Zuzug neuer Mitbürger als Chance sehen

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Wenn sich nicht jeder stets selbst der Nächste ist, lassen sich auch schwierige Zeiten meistern: Bürgermeister Rudi Bertram hält es mit Hermann Hesse, der gesagt hat: „Damit das Mögliche entstehe, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden.“ Foto: Archiv/Rudolf Müller

Eschweiler. Bürgermeister Rudi Bertram blickt im Interview mit unserer Zeitung unter anderem auf die prägenden politischen Ereignisse 2014 zurück – und erkennt dadurch manche Herausforderung für die Stadt Eschweiler und ihre Bürger im nächsten Jahr.

 

Wieder neigt sich ein ereignisreiches Jahr dem Ende zu. Was waren für Sie die prägenden Ereignisse 2014?

Rudi Bertram: Auf der großen Bühne der Weltpolitik werden wir Zeitzeugen beunruhigender und in mancherlei Hinsicht geradezu beängstigender Geschehnisse. Ich erinnere nur an den Konflikt zwischen der Ukraine und Russland und dessen Auswirkungen. Hier drängen sich Befürchtungen eines neuen „Kalten Krieg“ auf. Und ich erinnere an den Terror der extremistischen Islamisten im Nahen Osten. Militanter religiöser Fundamentalismus wird zunehmend zu einer Bedrohung für die ganze Welt und ist eine Kampferklärung an die Menschenrechte, die von der Weltgemeinschaft nicht hingenommen werden darf.

Nun ist dies zwar „große Politik“, die nicht direkt vor unserer Haustür geschieht….

Bertram: Doch Folgen für das alltägliche Leben und das gedeihliche Miteinander hier vor Ort in Eschweiler haben die Konflikte in unserer globalisierten Welt durchaus. Wir werden uns mit ziemlicher Sicherheit darauf einstellen müssen, mehr Asylsuchenden, Flüchtlingen und Migranten die Chance auf ein menschenwürdiges Leben in Frieden und Freiheit zu gewähren. Nicht nur aus humanitärer Verantwortung, auch angesichts des unleugbaren demografischen Wandels sollten wir dies als Chance begreifen und versuchen, die Schlagworte Integration und Toleranz vorzuleben. Und es sollte sich von selbst verstehen, dass dies keine Einbahnstraße sein darf.

Eschweiler als Multikulti-Stadt – kann das funktionieren?

Bertram: Ein friedliches, tolerantes und gedeihliches Miteinander in unserer Stadt ist möglich. Wenn jeder sich seiner sozialen Verantwortung stellt, man sich nicht immer selbst der Nächste ist, dann werden wir in Eschweiler gemeinsam auch schwierige Zeiten meistern können. Frei nach Erich Kästner: ,Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es.‘

Was macht sie aus, die schwierigen Zeiten in Eschweiler?

Bertram: Wir erleben in unserer Stadt derzeit einen Strukturwandel, auf den wir – die Stadtverwaltung, die Kommunalpolitik und letztlich alle Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt – schnellstmöglich und mit Kreativität und Fantasie reagieren müssen. Nur so werden wir diesen Strukturwandel nachhaltig und für unsere Stadt positiv gestalten können. Denn wie der Schriftsteller Hermann Hesse einmal treffend bemerkte: ,Damit das Mögliche entstehe, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden.‘

„Das Unmögliche versuchen“ könnte als Leitmotiv über dem gerade verabschiedeten Haushaltsplan stehen.

Bertram: Das Unmögliche versuchen – das mache ich gemeinsam mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rathaus und den Eschweiler Lokalpolitikern Tag für Tag. Noch bis zum Jahr 2016 wird sich die Stadt Eschweiler im Haushaltssicherungskonzept befinden. Ich habe mich in den vergangenen Jahren stets dafür stark gemacht, dass sich die Stadt Eschweiler trotz der angespannten Haushaltslage, für die letztlich nicht sie selbst, sondern ein ungerechter kommunaler Finanzausgleich schuld ist, nicht zu Tode spart. An dieser Linie werde ich auch weiter festhalten.

Was bedeutet das konkret?

Bertram: In unserem Engagement zur Stärkung der Infrastruktur und der Wettbewerbsfähigkeit Eschweilers haben wir im zu Ende gehenden Jahr nicht nachgelassen. Auch im kommenden Jahr werden zielgerichtete, nachhaltige Investitionen in Betreuung, Bildung, Beschäftigung und Infrastruktur Schwerpunkte des verantwortungsvollen Handelns für unsere Stadt bleiben. Hierzu gehören insbesondere die Sanierung, Erneuerung und Umgestaltung städtischer Einrichtungen, die Verbesserung von Straßen und Kanälen, die Modernisierung und Erweiterung städtischer Schulen und Kindergärten sowie die Schaffung neuer lebenswerter Wohnbereiche. Wir wollen uns mit Nachdruck dafür einsetzen, dass in Eschweiler bestehende Arbeitsplätze erhalten bleiben und durch das Ansiedeln neuer Betriebe und Unternehmen neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Was hat sie im zu Ende gehenden Jahr besonders beeindruckt?

Bertram: Mein besonderer Dank gilt den vielen ehrenamtlich tätigen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in unserer Stadt. Sie setzten sich vorbildlich ein für unser Gemeinwesen, für Eschweiler und seine Menschen. Ihr wertvoller Einsatz, im Großen wie im Kleinen, in der Öffentlichkeit wie im Hintergrund, ist gelebte Solidarität und unverzichtbar für die Identifikation mit unserer Stadt. Alle ehrenamtlich Tätigen in unserer Heimat Eschweiler tragen zum sozialen Leben sowie zur kulturellen und sportlichen Vielfalt vor Ort entscheidend bei.

Was geben Sie den Indestädtern mit auf den Weg ins Neue Jahr?

Bertram: Der französische Schriftsteller und Philosoph Jean-Paul Sartre hat einmal gesagt: ,Vielleicht gibt es schönere Zeiten – aber diese ist unsere.‘ In diesem Sinne und mit der Einladung an alle, sich für die Gestaltung dieser, unserer Zeit aktiv zu engagieren und einzubringen, wünsche ich allen, die sich unserer Stadt und den in ihr lebenden Menschen verbunden fühlen, gesegnete, friedvolle und erholsame Feiertage. Mögen im neuen Jahr 2015 persönliches Wohlergehen, Glück, Erfolg und Gesundheit Ihre ständigen Begleiter sein.

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