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Äußerung von Ratsherr sorgt für Ärger

Von: Udo Stüßer
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Geht nach einem Bericht in unserer Zeitung in die Offensive: Uwe Böken. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Mit großer Verwunderung und noch größerer Verärgerung reagierte am Donnerstag die Schulleitung der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule auf Aussagen des Geilenkirchener CDU-Parteichefs Manfred Schumacher, die er im Gespräch mit unserer Zeitung gemacht hatte. Zwar hatte Schumacher die Gesamtschule als „eine hervorragende Schule“ gelobt.

Was allerdings für Unmut bei der Schulleitung sorgte, waren die Aussagen „Mit viel gutem Willen können alle potenziellen Hauptschüler in der Gesamtschule eine Heimat finden“ und „Das Problem liegt in der Verantwortung der Schulleitung. Ich wünsche mir, dass die Schulleitung ihre Verantwortung erkennt, und auch diesen Schülern eine Heimat bietet“.

Die Probleme habe man schon vor zwei Jahren diskutiert, erklärte am Donnerstag Schulleiter Uwe Böken und meinte: „Auch Mitglieder der CDU sind doch in der Lage, die Verordnungen des Landes zu lesen.“ Bei einer Konferenz der Gesamtschulleitung erklärte am Donnerstag der Didaktische Leiter der Gesamtschule, Peter Ruske: „Das, was die CDU fordert, ist juristisch nicht haltbar. Bei einem Anmeldeüberhang müssen Kinder abgelehnt werden. Das geschieht prozentual zu den Größen der beiden Töpfe.“

Die Anmeldeüberhänge würden anonym aus den Lostöpfen gezogen, es dürfe zu keiner Selektion kommen. Guido Beisner, Abteilungsleiter der Oberstufe, sagte: „Schumacher erwartet, dass wir alle Hauptschüler aufnehmen sollen. Es ist unerträglich, wenn er sagt, es liege an unserem guten Willen.“ Dem stimmte auch Ruske zu: „Schumacher kann doch nicht die Realschule erhalten wollen, der Gesamtschule ein juristisches Problem aufbürden und dann hoffen, dass es kein Wahlkampfthema wird.“

Das Aufnahmeverfahren erläuterte am Donnerstag im Gespräch mit unserer Zeitung nochmals Schulleiter Uwe Böken: Die Schulformempfehlung der Grundschule spiele keine Rolle. Es werde eine Durchschnittsnote aus der Deutschnote, der Mathematiknote und der Note für Sachkunde gebildet. Diese Note entscheide, ob der sich bewerbende Schüler Topf eins (Note 1 bis 3) oder Topf zwei (schlechter als 3) zugeordnet wird. Aus beiden Töpfen müssten anteilig nach den Prozentsätzen im Anmeldeverfahren Schüler gezogen und auf die zur Verfügung stehenden Plätze verteilt werden.

Lägen mehr Anmeldungen vor als Plätze zur Verfügung stehen, müsse gelost werden. Böken nennt zur Verdeutlichung ein Beispiel: 110 Kinder inklusive Förderkinder können in diesem Jahr von der Gesamtschule aufgenommen werden. Zieht man die Förderkinder ab, können 100 Plätze vergeben werden. Würden in Topf eins 80 Bewerbungen und in Topf zwei 60 Bewerbungen liegen, rechne man 80:140x100 = 57 und 60:140x100 = 43. Somit würden 57 Kinder aus Topf eins und 43 Kinder aus Topf zwei aufgenommen.

„Die CDU erwartet, dass wir nur Geilenkirchener Kinder aufnehmen und wenn dann noch Plätze frei sind, die Anmeldungen aus anderen Kommunen berücksichtigen. Auch das ist rechtlich nicht zulässig“, schimpft Böken. Die Verordnung des Ministeriums besage, dass die Bewerbung eines auswärtigen Schülers berücksichtigt werden müsse, wenn die Herkunftskommune keine eigene Gesamtschule vorhält. So müssten in diesem Jahr auch Anmeldungen aus Heinsberg, möglicherweise auch aus Baesweiler berücksichtigt werden.

Eine Lösung des Problems sieht die Schulleitung in einer Erweiterung der Gesamtschule. „Diese Lösung haben wir vor zwei Jahren diskutiert. Die Ratsmehrheit wollte das damals nicht, jetzt wird die CDU polemisch“, ärgert sich Böken, der eigentlich auch kein Befürworter einer fünf- oder gar sechszügigen Gesamtschule ist. Denn räumlich platzt die Schule jetzt schon aus den Nähten, so dass bei einer weiteren Vergrößerung eine Dependance gebildet werden müsste. Und er weiß auch: „Hätten wir unsere Schule in den vergangenen Jahren fünfzügig geführt, wäre die Realschule längst geschlossen.“ Dazu Guido Beisner: „Wir wollen aber die Realschule nicht platt machen.“

Seinen Unmut hatte Böken Schumacher bereits am frühen Donnerstagmorgen per Telefon mitgeteilt. „Ich habe ihm gesagt, wenn er wolle, dass wir alle Hauptschüler aufnehmen, müsse der Stadtrat guten Willen zeigen und die Gesamtschule fünfzügig genehmigen. Schumacher hat gesagt, dass man darüber reden könne. Aber das wäre doch der Exodus der Realschule.“

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