Übach-Palenberg - 50 Jahre Schlafhorst: Viele Wendepunkte

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50 Jahre Schlafhorst: Viele Wendepunkte

Von: Markus Bienwald
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Ausbildung gehört bei Schlafhorst seit 50 Jahren mit zum Standort: Mehr als 700 junge Menschen wurden von hier aus in das Berufsleben entlassen. Foto: Markus Bienwald
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Die Statue der Spinnerin ist nun vom ehemaligen Standort Mönchengladbach mit an den Schlafhorst-Sitz in Übach-Palenberg umgezogen.
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Die Trikots der Leichtathleten des SV Schlafhorst ziert noch der ursprüngliche Werks-Schriftzug.

Übach-Palenberg. Wendepunkte gab und gibt es viele im nunmehr halben Jahrhundert, in dem die Firma Schlafhorst der Stadt mit den zwei Herzen ihren Stempel aufdrückte. Schon der Startschuss war eigentlich eine Wende.

Denn nach der letzten Steinkohleförderung der Gewerkschaft Carolus Magnus in der zweiten Jahreshälfte 1962 lag der Industriestandort Übach-Palenberg brach. Die Stadtrechte waren noch fünf Jahre entfernt, Arbeit gab es wenig. In dieser schlechten Zeit siedelte sich 1963 auf einem Teil des ehemaligen Zechengeländes die Firma Schlafhorst an und brachte neues Leben an den alten Industriestandort.

Größter Arbeitgeber der Stadt

Im Laufe der Zeit entwickelte sich Schlafhorst zum größten Arbeitgeber der Stadt, beschäftigte in Spitzenzeiten mehrere tausend Menschen. Doch nicht nur Lohn und Brot, die mit dem weltweiten Geschäft mit Textilmaschinen als Weltmarktführer in die ehemalige Zechengemeinde kamen, prägten die Firmengeschichte. Vielmehr sind es auch die gesellschaftlichen Auswirkungen, die eng mit dem Firmensitz in Übach-Palenberg verknüpft sind. Die Zahl von Mitarbeitern, die seit 25 oder gar 40 Jahren dem Betrieb eng verbunden sind, ist hoch. Wer beispielsweise einmal kurz bei Senioren fragt, ob sie einen kennen, der mal bei Schlafhorst gearbeitet hat, werden sich im Umfeld von Übach-Palenberg viele finden, die den Finger heben.

Immer wieder gab es wirtschaftliche Turbulenzen, gerade im sehr investitionsabhängigen und von Zyklen abhängigen Geschäft mit Textilmaschinen. Auch die Namen, die sich rund um Schlafhorst reihten, sind vielfältig. So durfte 1991 die Saurer-Gruppe erstmals ihren Namen vorne an das Eingangsportal hängen. Seit dieser Woche darf sie es wieder, weil der chinesische Investor Jinsheng sich nun engagiert und aus dem zwischenzeitlichen kleinen Zungenbrecher Oerlikon Schlafhorst wieder Saurer Schlafhorst machte.

Bange Momente gab es in den 50 Betriebsjahren natürlich auch. Warnstreiks der Gewerkschaften gehörten auch beim traditionsreichen Übach-Palenberger Unternehmen immer wieder dazu. Für die Menschen, die hier arbeiten, macht es im normalen Sprachgebrauch aber keinen Unterschied, wer der Inhaber ist: Denn Schlafhorst bleibt Schlafhorst.

Die Eigentümerwechsel haben die beiden direkt mit der Firma verbundenen Vereine mitgemacht. So mischt der SV Rot-Weiß Schlafhorst seit 1968 sehr aktiv und sehr erfolgreich auf dem Feld der Leichtathletik mit. Hier sei nur der Name Peter Speckens genannt, ein Urgestein und ehemaliger Betriebsleiter von Schlafhorst, der sich heute noch als sehr rühriger Senior regelmäßig mit viel Einsatz auf dem Siegertreppchen mancher Weltmeisterschaft wiederfindet.

Den Namen Schlafhorst in die Welt tragen auch die Herren vom Werkschor Schlafhorst, die seit vielen Jahrzehnten die reiche musikalische Landschaft Übach-Palenbergs bereichern, auch wenn in den letzten Jahren ein wenig der Mitgliederschwund und der Altersdurchschnitt auf die Zahl der Aktiven drückten.

Der Nachwuchs wird bei der Firma Schlafhorst sehr ernst genommen, denn mit den 50 Jahren am Standort Übach-Palenberg feiert auch die Ausbildungssparte ihren runden Geburtstag. Auszubildende gibt es hier in vielen Bereichen – von Mechanikern über Elektronikern bis hin zu Lagerfachkräften und Kaufleuten ist die Ausbildungssparte ausgesprochen breit aufgestellt. 700 junge Menschen wurden in den vergangenen 50 Jahren fit gemacht für die Zukunft, viele von ihnen sind heute noch dabei.

„Zusätzliche Pflichten“

So wie Willy Wetzler, der vor 47 Jahren als 14-Jähriger seine Ausbildung als Werkzeugmacher bei Schlafhorst begann und noch heute Teil der Schlafhorst-Familie ist. „Wir hatten zusätzliche Pflichten, die es für Azubis von heute schon lange nicht mehr gibt: Wir mussten unsere Waschräume selber reinigen, vor dem Wochenende sämtliche Produktionsmaschinen und Werkzeuge im Betrieb putzen, den Arbeitern das Mittagessen aufwärmen und pünktlich um 12 Uhr an den Arbeitsplatz bringen“. Auch solche Erinnerungen sind es, die eine tiefe Verbundenheit mit dem Betrieb dokumentieren.

Aktuell sind mehr als 1200 Menschen bei Schlafhorst beschäftigt, und für die Zukunft, da sind sich die neuen Betreiber, die Stadt Übach-Palenberg und auch die „alten Hasen“ bei Schlafhorst sicher, ist der Standort Übach-Palenberg gesichert.

Auch wenn dafür der ehemalige Standort Mönchengladbach aufgegeben wurde, kann sich Übach-Palenberg noch über einen weiteren Zugang in Sachen Schlafhorst freuen: Denn mit dem neuen Technology Center zur Carlstraße hin zieht auch ein ehemals in Gladbach angesiedeltes Stück Firmengeschichte um: Die Statue der Spinnerin zeigt auf dem grünen Rasen direkt vor der Glasfassade des neuen Betriebsteils, wie gut Historie und Zukunft gerade bei einem Textilmaschinenunternehmen zusammenpassen. Und sie demonstriert auch, dass Wendepunkte in der Geschichte nicht immer etwas Negatives bedeuten müssen, sondern durchaus positive Aspekte haben können.

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