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25 Stolpersteine gegen das Vergessen

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
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Der Künstler Gunter Demnig wird in Geilenkirchen 25 Stolpersteine verlegen. Foto: imago
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Mitglieder der Initiative „Erinnern“ schauen sich auf der Konrad-Adenauer-Straße in Geilenkirchen die Stellen an, an denen Stolpersteine verlegt werden. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagt Gunter Demnig. Der Künstler erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing in den Gehweg einlässt. Auch die Namen, Gesichter und Geschichte der Geilenkirchener jüdischen Glaubens werden in die Historie der Stadt Geilenkirchen zurückgeholt. Damit wird gleichzeitig ein Zeichen gegen Rassismus und Menschenverachtung gesetzt.

Seit der Gründung im Januar 2011 hat die „Initiative Erinnern Geilenkirchen“, der Vertreter von vier weiterführenden Schulen, der katholischen und evangelischen Kirche und engagierte Geilenkirchener angehören, viel erreicht. Jetzt wird ein bedeutender Meilenstein gesetzt: Am 5. März, 15 Uhr, werden 25 Stolpersteine in Geilenkirchen verlegt, die an die Existenz jüdischen Lebens in Geilenkirchen erinnern.

„Diese Stolpersteine gegen das Vergessen werden vor den Wohnhäusern der Geilenkirchener jüdischen Glaubens, die in der schrecklichsten Zeit unserer Geschichte verschleppt und ermordet wurden, verlegt“, erklärt Bürgermeister Thomas Fiedler und lobt dabei „den unermüdlichen Einsatz und die Tiefe der Recherche der Initiative“. Christa Nickels, ehemalige Parlamentarische Staatssekretärin und Initiatorin der Initiative, erinnert an anfängliche Ängste mancher Menschen, dass damit alte Rechnungen beglichen und Gräben aufgerissen würden. „Es gibt aber keine Erbschuld. Wir wollen niemanden an den Pranger stellen. Wir wollen nur an die Schicksake erinnern“, erklärt sie. Die Initiative wolle keinen Stolperstein vor ein Haus legen, wenn der aktuelle Besitzer nicht zustimme. „Niemand hat sich dagegen ausgesprochen, einige Hausbesitzer haben sogar gesagt, sie wollen dafür spenden“, freut sich Christa Nickels.

Auch die Berufsbildenden Schulen gehören der Initiative an. Und so werden die Auszubildenden im Straßenbau die Einlassstellen vorbereiten, so dass der Künstler, Gunter Demnig, die Steine an diesem 5. März einlassen kann. „Die Schüler leisten damit etwas Bleibendes, was die Geschichte der Stadt Geilenkirchen dokumentiert. Die jungen Menschen tun etwas für die Verarbeitung einer Geschichtsepoche“, lobt Fiedler

130 jüdische Bürger lebten bis zu den Gräueltaten der Nazis in Geilenkirchen. 70 Wohnorte hat die Initiative in mühevoller Recherche erfasst. „Wir verlegen allerdings nur 25 Stolpersteine, denn es soll keine Massenveranstaltung sein“, erläutert Christa Nickels. Über den Erfolg der Initiative freut sich auch Heinz Wolf, der seit Jahrzehnten die Geschichte der Geilenkirchener jüdischen Glaubens recherchiert. „In den 70er und 80er Jahren waren wir nur Einzelkämpfer“, blickt er ebenso wie Karl-Heinz Nieren auf diese Jahre zurück. „Es gab immer wieder Menschen, die die Fackel der Erinnerung hoch gehalten haben“, betont auch Thomas Fiedler.

Dies soll auch durch eine Fachtagung „Erinnern“ am Samstag, 26. Januar, 9.30 bis 17 Uhr, im Geilenkirchener Franziskusheim geschehen. Die katholische Region Heinsberg, der Evangelische Kirchenkreis Jülich, die Initiative Erinnern Geilenkirchen, der Katholikenrat der Region Heinsberg und das Katholische Forum für Familien- und Erwachsenenbildung laden unter der Überschrift Verfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus (1933 – 1945) in der Region Heinsberg zu diesem Forum unter Leitung von Marion Höver-Battermann, Katholisches Forum, Christa Nickels, Initiative Erinnern, und Ralf Zanders, Büro der Regionaldekane, zum Erfahrungsaustausch der unterschiedlichen Akteure ein. Einzelpersonen und Gruppen, die sich in der Erinnerungsarbeit engagieren, die erstaunliche Zusammenstellungen erarbeitet und sich für Mahnmale und Stolpersteine eingesetzt haben, sollen sich austauschen, Impulse und Anregungen zur Weiterarbeit geben. Zu dieser Fachtagung werden auch Sharon und Richard Dahl aus Israel, Nachfahren einer Geilenkirchener jüdischen Familie, erwartet. Gefördert wird diese Tagung übrigens durch das Projekt „Toleranz fördern, Kompetenz stärken“.

Am folgenden Sonntag, 27. Januar, findet eine „Tour der Erinnerung“ statt. Die Bustour führt zu Orten jüdischen Lebens mit Stationen in Geilenkirchen, Gangelt, Wassenberg und Erkelenz. Nach der Fachtagung „Erinnern“ besteht an diesem Tag die Möglichkeit, bei einer Busfahrt Orte aufzusuchen, die an die Verfolgung erinnern.

Treffpunkt ist um 10 Uhr der Bahnhof Geilenkirchen. Stationen sind die Synagoge in Gangelt, der jüdische Friedhof in Heinsberg oder in Wassenberg, der Gedenkstein in Wassenberg, Stolpersteine in Erkelenz und der Deportationsort Geilenkirchen. Das Ende ist für 16 Uhr vorgesehen.

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