“, wie Bürgermeister Thomas Fiedler es beschreibt. Heute sieht das ganz anders aus. Wenn Christa Nickels und Karl-Heinz Nieren, Mitglieder der Initiative gegen das Vergessen, über ihre Erfolge berichten, über die Geschichten, die sie nun erzählen können, über Familiengeheimnisse und über Spuren, die bis in die USA oder nach Israel führen, dann versinkt selbst der Zuhörer in längst vergessenen Zeiten.

Ein Beispiel für die gelungene Arbeit ist Familie Gottschalk. Einst lebte die jüdische Familie in Geilenkirchen. „Insgesamt waren es vor dem Zweiten Weltkrieg rund 130 Personen“, sagt Karl-Heinz Nieren. Davon allein 13 Gottschalks in Bauchem, Hünshoven und Geilenkirchen. Sie waren eine der größten jüdischen Gemeinschaften in der Region, sagt er.

All das haben seine Recherchen ergeben. Die führten im Fall Gottschalk nach Amsterdam. Denn dort leben die Nachkommen der einstigen Geilenkirchener Gottschalks. Bereits Mitte Mai kam ein Treffen zustande. Bürgermeister Fiedler hatte Rudi Gottschalk und seine beiden Töchter Juliette und Sabine im Rathaus empfangen.

Die Mitglieder der Initiative gegen das Vergessen verlegten für Familie Gottschalk einen der inzwischen 27 Stolpersteine in der Konrad-Adenauer-Straße. Wochen vergingen. Bis eines Tages ein Brief in niederländischer Sprache auf dem Tisch von Thomas Fiedler landete. Darin ein Anschreiben mit ein paar netten Worten und eine Urkunde. „A Tree is planted in Israel“ steht darauf, und „die Familie Rudi Gottschalk dankt allen Beteiligten der Gemeinde Geilenkirchen für die Herstellung der Stolpersteine in Erinnerung an unsere Familienmitglieder und alle anderen Kriegsopfer in der Gemeinde Geilenkirchen.“ Ohne, dass jemand etwas davon wusste, sorgten die Gottschalks dafür, dass zehn Bäume als symbolisches Zeichen in Jerusalem gepflanzt wurden. Sie wollten Geilenkirchen und vor allem auch der Initiative gegen das Vergessen danken. „Die Familie war sehr berührt“, berichtet Fiedler über das Treffen. „Es war ein kurzes, aber sehr intensives Gespräch. Rudi Gottschalk ist ein Gentleman der alten Schule.“

Gottschalk wusste nicht viel über die Geschichte seiner Familie. Seine Eltern seien sehr verschwiegen gewesen, sagte er. Nieren konnte ihn dank seiner Recherchen darüber aufklären und etwas über seine Verwandten berichten. „Wir sind eine Ermöglichungsagentur“, sagt Christa Nickels scherzhaft. „Dass es so lebendig wird, hätten wir nie gedacht.“ All die Geschichten und Informationen sind nun greifbar. Nahezu alle Familien konnten identifiziert und zum größten Teil gefunden werden.

So sollen auch mit der Zeit noch 100 Stolpersteine folgen. Aber Schritt für Schritt. „Es soll ja keine Massenveranstaltung werden“, sagt Nickels. Dass sich nun eine Familie bedankt, berührt alle Beteiligten sehr. Ihre Arbeit wird angenommen und arbeitet das auf, was andere den Familien einst genommen haben.

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