Zum Mitsingen: Lieder aus dem Hamsterrad

Von: jope
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Garant für volles Haus: Günter Hochgürtel. Foto: Joachim Peters

Eschweiler. Es war fast wie zur Studentenzeit mit überfüllten Seminarräumen: In Gretel Germanns kleiner „guter Stube” musste für einige der rund 60 Besucher die Treppe als Sitzplatz beim Auftritt von Günter Hochgürtel herhalten. Die Leute zieht es in Scharen in den Talbahnhof und nun erneut ins Culture-Café, wenn der in Nettersheim beheimatete Eifelbarde Eschweiler seine Aufwartung macht.

Menschlich, authentisch, nachdenklich und auch gesellschaftskritisch („Ich mag Hannes Wader noch mehr als den Vorzeige-Schwiegersohn Reinhard Mey!”): So präsentierte sich der in „fünf Sprachen” bewanderte Hochgürtel: hochdeutsche, französische, englische und italienische Töne wechselten sich in den Chansons mit dem (Eifel)-Plattdeutsch ab.

In einem Mix schon oft gehörter und neuer auf CD gepresster Texte spiegeln sich die Träume und Freuden, aber auch die sentimentalen Rückblicke und schonungslos benannten Beklommenheiten des „mittelalterlichen Mannes”. Fazit: zu jung, um sich nicht über „Wein, Weib und Gesang” zu freuen, aber auch nicht mehr so jugendlich-überschwenglich, um den eigenen und den Vergänglichkeiten der Welt mit einem Zwinkern ins Auge zu schauen.

Nach wie vor schwingt sich der Junggebliebene auf sein „Ribbelsche” (Wort für das Moped, dem Vehikel der eingesperrten, aber freiheitsliebenden Eifel-Jugend). Nach wie vor greift Hochgürtel zur Klampfe, um gesellschaftskritische und protestbewegte Lieder von Bob Dylan und Hannes Wader anzustimmen.

Daneben findet sich in Hochgürtels Liedern die Sorge um die Vergänglichkeit in jeder Form - sei es um die eigene oder von alten Freunden, wenn es um Abnutzungskämpfe in Ehe und Familie geht, sei es um die von machtgierigen Menschen bedrohte Schöpfung. „Ich mache das nicht mehr mit”, singt und „röhrt” Günter Hochgürtel zu harten Gitarren-Akkorden in den Saal. „Das” sind Machtkämpfe und -spiele und ein „Leben im Hamsterrad”, das die Gefühlswelt der gehetzten Menschen aushöhlt und zerstört.

Nach diesen kritischen Tönen stimmt Günter Hochgürtel schließlich doch wieder das Hohelied auf das unverwüstliche Leben an. Meys „Menschen-Junges” ist ein engagiertes „Ja” zu Kindern, die es ins Leben zu begleiten gilt. „Es ist ein Wunder, dass ich noch lebe” bringt die Lebenskunst des kreativen Journalisten auf den Punkt: trotz aller Desillusionierungen und „Nackenschläge” nach vorne zu schauen - aus Liebe zum Leben, das immer wieder, in allen Generationen und zu allen Zeiten bunte Farben zum Vorschein bringt.
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