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5500 Liter Blut sind lange nicht genug

Von: Daniela Martinak
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Ein kleiner Picks und schon fließt das Blut durch die Kanüle und den Schlauch in die Konserve.

Geilenkirchen. Die Männer der Familie Ohren machen viermal im Jahr einen Familienausflug der etwas anderen Art. Dann nämlich sitzen Opa, Papa und Sohn zunächst im Auto, dann auf blauen Liegen und schließlich zahlreichen anderen Blutspendern beim „Essen danach“ gegenüber.

Seit 19 Jahren spendet Thomas Ohren Blut. Sein Vater Karl leistet heute seine 109. Spende. Sohnemann Tom ist vier Jahre alt, darf noch nicht spenden, „wird aber schon mal darauf vorbereitet“, sagt der Geilenkirchener mit einem Augenzwinkern. Schließlich soll der Knirps wissen, dass die Aktion Menschen Leben rettet und nicht wehtut. „Mit einer Spende kann bis zu drei Personen geholfen werden. Jeder, der in der Lage ist, Blut zu spenden, sollte sich dessen bewusst sein, dass er vielleicht einmal selbst auf eine Blutkonserve angewiesen ist“, betont Heinz Kapschak, Referent des Blutspendezentrums in Breitscheid. Dort wird das Blut verarbeitet und gelagert.

Das Blutspendezentrum Breitscheid beliefert 170 Krankenhäuser und Arztpraxen im Gebiet des Blutspendedienstes West mit Blutkonserven. Und alle Blutgruppen müssen dort vorrätig sein. Es gibt übrigens acht Blutgruppen, allerdings über 600 Unterblutgruppen. Auch die sollten nach Möglichkeit bei Spender und Empfänger übereinstimmen, um etwa Blutallergien zu vermeiden. Die Ohrens sind sich einig: „Solche Aktivitäten wie Blut spenden vereinen!“ Blut ist eben dicker als Wasser. „Wunderbar, solche Spender zu haben. Direkt die Jungen heranführen“, betont Gabriele Hoch vom DRK-Blutspendedienst West.

Die wirbelt durch die Räume der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule und schaut nach dem Rechten. „In den Sommerferien und an Feiertagen sieht es mau aus. Hier sind zum Glück viele regelmäßige Spender. Woanders sieht es nicht so gut aus, aber Blut wird immer und überall gebraucht“, stellt die Referentin fest. „Wer gerade Blut braucht, kann nicht warten, bis die Spender aus dem Urlaub zurück sind.“ Heinz Kapschak bringt es auf den Punkt: „Um eine stete Versorgung möglich machen zu können, müssten es überall doppelt so viele Spender sein.“

Insgesamt 11.000 Menschen im Kreis Heinsberg nehmen jährlich an den Blutspendeaktionen teil. Woanders sind es häufig nicht einmal halb so viele. „Das ist schon ziemlich bitter, aber immerhin. Auf diese Leute können wir uns verlassen, sonst wäre das Lager oft leer.“ Das Team vom Blutspendedienst West ist ständig unterwegs. „Wir versuchen, die Wege für die engagierten Menschen so kurz wie möglich zu halten und flächendeckend aufzutreten“, erklärt Hoch. Frauen dürfen übrigens viermal, Männer sechsmal jährlich spenden, „weil Frauen ja auch so schon mal Blut verlieren“.

Die Ohrens wandern unterdessen von einer Station zur nächsten: Erst kommt die Anmeldung, dann muss ein Fragebogen ausgefüllt werden, dann folgen die Temperaturmessung und die Untersuchung des Hämoglobin-Wertes. Schließlich findet noch ein Gespräch mit einem der Ärzte statt. Und dann ist es so weit: Thomas Ohren krempelt den Ärmel seines Pullovers hoch.

Söhnchen Tom schaut gespannt zu, wie erst ein Proberöhrchen entnommen wird und schließlich der rote Lebenssaft seines Vaters über die Kanüle durch einen Schlauch in die Konserve fliest. Gerade einmal eine Viertelstunde dauert die Spende. Noch kurz ausruhen, damit sich der Kreislauf stabilisiert – danach wartet ein Buffet auf die Spender. Dort sitzt Opa Karl schon und unterhält sich mit den anderen Spendern, auch Erstspender sind dabei. „Blutspenden verbindet und lädt ein, Kontakte zu knüpfen“, versichert Hoch. Sogar Stammtische wurden gegründet.

Einen kleinen Stammtisch haben die Ohrens ja auch schon. „Es ist eine Familientradition geworden“, sagt Karl Ohren. Er habe seinen Sohn Thomas als Kind mitgenommen, genauso wie der jetzt seinen Sohn mitnimmt. „Nicht nur, dass wir Leben retten, wir tun damit auch etwas für unsere Gesundheit“, wissen die Ohrens. Schließlich wird so das Blut auch ausgetauscht und „frisches“ produziert. Das dauert laut Hoch nur eine Woche, dann sind Plasma, rote Blutkörperchen und Blutplättchen wieder vollständig, und neue Leben könnten gerettet werden. Immer einen Ausflug wert, zumindest für Familie Ohren.

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