Zwischen Land und See liegt der Talbahnhof

Von: mic
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In der Städtischen Kunstsammlung sind zur Zeit Bilder von André Paquet (links) und Skulpturen von Christoph Mancke zu sehen. Foto: von André Paquet (links) und Skulpturen von Christoph Mancke zu sehen.

Eschweiler. Kunstfreunde in der Region hatten am Samstag die einmalige Gelegenheit, sich auf die „Kult.Tour 2009” zu begeben. Eschweiler war eine der fünf Stationen entlang der Euregiobahnstrecke, an denen Kunst und Musik geboten wurden. Im Talbahnhof stellten gleich drei bildende Künstler ihre Werke vor.

Es ist eine sehenswerte Ausstellung, die der Kunstverein in den Räumen der Städtischen Kunstsammlung zusammengestellt hat und die - eingebettet in die „Kult.Tour 2009” - am Samstag eröffnet wurde. Unter dem Titel „Between Sea and Land”, also zwischen Meer und Land, sind dort noch bis zum 18. Oktober Bilder von André Paquet und Skulpturen von Christoph Mancke zu sehen. Zu den vielen Besuchern der Vernissage hatten sich auch Petra Baur und Wolfgang Deutz gesellt, die die „Kult.Tour 2009” gemeinsam mit Professor Dr. Fritz G. Rohde organisiert hatten.

Manfred Lohre, Vorsitzender des Kunstvereins, freute sich zudem, dass mit Prof. Dr. Dieter Alexander Boeminghaus jemand in die Ausstellung einführte, der Andr Paquet und Christoph Mancke seit Jahren begleitet. Der Professor wies darauf hin, dass es die erste gemeinsame Ausstellung der beiden Künstler sei, und versuchte sich zunächst an einer Deutung des Titels „Between Sea and Land”. „Gemeint ist offenbar ein besonderer Ort, weder das eine, noch das andere, also between - dazwischen.” Und was liegt „between”? Gemeint seien zwei Pole, Verschiedenheiten, ja Gegensätze, die zusammengehören. Dazwischen liege „das Ufer, ein schmaler Küstenstreifen, eine Stelle also, von der wir nicht genau wissen: Ist es schon fester Boden oder ist es noch Meer?”.

Andr Paquet, der schon in seiner Jugend die Liebe zur Malerei entdeckte, war Schiffsingenieur und bereiste die Weltmeere. Seine wirklich sehenswerten Bilder, die er meist in Acryl fertigt, zeigen entsprechende Motive: Schiffe, Häfen, Kräne. Da Paquet sich mit den Jahren mehr und mehr vom figurativen Malen gelöst hat, erschließen sich seine Bilder, die allesamt große Anziehungskraft besitzen, erst bei längerem Betrachten.

Professor Boeminghaus wies auch hier auf die Gegensätzlichkeit hin, sprach von „leichten Seemotiven” und „schwerem Material” und deutete auf das „Dazwischen” und dessen Botschaft: „Alles ist möglich, der Mensch kann alle Schwierigkeiten überwinden, ja übers Wasser laufen. Veränderung ist nur hier, an der Schwelle, möglich. Dies sagen uns die Werke von Paquet und Mancke.”

Bildhauer Christoph Mancke, der ebenso wie Paquet bereits etliche Preise und Auszeichnungen erhalten hat, zeigt im Talbahnhof kleine und größere Skulpturen, für die er Stahl, Holz, Gusseisen, Stein und Kombinationen dieser Materialien verwendet hat. „Jedes seiner Werke”, sagte Professor Boeminghaus, „scheint ein Versuch zu sein, sich von seiner Schwere zu erheben. Bei ihm soll der schwere Stahl fliegen lernen.”

Im Saal des Talbahnhofs stellte am Samstag die Malerin Ingeburg Aigner ihre Bilder aus; die Künstlerin ist auf einem Auge blind und besitzt auf dem anderen nur noch minimale Sehkraft. Für ihre kleinformatigen „Fühlbilder” verwendet sie verschiedenste Materialien wie Spachtelmasse, Holz, Schnur, Draht oder Muscheln. Viele Besucher der Ausstellung nutzen die Gelegenheit, sich in Aigners Bilder „einzufühlen”. Dazu streiften sie sich Augenbinden über oder zogen spezielle Brillen auf, die die Augenkrankheit „Makuladegeneration”, einen Ausfall des zentralen Gesichtsfeldes, simulieren. So konnte sich jeder durch reines Ertasten ein Bild von Ingeburg Aigners Schaffen machen.

Zur Ausstellung spielten der blinde Saxophonist Feri Nmeth sowie Christian Guth (Gitarre) und Jan Hallema (Bass). Die Selbsthilfevereinigung „Pro Retina” war im Saal mit einem Infostand vertreten. Übrigens: Die Ausstellung mit Werken von André Paquet und Christoph Mancke ist noch bis zum 18. Oktober zu sehen. Die Öffnungszeiten: freitags 16 bis 18 Uhr, samstags 11 bis 13 Uhr und sonntags 11 bis 13 sowie 16 bis 18 Uhr.
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