Zucker tut nicht weh, aber Folgen können grausam sein

Von: Stefan Herrmann
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Diagnose im umfunktionierten Fraktionsraum: Dr. Klaus Fürste (sitzend), Dr. Rudolf Müller (links) und Dr. Burkhard Bündgens machten per Ultraschall den Halsschlagader-Check. Gefäßkrankheiten und Schlaganfall-Risiko können sie in Minutenschnelle erkennen.

Eschweiler. Sorglos leben viele Menschen in den Tag hinein: Das deftige Frühstück am Morgen, mittags eine Kalorienbombe aus der Kantine, nachmittags dann etwas Süßes. Zwischendurch darf selbstverständlich die regelmäßige Dosis Koffein nicht fehlen. Dazu der Glimmstengel und abends das wohlverdiente Bier.

Für ausreichend Bewegung ist im stressigen Arbeitsalltag kein Platz. Gesunde Ernährung? Für viele heißt das, einmal in der Woche kommt Salat auf den Tisch. Die mögliche Folge solch eines Lebenswandels: Diabetes. Für den Betroffenen ein hartes Schicksal, für die Gesamtgesellschaft ist die Zuckerkrankheit eine Belastung in unvorstellbaren Dimensionen.

Wenn Apotheker Martin Katzenbach und Prof. Dr. Uwe Janssens vom St.-Antonius-Hospital (SAH) über die Auswirkungen der Volkskrankheit Diabetes mellitus referieren, reden sie sich regelrecht in Rage. „Die Krankheit kostet uns Milliarden, und den einzelnen Patienten trifft sie hart”, seufzte Janssens beim 11. Diabetes- und Gefäßtag im Rathaus.

Elfmal Aufklärung und Vorsorge in Eschweiler, elfmal lange Warteschlangen an den Ständen für kostenlose Cholesterin-, Blutdruck-, Vitalitäts- und Körperfett-Checks. „Die Resonanz ist auch dieses Mal wieder überwältigend”, freute sich Katzenbach, Initiator der Veranstaltung und Vorsitzender des lokalen Selbsthilfevereins.

Obwohl offiziell erst um 9 Uhr die Pforten öffneten, standen sich wartende Menschenschlangen bereits eine Stunde zuvor die Beine in den Bauch. Hochbetrieb herrschte beim Früherkennungstest gemäß der Deutschen Diabetes-Stiftung. 800 Test-Pakete hatte Katzenbach auf Lager, nach zwei Stunden waren bereits 500 verbraucht.

Die Beantwortung acht einfacher Fragen gibt darüber Auskunft, wie hoch das Diabetes-Risiko liegt. „Wurde bei mindestens einem Mitglied Ihrer Verwandtschaft Diabetes diagnostiziert?”, „Welchen Taillen-Umfang messen Sie auf Höhe des Bauchnabels?”, „Haben Sie täglich mindestens 30 Minuten körperliche Bewegung?” - schnell gibt der Gesundheitscheck-Bogen Gewissheit, in welcher Risiko-Situation man sich befindet.

„Ob Sie Diabetes Typ 2 bekommen, kann bereits zehn Jahre vorher diagnostiziert werden”, rät Katzenbach dringend dazu, das eigene Risiko-Potenzial zu testen. Sind die Ergebnisse entsprechend, kann frühzeitig gehandelt werden. Janssens, Chefarzt der Abteilung Innere Medizin im SAH, fügt hinzu: „Bei Diabetes ist vieles eine Frage des Lebensstil. Ich spüre lange Zeit relativ wenig. Der Zucker tut nicht weh.”

Und während Janssens gemeinsam mit den Kollegen Dr. Lothar Franz Nossek und Dr. Matthias Ploch im Foyer vor zahlreichen interessierten Zuhörern zu Themen rund um Diabetes referierten, funktionierten der niedergelassene Facharzt für Innere Medizin, Dr. Burkhard Bündgens, Dr. Rudolf Müller, Chefarzt der Abteilung Gefäßchirurgie des SAH und Dr. Klaus Fürste vom SAH die Fraktionsräume der Parteien in Untersuchungsbereiche um.

Per Ultraschall konnten Besucher die Dicke der Halsschlagader überprüfen lassen. Diese gibt ebenfalls Aufschluss darüber, wie hoch das Diabetes- und Schlaganfall-Risiko ist. Auch Muskelanteil-, Organfett- und Körperfett-Checks sowie Ernährungs-, Sport- und Bewegungs-Beratung fanden bei den hunderten Besuchern großen Anklang.

Über Diabetes und chronische Erkrankungen klärte Dr. Matthias Ploch in einem informativen Vortrag auf. „Viele kommen erst mit der Folgeerkrankung zum Arzt”, sagte der Experte. Die Folgeschäden durch dauerhafte Überzuckerung sind immens: Infarkt, Schlaganfall, Schädigung der Nieren, der Nerven, der Augen - vieles davon ist oftmals auf eine Diabetes mellitus zurückzuführen.

Die Auswirkungen für die Gesellschaft sind immens: „Diabetes ist ein Fass ohne Boden für unsere Krankenkassen”, klagt Katzenbach. Das „Rumdoktern” der Politiker am Gesundheitssystem zeige, wie hilflos man auch an verantwortlicher Stelle der Thematik gegenüberstehe. Mehr Investitionen in Bildung und Vorsorge seien der einzige Weg, und zwar konzeptionell und nachhaltig.

Die Volkskrankheit Diabetes schlägt mit Milliarden-Kosten zu Buche. Zehn Prozent der Deutschen - damit nimmt die Bundesrepublik den Spitzenplatz in Europa ein - sind betroffen. Die Dunkelziffer wird noch viel höher geschätzt.

Derweil bleibt das Gesundheitssystem eher ein „Krankheitssystem”, wie Dr. Janssens moniert. Erst wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, werde reagiert. Aufwendige und kostspielige Therapien werden bezahlt. Nicht oder viel zu selten dagegen sinnvolle Vorsorge und die Erziehung der Menschen hin zu einem gesünderen Lebenswandel.
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