„Zu Tisch – mit Gott und der Welt“: Bistumsaktion mit vielen Gesprächen

Von: jlm
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Caren Leuchter (rechts) und Stefanie Sieger-Bücken (2.v.r.) hatten stets ein offenes Ohr für die Besucher. Foto: Julia Meuser

Eschweiler. „Lassen Sie Ihre Arbeit am Ort sichtbar werden, inspirieren Sie andere und lassen Sie sich selbst inspirieren: Ganz gleich, ob bei Gesprächen im Kleinen oder bei großen Projekten, folgen Sie der Einladung: „Zu Tisch – mit Gott und der Welt“.“ Mit diesen Worten hatte Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff zur Bistumsaktion „Zu Tisch – mit Gott und der Welt“ eingeladen.

Aufgrund des großen Interesses an der Bistumsaktion des Jahres 2009 „Gottes-Wort am Menschen-Ort“ war nun dieses Projekt ins Leben gerufen worden. Auch in Eschweiler wurde hierfür am Samstag auf dem Marktplatz ein Stand der Pfarre St. Peter und Paul aufgebaut, um dort mit Passanten an einem großen Tisch bei dem einen oder anderen Häppchen ins Gespräch zu kommen.

Dort stand auch der Bus der Aktion, der eigens vom Bistum zur Verfügung gestellt worden war. Impulse und Anregungen, die einige Interessierte äußerten und die engagierten ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter der Pfarre gerne aufnahmen, wurden gleich auf Zetteln festgehalten und an die Fensterscheiben des Busses geklebt.

Der Tisch erhält bei dieser Aktion als christliches Symbol eine besondere Bedeutung. Er verweist auf die Eucharistie, die zentrale Feier der katholische Kirche, die Jesus Christus den Menschen als Mahl an einem Tisch stiftet. Der Tisch soll der Mittelpunkt der Familie, der Gastfreundschaft, der Gemeinschaft und der Solidarität sein.

Ab sechs Uhr bis zum Marktschluss befanden sich immer mindestens vier ehrenamtliche sowie hauptamtliche Mitarbeiter der Pfarre, die sich stündlich abwechselten, auf dem Markt, um Menschen an einen Tisch zu bringen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Mit dem Vorhaben, auch kritischen Fragen und Meinungen offen entgegen zu treten, wollten sie allen Interessierten Rede und Antwort stehen.

Dabei waren alle Menschen eingeladen, egal aus welcher Gemeinde sie stammten. „Ich möchte die Kirche näher an die Mitmenschen bringen und sie aufmerksam machen“, erklärte Claudia Houben ihr Engagement und Beata Schwamborn, die im Pfarrgemeinderat tätig ist, fügte hinzu: „Als einen Akt der Nächstenliebe möchte ich von meinem Glauben erzählen und zu meinem Glauben stehen. Es ist wichtig, dass wir dabei wie bei der Missio hinaus in die Welt gehen und dabei offen für die Sorgen und Nöte anderer sind.“

„Heute Morgen musste ich mir einen Ruck geben, ich hatte Bedenken“, äußerte dahingegen Caren Leuchter, tätig im Pfarrgemeinderat sowie vielen anderen Gremien und Gruppen der Pfarre. „Die Kirche sollte aber öffentlicher gemacht werden. Man muss raus aus der Kirche und unter die Leute gehen. Dabei möchte ich natürlich gerne ein wenig meiner eigenen Überzeugung weitergeben“, sagte sie. Und das gehe so nun einmal besser als in der Kirchenbank.

Am Anfang seien die Leute oft erschrocken und überrascht von diesem Projekt, doch die Resonanz und Reaktion der Angesprochen sei positiv gewesen, betonten die Kirchenmitarbeiter. „Es ist gut, dass die Kirche den Kirchenraum verlässt und in die Öffentlichkeit geht“, so Diakon Bernhard Habermeyer. Und diese Meinung teilten auch viele der Passanten. Da war es nicht verwunderlich, dass manche Gespräche auch schon einmal etwas länger dauerten und einige der Haupt- und Ehrenamtler auch noch etwas länger blieben.

Auch Stefanie Sieger-Bücken, Gemeindereferentin in der GdG, war durchaus angetan von der Resonanz des Projektes: „Ich bin ganz zufrieden“, meinte sie. Man werde durchaus wahrgenommen, und man leiste hier gute Öffentlichkeitsarbeit. Als sie diese Aktion dem Ordnungsamt gemeldet habe, habe man dort erst nicht recht verstanden, was genau das für ein Projekt sein sollte. Man habe sie erst oberhalb des Marktes an der Pfarrkirche platzieren wollen, doch man wollte auf den Markt, unter die Menschen.

Die Anliegen der Gesprächspartner waren dabei durchaus gemischt. So äußerten manche ihre Unzufriedenheit über die zu geringe Anerkennung des Ehrenamtes seitens der Pfarre. Das Angebot der Kinderkirche für Kleinkinder aber auch für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren sei dahingegen sehr gut und sollte daher öfter angeboten werden.

Auch die veränderten Gottesdienstzeiten der Gemeindezentren waren ein Thema. Wünsche wie „Die Messe sollte im Krankenhaus am Sonntag stattfinden“ oder auch „Alle 14 Tage sollte um 18 Uhr in St. Michael eine Heilige Messe stattfinden“ wurden laut. Ein Passant kritisierte, ihm fehle die Gemeinschaft der jüngeren Generation und auch einige Jugendliche äußerten sich infolge des Projektes. So schrieben diese: „Das Messdienerwochenende war sehr schön. Die neuen Messdiener wünschen sich für die ersten Monate regelmäßige Treffen, damit sie sicherer werden und sich ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln kann.“

Eine junge Frau lobte indes, die Osternachtsmesse sei ganz toll gewesen und diese habe sie sehr angesprochen. Auch seien die Predigten von Pfarrer Graaff und Pfarrer Kreutzer ausgezeichnet und lebensbejahend. Zugleich wurden auch kritische Töne geäußert. So beschwerte sich eine Passantin, die Patienten der Onkologie des St.-Antonius-Hospitals betreut, darüber, dass montags in einem katholischen Krankenhaus kein Priester erreichbar sei. Zwar gebe es den ehrenamtlichen Seelsorgedienst, doch manchen Patienten reiche das nicht. Sie würden sich den kirchlichen Beistand eines Priesters wünschen. Im Laufe des Morgens wurden natürlich auch allseits bekannte und oftmals gestellte Fragen geäußert, wie zum Beispiel: „Warum dürfen Priester nicht heiraten?“

Ein Passant nahm auch Bezug auf den neuen Papst und zeigte dabei die Hoffnung, „dass Papst Franziskus der Kirche und der Ökumene neue und tragfähige Impulse gibt.“ Alle Anliegen wurden dabei stets notiert und sollen in baldiger Zukunft vom Pfarrgemeinderat besprochen und ausgewertet werden. So war an diesem Morgen jedem Interessierten die Möglichkeit gegeben, in Kontakt zu kommen mit Menschen, die sowohl für Fragen als auch für Lob, Verbesserungsvorschläge und auch Kritik offen sind.

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