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24. März: Schicksalstag für Geilenkirchener Schlecker

Von: Franz Windelen
Letzte Aktualisierung:
„Die gute Seele der Filiale”
„Die gute Seele der Filiale”: Maria Steffens wird am 24. März zum letzten Mal an der Kasse des Geilenkirchener Schlecker sitzen. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Der 24. März. Für Maria Steffens ist dieses Datum in doppelter Hinsicht schicksalhaft. Am 24. März 1995 hatte sie ihren ersten Arbeitstag bei Schlecker, am 24. März 2012 macht ihre Filiale in der Geilenkirchener Konrad-Adenauer-Straße dicht.

Sie ist eine von jenen rund 2000 Dependancen im Land, die am übernächsten Samstag geschlossen werden. Betroffen sind vier Angestellte. „Seit 17 Jahren bin ich bei Schlecker”, sagt die Filialleiterin. Und die 59-Jährige bricht eine dicke Lanze für ihren Arbeitgeber: „Diese Jahre waren eine wirklich schöne Zeit. Ich habe zu keiner Zeit Probleme mit Schlecker gehabt. Ich habe gut verdient, und ich habe auch regelmäßig mein Weihnachts- und Urlaubsgeld erhalten.”

Unverständlich sind für sie die negativen Veröffentlichungen in den Medien, diese hätten vieles „kaputtgemacht”. Sie sei nie irgendwelchen Schikanen wie etwa Personalüberwachungen ausgesetzt gewesen. „Natürlich seien in der Vergangenheit hier und da Mitarbeiterinnen gekündigt worden, doch dafür dürfte es seitens des Arbeitgebers auch triftige Gründe gegeben haben”, ist sie sich sicher.

Während Maria Steffens aus ihrem Berufsleben erzählt, herrscht zusehends Hochbetrieb in der Filiale in der Konrad-Adenauer-Straße. Und man hat nicht das Gefühl, dass der Laden mangels Kundschaft dicht macht. Dass seit Mittwoch Räumungsverkauf in den schließenden Märkten angesagt ist und alle Waren ohne Preisbindung mit 30 Prozent Rabatt über die Verkaufstheke gehen, dürfte sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht herumgesprochen haben.

„Sie war die gute Seele der Filiale”, sagt eine treue Kundin und deutet auf Maria Steffens. Es klingt nach Abschied, und Maria Steffens, immerhin seit zehn Jahren mit der Geilenkirchener Schlecker-Filiale als Leiterin auch emotional verbunden, ist sichtlich gerührt. Sie lässt kein schlechtes Wort über Schlecker kommen, wenngleich mit der Aufgabe der Filiale ihre weitere berufliche Zukunft in den Sternen steht. Ob sie an anderer Stelle, in anderer Position übernommen wird, muss sie erst mal abwarten.

Auch die Immendorfer Schlecker-Filiale erhielt ein Fax vom Insolvenzverwalter. Allerdings mit anderem, mit erfreulichem Inhalt. Der Markt an der Dürener Straße wird bleiben. „Wir haben um jeden Kunden gekämpft.” Filialleiterin Ute Steinberg zeigt sich „froh und erleichtert” zugleich. Der Schlecker im dörflichen Immendorf sei eine Art Emma-Laden nur mit weitaus größerem Sortiment. „Es wäre nicht nur für die Omis mit Rollator schlimm, wenn plötzlich die Nahversorgung fehlen würde und sie weite Wege in Kauf nehmen müssten”, weist Ute Steinberg auf die Vorteile des Discounters vor Ort hin. Zwei Bäckereien, sonst keine Geschäfte für den täglichen Bedarf. „Man kennt sich, sogar die Zeugnisse der Kinder, die manchmal nach der Schule reinkommen und diese zeigen”, schätzt die Filialleiterin die dörfliche Nähe.

Doch in die Freude um den Weiterbestand ihrer Filiale mischt sich auch bei ihr und ihren zwei Kolleginnen die Angst um den Arbeitsplatz. Darf sie in Immendorf bleiben, droht die Versetzung und gar die Kündigung? Ute Steinberg ist 49, alleinerziehend und alleinverdienend: Sie sei auf die Arbeit angewiesen, sagt sie. Jetzt richtet sich ihr Blick und der ihrer vielen Schlecker-Kollegen auf den Sozialplan, der erstellt wird und dessen Kriterien über das Wohl und Wehe eines jeden Einzelnen entscheiden werden.
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